Schorndorf

Schorndorfer Unternehmen kptec components meldet Insolvenz an

KPTec Group
Pleite. Die schwächelnde Autoindustrie und Corona sind vermutlich Ursachen dafür. © Benjamin Büttner

Zuerst war die schwächelnde Automobilbranche, dann kam Corona: Das Schorndorfer Unternehmen kptec components hat Insolvenz beantragt. „Aufgrund drastisch eingebrochener Aufträge durch die Krise in der Werkzeugmaschinenindustrie, verstärkt durch die Covid-19-Pandemie, hat die kptec components GmbH am 14. Oktober Insolvenzantrag gestellt“, erklärt Matthias Kelch, geschäftsführender Gesellschaft der kptec Group. Rückgänge bei den Aufträgen von mehr als 70 Prozent hätten nicht mehr kompensiert werden können. Betroffen von der Insolvenz sind etwa 35 Mitarbeiter. Die Muttergesellschaft kptec Group GmbH und die Schwestergesellschaften kptec service und kptec cryo seien von der Situation nicht tangiert.

In der Krise weniger Aufträge

Strukturelle Gründe sind es vor allen, die nach Angaben von Matthias Kelch zu der Insolvenz geführt haben. „Anfang 2019 entwickelte sich aufgrund des weltweiten Rückgangs der Automobilkonjunktur und des Strukturwandels hin zur Elektromobilität ein deutlicher Rückgang der Verkäufe der Werkzeugmaschinenhersteller“, erklärt er. Diese seien die wesentlichen Kunden der kptec components GmbH. Der rückläufige Automobilabsatz gepaart mit der Unsicherheit über die technologische Zukunft alternativer Antriebskonzepte habe zu einem massiven Rückgang der Investitionen in spanende Werkzeugmaschinen geführt. Genau für diese und die darin verbauten Motorspindeln fertigt die kptec components Präzisionsteile und -Baugruppen. Eigentlich habe der erwartete zyklische Aufschwung Anfang 2020 zu steigenden Aufträgen im ersten Quartal 2020 führen sollen. Das sei im Januar und Februar auch der Fall gewesen. „Doch dann kam das Coronadrama“, sagt Kelch. Die Erholung sei durch die Pandemie im Keim erstickt worden, die Nachfrage komplett zusammengebrochen. Während dieser Zeit sei der Großteil der Mitarbeiter in Kurzarbeit gewesen, gearbeitet wurde noch mit 25 Prozent der Beschäftigten und der Maschinen. „Die Kurzarbeit hilft, das reicht aber nicht aus“, sagt der Geschäftsführer. Die Hoffnungen, dass sich der Markt bald erholen würde und die Auftragslage besser werden würde, hätten sich nicht erfüllt. Eine verlässliche Zukunftsplanung sei in dieser Situation nicht mehr möglich. „Die kptec components GmbH ist seit zwölf Monaten nur noch zu knapp 30 Prozent ausgelastet. Trotz Kurzarbeit und strikten Kostenmanagements entstehen monatlich erhebliche Verluste, die das Unternehmen nicht mehr tragen kann.“ Eine Kapitalspritze durch die Gesellschafter der Muttergesellschaft zum Jahreswechsel 2019/20 in mittlerer sechsstelliger Höhe sei inzwischen aufgebraucht: „Die Insolvenz ist unvermeidbar.“

„Wir hatten gehofft und darauf hingearbeitet, diesen in Höhe und Dauer noch nie da gewesenen Auftragseinbruch durchzustehen“, so Hauptgesellschafter Kelch, „aber jetzt geht uns einfach die Luft aus.“ Ausreichende Aufträge seien nicht in Sicht. Das Unternehmen habe zwar keine Kunden verloren, doch die Kunden brächten derzeit keine Aufträge. „Wir wissen, es wird irgendwann wieder aufwärtsgehen, aber leider können wir trotz des ungebrochenen Engagements der Mitarbeiter aus eigener Kraft nicht mehr lange genug durchhalten.“

Bereits früh sei deshalb der Insolvenzantrag gestellt worden. „Wir haben einen laufenden Geschäftsbetrieb“, betont Kelch. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Dr. Kirschnek aus Stuttgart bestellt. Der ist zusammen mit der Geschäftsleitung derzeit auf der Suche nach Investoren. Die Gespräche laufen, in dieser Woche seien vier Unternehmen in Schorndorf gewesen, um sich über kptec vor Ort zu informieren.

„Wir wollen eine Lösung idealerweise mit einem Investor, der Geld hat, aber auch Ideen, wie man die Durststrecke überwinden kann“, sagt Kelch. Klar ist für ihn aber auch: Die Zeit drängt. Die Phase der vorläufigen Insolvenz dauere drei Monate. Noch sind keine Kündigungen ausgesprochen. „Wir versuchen, am Standort die rund 35 Arbeitsplätze zu erhalten.“ Ein Problem dabei: Von der Konjunktur- und Coronakrise sind derzeit viele in der Branche betroffen. Deshalb befürchtet Kelch, dass viele Investoren zögern könnten, viel Geld zu investieren.

Zuerst war die schwächelnde Automobilbranche, dann kam Corona: Das Schorndorfer Unternehmen kptec components hat Insolvenz beantragt. „Aufgrund drastisch eingebrochener Aufträge durch die Krise in der Werkzeugmaschinenindustrie, verstärkt durch die Covid-19-Pandemie, hat die kptec components GmbH am 14. Oktober Insolvenzantrag gestellt“, erklärt Matthias Kelch, geschäftsführender Gesellschaft der kptec Group. Rückgänge bei den Aufträgen von mehr als 70 Prozent hätten nicht mehr kompensiert

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