VfB Stuttgart

Seit sieben Heimspielen ohne Sieg: Warum der VfB in der Liga zuhause nicht gewinnen kann - eine Analyse

Fußball Bundesliga VfB Stuttgart vs. RB Leipzig
Zum Verzweifeln: Auch im Heimspiel gegen RB Leipzig konnte der VfB um Waldemar Anton nicht gewinnen. © Pressefoto Baumann

Bei der 0:1-Niederlage gegen RB Leipzig hat es der VfB Stuttgart erneut verpasst, den ersten Liga-Heimsieg der Saison 2020/21 einzufahren. Seit sieben Bundesliga-Spielen wartet das Team von Pellegrino Matarazzo nun auf einen Heimsieg. Doch woran liegt es, dass die Schwaben in der Liga zuhause einfach nicht gewinnen können? Der Blick in die Statistik gibt eine klare Antwort.

Erschreckender Unterschied zwischen Heim- und Auswärtstabelle

18 Punkte, Platz elf - die Bilanz des Aufsteigers nach 14 Spieltagen stimmt. Die Mannschaft um Silas Wamangituka, Tanguy Coulibaly und Co. begeistert die Bundesliga mit temporeichem und jugendlichem Fußball. Doch bislang lässt sich das nur für die Auftritte in der Fremde sagen, denn: der VfB hat zwei Gesichter.

Einmal der bärenstarke Aufsteiger auf fremdem Platz, der bis zur 0:1-Niederlage in Wolfsburg auswärts sogar ungeschlagen war. Bis dahin zeigten die Siege in Dortmund (5:1), Berlin (2:0) und Mainz (4:1), wozu der „neue“ VfB in der Lage ist. In der Auswärtstabelle ergibt das einen starken dritten Platz, noch vor Borussia Dortmund und RB Leipzig.

Der Blick auf die Heimtabelle zeigt allerdings, warum der VfB nicht ganz oben mitspielt: Vier Unentschieden und drei Niederlagen sind eine magere Bilanz im eigenen Stadion. Das ergibt in der Heimtabelle Platz 15, nur Mainz, Köln und Schalke sind noch schlechter. Das riecht schon eher nach Abstiegskampf.

Auswärtsspiele kommen dem VfB-Spielstil entgegen

Der Grund für die große Differenz zwischen Heim- und Auswärtsstärke liegt auf der Hand. Dem VfB kann in der Bundesliga das zu seinem Vorteil nutzen, was ihm in der zweiten Liga oft das Genick gebrochen hat: die Rolle des Aufsteigers, die des Außenseiters. Das klappt am besten auf fremden Plätzen, der VfB kann dem Gegner zunächst Ball den überlassen. Schließlich muss der vermeintliche Favorit im eigenen Stadion gegen den Aufsteiger das Spiel machen.

Das bietet Räume und Pressingzonen, die der VfB ausnutzen kann: Macht der Gegner einen Fehler, schlagen die Stuttgarter blitzschnell zu. Per Balleroberung im zentralen Mittelfeld durch Zweikampf-Riese Wataru Endo oder Stratege Orel Mangala geht es über die pfeilschnellen Außenspieler Silas Wamangituka, Tanguy Coulibaly oder auch Nicolas Gonzalez binnen Sekunden vor das Tor des Gegners.

Zuhause hat der VfB oft den Ball – und damit Probleme

Das ist Konterfußball par excellance – und der klare Plan des Stuttgarter Trainers Pellegrino Matarrazzo. Der fulminante 5:1-Sieg in Dortmund war das Meisterstück des 43-jährigen Italo-Amerikaners, als er den BVB im eigenen Stadion eiskalt auskonterte. Auch beim 4:1 in Mainz und beim 2:0 in Berlin fielen die Stuttgarter Tore durch schnelles Umschalten. Schon 17 Auswärtstreffer konnten die Schwaben so erzielen – Liga-Bestwert!

Spielt der VfB allerdings zuhause, ist er oft gezwungen, das Spiel zu machen. Denn: In der Mercedes Benz Arena ist der große Traditionsclub eben doch nicht der „klassische“ Aufsteiger wie Arminia Bielefeld, die selbst im eigenen Stadion kontern.

Dadurch funktioniert das so gefährliche Umschaltspiel der Schwaben nicht, wie der Blick auf die Statistik zeigt: Erst neun Treffer haben die Schwaben zuhause erzielt, nur halb so viele wie in der Fremde. Dagegen mussten sie 13 Gegentreffer hinnehmen - der zweitschlechteste Wert in der laufenden Saison (nur Köln ist schlechter).

So überließ beispielsweise der SC Freiburg um Trainerfuchs Christian Streich den Schwaben am 1. Spieltag den Ball und führte, auch durch individuelle Abwehrfehler, schnell mit 3:0. Der 1. FC Köln kam mit Minimalisten-Fußball, der an vergangene Zweitliga-Zeiten erinnerte, zu einem schmeichelhaften 1:1-Unentschieden. Und auch Union Berlin konterte den VfB zweimal gnadenlos aus, am Ende sprang ein glücklicher Punkt für die Schwaben raus.

Der VfB muss auch zuhause punkten, um die Abstiegssorgen loszuwerden

Doch ist zuhause wirklich alles so schlecht, wie es aussieht? Neben dem starken 1:1-Unentschieden gegen Bayer Leverkusen gab es am vergangenen Wochenende schließlich nur eine knappe Niederlage gegen RB Leipzig. Nicht zu vergessen die unglückliche 1:3-Niederlage gegen den Rekordmeister aus München, als der VfB in Führung ging und lange Zeit beachtlich gut mithielt.

Doch von guten Spielen gegen starke Gegner, die trotzdem in Niederlagen enden, kann sich der VfB im knallharten Ergebnisfußball der Bundesliga nichts kaufen. Ein schmutziger 2:1-Sieg wie in Bremen ist am Ende des Tages mehr wert als eine gute Leistung gegen den FC Bayern - nach 90 Minuten zählen eben nur die Punkte.

Noch stehen Trainer Pellegrino Matarazzo und sein Team gut da. Das haben sie vor allem der Auswärtsbilanz zu verdanken, die aber kaum so stark bleiben wird. Will der Aufsteiger auf Dauer nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben, muss er schleunigst anfangen, auch zuhause zu punkten. Am besten schon am 16. Spieltag im nächsten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach.