Vier Wochen vegan

Rückschläge gehören dazu - das Finale

1/4
Leckerschmecker
Leckerschmecker-Küchenfee Zsuzsanna Banvölgyi-Stadler © Gaby Schneider / ZVW
2/4
Leckerschmecker
Am Ende unterscheiden sich die veganen Zimtsterne nicht von den konventionellen. © Gaby Schneider / ZVW
3/4
Leckerschmecker
Liviana Jansen (rechts) kann einiges lernen. © Gaby Schneider / ZVW
4/4
Leckerschmecker
Lecker und superschön. © Gaby Schneider / ZVW

Waiblingen. In Woche vier meines Selbstversuchs will ich’s noch mal wissen: Alle veganen Produkte, die ich noch zu Hause habe, müssen probiert werden - auch die Kollegen müssen als Tester herhalten. Meinen ersten nicht-veganen Lebkuchen bereue ich allerdings bitterlich.

Video: 4 Wochen Vegan Experiment das Fazit

Ich starte mutig in die letzte Woche: Nachdem mein erster Kontakt mit veganem Ei-Ersatz nicht besonders glücklich verlaufen war („Schmeckt wie Trumps Wahlsieg“), wage ich mich erneut ans hühnereifreie Rührei. Diesmal soll statt veganem Volleipulver Seidentofu die Basis bilden. Für den Eiergeschmack kommt Rauchsalz dazu. So weit, so gut. Die Ausführung allerdings erweist sich als schwierig: Ich muss das „Rührei“ bestimmt 15 Minuten braten, bis es beginnt zu stocken. Als es schließlich endlich beginnt zu bräunen, ist aus dem großen Berg Seidentofu ein kleines Häufchen geworden. Und das ist auch noch viel zu salzig geraten.

Aber Rückschläge gehören dazu. Am nächsten Tag bereite ich also ein veganes Sonntagsfrühstück zu, inklusive Spiegeleiern - ja, Spiegeleiern! Dazu kommt veganes Eiweiß in die Pfanne, auf dem ein veganes Eigelb kunstvoll drapiert wird. Das Ergebnis schmeckt nicht mal schlecht, wenn auch eher nach Pfannkuchen als nach Eiern. Der vegane Fleischsalat hingegen überzeugt mich überhaupt nicht: Zu mayonnaisig und dann noch diese sauren Gurken - gruselig. Zu spät fällt mir ein, dass ich Fleischsalat ohnehin noch nie mochte. Na ja, probiert ist probiert. Entschädigt werde ich von der veganen Schokocreme. Die ist zwar flüssiger als anderer Schokoaufstrich, dafür aber sehr schokoladig und lecker. Was allerdings meine Beziehung zum veganen Käse (diesmal „Cheddar Style“) angeht, bleibt es dabei: Wir werden keine Freunde. Schlecht schmeckt diese orangegelbe, leicht pappige Masse zwar nicht, aber mit Käse hat sie nicht viel zu tun.

Die Butter wird einfach durch Margarine ersetzt

Nah ans Original heran kommen zum Glück die veganen Weihnachtsplätzchen, die ich mit Zsuzsanna Banvölgyi-Stadler, alias Leckerschmecker Küchenfee, aus Hegnach backe. Zimtsterne und Vanillekipferl - meine absoluten Lieblingsplätzchen. Die Butter wird durch Margarine ersetzt, der Eischnee durch aufgeschlagenes veganes Eiweiß. „Das merkt nachher niemand, ob da Margarine oder Butter drin ist, und bei den Zimtsternen vermisst auch niemand den Eischnee“, ist Banvölgyi-Stadler überzeugt. Und nach dem Geschmackstest muss ich ihr zustimmen: Die Zimtsterne unterscheiden sich wirklich gar nicht von konventionellen. Die Vanillekipferl schmecken mir auch, allerdings zergehen sie mir fast zu leicht auf der Zunge. Vielleicht liegt das aber schlicht an der Rezeptur - ich habe bisher meinem Kipferlteig immer ein Eigelb zugegeben.

Die Kollegen dürfen (müssen) auch ran

Bevor mein Selbstversuch rum ist, sollen auch die Kollegen noch etwas davon haben: beim veganen Schokoladentest, den wir live auf Facebook übertragen. Sieben verschiedene Schokoriegel und Schokoladentafeln testen wir. Von richtig lecker bis widerlich ist alles dabei: Der Gewinner ist am Ende eine Tafel heller veganer Schokolade, die eine feine Kakao-Note hat und auch, was den Schmelz angeht, fast mit Milchschokolade mithalten kann. Als klarer Verlierer stellt sich ein Erdnuss-Karamell-Riegel heraus. Was lecker klingt, erweist sich als Zumutung für Geschmacksrezeptoren und Zähne der Tester. Wenn der Kiefer den Kampf gegen den Schokoriegel nur knapp für sich entscheiden kann, darin sind wir uns einig, ist wohl etwas schiefgelaufen.

Viel zu schnell ist die Woche vorüber und mein Umzug gekommen. Dementsprechend stressig wird der letzte Tag meines Vegan-Experiments: In der neuen Wohnung muss der Internetanschluss freigeschaltet werden, in der alten sind noch viel zu wenige Kisten gepackt. Essen muss an diesem Tag nebenbei gehen - aber das mit dem schnellen veganen Essen habe ich irgendwie immer noch nicht drauf. Ich bin deshalb zugegebenermaßen erleichtert, als Tag eins nach meinem Vegan-Experiment anbricht. Endlich wieder normal essen. Denke ich. Denn dass ich bei den von meinem Vater aus Nürnberg importierten Lebkuchen und Vanillekipferl kräftig zugreife, rächt sich sogleich: mit Bauchkrämpfen, Übelkeit und einem latenten Unwohlsein.

Nach meinem Versuch liegt mir der Käse schwer im Magen

Eine ähnliche Erfahrung mache ich auf der Weihnachtsfeier der Redaktion. Wir gehen zum Griechen, ein Blick auf die Karte genügt: Veganer haben hier schlechte Karten. Ich entscheide mich für Gemüse, mit Käse überbacken. Er war es ja, den ich während meines Experiments am meisten vermisst habe - der überbackene Käse. Doch schon nach zwei Gabeln folgt die Ernüchterung: Der Käse bekommt mir nicht. Er scheint in meinem Magen Klumpen zu bilden und sich am Grund festzusetzen. Also gut, von Reis, Gemüse und Fladenbrot werde ich auch satt - hat ja schließlich die letzten vier Wochen auch geklappt.

 

Wie geht´s weiter?

Ganz sicher bin ich mir nicht. Nach meinen ersten nicht-veganen Erfahrungen traue ich mich nicht so recht ran an Käse, Eier, Joghurt und Co. Allerdings, weiterhin so strikt auf alles achten - in hektischen Zeiten kann das stressig werden. Außerdem mag ich meine Wollpullover: Nichts hält so schön kuschelig warm, ohne Schweißausbrüche zu verursachen. Und plötzlich alles aus Leder zu entsorgen, käme mir auch nicht richtig vor. Wäre das nicht respektlos dem Tier gegenüber, das dafür sein Leben lassen musste?

Ein bisschen vegane Lebensweise möchte ich mir erhalten - meinem Körper und meinem Gewissen zuliebe. Ich kann ja Teilzeit-Veganer werden: bei Neuanschaffungen aufs Material achten und zu Hause auf tierische Lebensmittel weitgehend verzichten.

Allerdings schließe ich nicht aus, im Restaurant oder auf einem Kaffeekränzchen auch mal ein Stück Kuchen mit Ei oder ein Gericht mit Käse zu essen. Und wer weiß, vielleicht werde ich über die Zeit dann doch noch zur Vollzeit-Veganerin.