Vier Wochen vegan

Selbstversuch: Vier Wochen vegan

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Tofu, Möhren, Tomaten, Linsen, Grünkern, Kürbis und Nüsse – so soll also meine Kost die nächsten vier Wochen lang aussehen: Rein pflanzlich. © Ramona Adolf

Waiblingen. Das Internet ist voll von veganen Erfolgsgeschichten. Doch was steckt dahinter? Das will ich herausfinden und wage ein Experiment: Vier Wochen lang werde ich mich rein pflanzlich ernähren. Also bye-bye Milchkaffee, Spiegelei und Käsebrot und willkommen Soja-Latte, Tofu und veganer Auberginen-Aufstrich.

Video: Redaktionsmitglied Liviana Jansen macht den Selbstversuch: Sie wird die nächsten vier Wochen vegan leben und jeden Tag von Schwierigkeiten, positven oder negativen Effekten berichten.

Ich mag Tiere, also esse ich sie nicht. Das ist seit Jahren mein Motto. Fisch, Fleisch und andere tierhaltige Produkte (zum Beispiel Gelatine, also auch Gummibärchen) habe ich schon lange von meinem Speisezettel gestrichen. Aber Käse landet weiterhin auf meinem Brot, Kuhmilch in meinem Kaffee und Hühnereier in der heimischen Bratpfanne. Natürlich weiß ich über die Herstellungsbedingungen dieser Lebensmittel Bescheid: Für die Eierproduktion werden jährlich schätzungsweise 50 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen geschreddert – das gilt auch für Bio-Hühner. Milchkühe fungieren als Gebärautomaten und viele von ihnen sehen in ihrem kurzen Leben nur ein einziges Mal eine Wiese – vom Transporter aus, der sie zum Schlachthof bringt. Wenn ich es mit meiner Liebe zu Tieren also wirklich so ernst meine, müsste ich dann nicht eigentlich auf alle tierischen Produkte verzichten?

Weniger Treibhausgas-Emissionen und atemberaubende Gesundheitsversprechen

Auch was Welternährung und Klimaschutz angeht, dürften Veganer ein deutlich ruhigeres Gewissen haben als andere Zeitgenossen: Laut einer Studie der Oxford-Universität könnten bis zum Jahr 2050 jährlich rund acht Millionen Menschen weniger sterben, wenn sich die komplette Erdbevölkerung von nun an vegan ernährte. Auch die Emission von Treibhausgasen könnte demnach drastisch reduziert werden – und zwar um bis zu 70 Prozent. Etwa 80 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen gehen auf die Nutztierhaltung zurück. Und natürlich winken da noch alle möglichen Online-Ratgeber mit schier atemberaubenden Gesundheitsversprechungen: Veganer sollen ein geringeres Risiko für Volkskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck haben, weniger anfällig für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Krebs sein. Hautunreinheiten, so eines der Versprechen, sollen quasi von selbst verschwinden. Neu-Veganer frohlocken, sich noch nie so fit und wach gefühlt zu haben, wie seit ihrer Ernährungsumstellung. Auch etliche Prominente werben für einen tierproduktfreien Lebensstil. So lebt beispielsweise die Schauspielerin Anne Hathaway komplett vegan, ebenso die amerikanische Talkmasterin Ellen DeGeneres. Auch Bill Clinton, Bryan Adams und James Cameron tun es: Sie alle sind Veganer.

Dirk Nowitzki soll dank veganer Kost keine Atemprobleme mehr haben

Sogar sportliche Höchstleistungen sollen mit – oder gerade wegen – einer rein pflanzlichen Ernährung möglich sein. Leichtathletiklegende Carl Lewis hat seine besten Leistungen mit 30 Jahren erbracht, als Veganer. Und der Basketballer Dirk Nowitzki soll keine Probleme mehr mit verschleimten Nebenhöhlen haben, seit er auf Milchprodukte verzichtet.

Schluss mit den Ausreden

Doch was ist eigentlich dran an den veganen Erfolgsgeschichten? Und wie schwierig ist es, auf alles Tierische zu verzichten? Neugierig war ich schon länger, bislang hatte sich aber mein innerer Schweinehund mit seiner Lust auf Milchkaffee, Spiegeleier, Käse und Joghurt immer durchgesetzt. Doch nun soll Schluss mit den Ausreden sein: Vier Wochen lang will ich mich rein pflanzlich ernähren und auch im Alltag auf tierische Produkte, wie zum Beispiel Lederschuhe, verzichten. Ich bin zuversichtlich: So weit kann der Weg von vegetarisch zu vegan ja nicht sein.

Vier Wochen durchhalten

Den nötigen Druck schafft der Redaktionsplan. Und wenn das nicht reicht, die Kollegen. Deren Kommentare reichen von „Bin gespannt, was rauskommt“ über gehässige Witze bis hin zu Mitleidsbekundungen: „Oh je, du Arme. Dann wirst du bestimmt ganz schwach.“ Grund genug, das Experiment auch wirklich durchzuziehen und die vier Wochen durchzuhalten. Das wäre doch gelacht ...

Alle Videos und Bilder der ersten Woche finden Sie hier.

Was bedeutet vegan?

Veganer verzichten nicht nur auf Fisch und Fleisch, sondern auch auf Milchprodukte, Eier und Honig. Sie verzehren also keinerlei tierische Lebensmittel.

Viele Veganer achten auch bei Alltagsgegenständen und Kleidung darauf, dass keine Produkte tierischen Ursprungs, wie beispielsweise Leder, Wolle oder Seide verarbeitet sind.

Nach Angaben des Vegetarierbundes Deutschland leben in Deutschland etwa 900 000 Menschen vegan. Die Zahl der Vegetarier wird mit sieben Millionen beziffert.