Die Flüchtlinge - eine Zwischenbilanz

Wie berufliche Integration gelingen kann: Flüchtlinge erzählen

Flüchtlinge BBQ
„Fachkraft Metall“: Alagie Jarju aus Gambia, Shezad Baloch aus Belutschistan und Hussein Gohari aus Afghanistan. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Alagie Jarju aus Gambia, Shezad Baloch aus Belutschistan, Hussein Gohari aus Afghanistan: Drei Absolventen des BBQ-Ausbildungskurses zur Fachkraft Metall. Wie denken sie über Deutschland, welche Erfahrungen haben sie gesammelt, was wünschen sie sich für die Zukunft?

ZVW: Herr Jarju, Herr Baloch, Herr Gohari, haben Sie sich Deutschland so vorgestellt?

Baloch: Nein. Wir haben das so nicht gedacht, weil hier die meisten Leute sehr freundlich sind.

Jarju: Zu Hause habe ich immer gehört, die Deutschen sind nicht gut.

Baloch: Wir haben immer gehört, die Deutschen sind wichtig und stark. Jede Sache ist immer gut gebaut. Ein Auto oder ein kleines Teil, die Deutschen machen immer alle Dinge ganz genau. Das habe ich zu Hause gehört – und hier habe ich es gesehen! Und wie hart die Leute dafür arbeiten. Hier kamen einfach Leute zu uns, um zu helfen!

Jarju: Die Menschen sind gut zu uns, so viele Möglichkeiten, das freut uns. In meinem Land gibt es keine Möglichkeiten, es ist eine Diktatur. Eine tolle Sache hier ist die Sicherheit und die Freiheit. Ich danke Gott: Ich habe eine deutsche Familie hier, die mir hilft. Gohari: Die Deutschen sind total anders, als wir gehört haben. Sie sind nett.

ZVW: Moment – alle? Das kann ich kaum glauben. Haben Sie keine schlechten Erfahrungen gemacht?

Gohari (lächelt): Einmal war ich mit meiner Frau in der Stadt. Sie hat ein Kopftuch. Wir fragten nach dem Weg. Der Mann hat gesagt: Nein, Muslime gefallen mir nicht. Er ist einfach weg.

Baloch: Ich habe am Fahrkartenschalter nicht verstanden, was die Frau sagte. Die Frau machte ihr Gesicht ganz dunkel, sie wollte ein Formular von mir, sie sagte: Gib mir Papier! Am Ende sagte ich Danke. Sie sagte nicht Bitte. Da bin ich gegangen. Ein Freund von mir ist dreimal von Polizisten angehalten worden. Das dritte Mal war er ein bisschen traurig. Er sagte: Sie kommen immer zu mir! Aber das ist egal, kein Problem. In Deutschland sind die meisten sehr nett. So eine gute Erfahrung lebt immer im Herz. Das geht nicht einfach raus.

ZVW: Wenn Flüchtlinge Verbrechen begehen, macht Ihnen das Sorgen?

Jarju: Ja. Wenn ein Flüchtling etwas Schlechtes gemacht hat, heißt es, dass alle Flüchtlinge so sind.

Gohari: Zum Glück sind die Deutschen sehr intelligent. Sie verstehen: Nicht alle sind so. Wenn in meinem Land so etwas passieren würde, würden alle Flüchtlinge schlecht behandelt werden.

ZVW: Was erhoffen Sie sich für Ihre Zukunft in Deutschland?

Jarju: Arbeit finden, selbstständig sein. Ich möchte eine Ausbildung machen.

Baloch: Ich habe einen Ausbildungsplatz gefunden als chemisch-technischer Assistent. Ich möchte arbeiten und leben, ganz normal, wie die Leute in Deutschland.

Gohari: Sie wissen, mein Land ist ganz, ganz unsicher. Ich möchte sicher sein. Ich bin sehr motiviert, ich will Deutsch perfekt lernen. Ich habe einen Ausbildungsplatz bei der Firma Mahle. Ausbildung, lernen, arbeiten, weitermachen!

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