Rems-Murr-Sport

Auftaktsieg für Bundesliga-Ringer des ASV Schorndorf: Große Leistung von Weltmeister Stäbler und Co nach der Pause

StaeblerF1
Trotz seiner Schulterverletzung lehrte Frank Stäbler (oben) den Nürnberger Weltklassemann Zoltan Levai das Fürchten. © Ralph Steinemann

Was für ein Auftaktkampf am Samstagabend in der Schorndorfer Sporthalle Grauhalde: Zur Pause waren die Bundesligaringer des ASV nach einer Latte an Enttäuschungen mit 4:7 gegen das Topteam aus Nürnberg zurückgelegen. Nicht nur ASV-Trainer Sedat Sevsay schwante Fürchterliches. Doch dann brannten die Schorndorfer ein Feuerwerk ab und siegten 12:7. Abdolmohammad Papi zwang einen Weltklassegegner in die Knie, ebenso sein Trainingspartner, der dreifache Weltmeister Frank Stäbler. Doch für wirklich staunende Gesichter sorgte ein 19-Jähriger.

Wie schwierig es ist, ein Corona-Hygienekonzept zu erstellen und umzusetzen, hat sich in der Grauhalde ebenfalls gezeigt. Der Kampfabend hatte mit 30 Minuten Verzögerung begonnen, weil jeder Zuschauer, zugelassen waren nur Dauerkartenbesitzer, regelkonform ein Datenblatt ausfüllen musste. Das führte mangels Kontrollstellen zu einer langen Schlange am Einlass.

Und auch in der Halle selbst, rund 300 Menschen durften sich darin aufhalten, hakte es hier und da. Doch der ASV Schorndorf wird daraus lernen – das versprach Vorstandsmitglied Elke Scherer.

Die ungewöhnliche, etwas klinisch anmutende Atmosphäre, und dafür kann niemand etwas, führte dazu, dass das ohnehin nicht als lautstark bekannte Schorndorfer Publikum noch etwas ruhiger blieb als gewohnt. Das lag aber auch am für den ASV und seine Fans erschreckenden Verlauf der ersten fünf Kämpfe.

Die Nürnberger verblüffen mit einer taktischen Meisterleistung

Blass geworden war Coach Sevsay schon, als er die Liste mit dem Aufgebot der Nürnberger sah. „Das ist eine Topaufstellung. Kompliment an den Gegner.“

Völlig überraschend schickten die Gäste zwei ausländische Weltklasseathleten gegen Papi und Stäbler auf die Matte: den kroatischen EM-Dritten Dominik Ettlinger und den dreifachen Europameister Zoltan Levai, der, um in der Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm Griechich-Römisch antreten zu können, einige Kilo abgekocht hatte. Beide gingen sogar als Favoriten in die Kämpfe.

Um diesen Coup zu ermöglichen, schenkte Nürnberg die Klasse bis 57 kg ab, indem es ein Talent aus dem eigenen Nachwuchs gegen ASV-Rakete Anatolii Buruian aufbot.

Hintergrund ist das Punktesystem des Deutschen Ringer-Bundes, eingeführt, um die Jugendarbeit und deutsche Ringer zu fördern. Eine Mannschaft hat, alle zehn Kämpfe zusammengenommen, 28 Punkte zur Verfügung. Allein Ettlinger als ausländischer Titelhamster kostet acht Punkte, der Deutsche Frank Stäbler trotz seiner Erfolge nur vier. Und ein aus dem eigenen Verein stammender Athlet wie Robin Noth (Nürnberg) wird sogar mit zwei Minuspunkten belohnt. Das heißt: Wer auf Spitzenringer aus dem Ausland setzt, muss in anderen Gewichtsklassen sparen.

EM-Dritter Jello Krahmer beißt auf die Zähne

Das tat auch der ASV Schorndorf, was zu einer schmerzhaften Erfahrung für Jello Krahmer führte. Der EM-Dritte ist eigentlich gesetzt, weil er ein Topmann ist und als ASV-Eigengewächs zwei Minuspunkte mitbringt. Doch am Samstag wäre er aufgrund einer Knieverletzung nicht einsatzfähig gewesen. „Ich habe mich aber in den Dienst der Mannschaft gestellt.“

Nach Burians Sieben-Sekunden-Schultersieg über Noth war der Schwergewichtler deshalb gegen Daniel Ligeti chancenlos. Punkte für Schorndorf sollten die restlichen drei Ringer vor der Halbzeit sichern. Doch das ging gründlich daneben.

Razvan Arnaut, Ertugrul Agca und Ramzan Awtaev kassierten nach enttäuschenden Leistungen oder umstrittenen Entscheidungen von Mattenleiter Torsten Baumgartner knappe Punktniederlagen zum 4:7-Pausenstand.

Sevsay war gründlich bedient, ein Dämpfer auf dem Weg zur erhofften Endrunde um die deutsche Meisterschaft schien sich anzubahnen. Der Coach hatte die Rechnung aber ohne seine Athleten gemacht.

ASV-Trainer Sevsay lobt iranischen Ringer Papi über den grünen Klee

Nach der Pause bekamen die Fans Ringen vom Allerfeinsten geboten. Neuzugang Hannes Wagner, EM-Dritter, dominierte Arian Güney unerwartet klar und holte zwei Mannschaftspunkte. Es folgte der Schlüsselkampf (Sevsay).

Der Iraner Abdolmohammad Papi, zuletzt ohne internationale Erfahrung und zwei Gewichtsklassen höher als gewohnt angetreten, ließ Ettlinger mit blitzschnellen Aktionen alt aussehen. „Das war sensationell“, jubelte Sevsay hinterher. „Er hat hier einen Weltklassemann besiegt. Das war die Wende in diesem Kampf.“

Kaltschnäuzig legte Neuzugang Benjamin Sezgin für Schorndorf nach. Und dann kam der große Auftritt des ebenfalls neuen, erst 19-jährigen Shamil Ustaev: Er bezwang den zweifachen Deutschen Meister Tim Stadelmann sensationell mit 2:1. „Der absolute Wahnsinn“, schwärmte Sedat Sevsay. Schorndorf führte 11:7 – und mit einer hohen Niederlage im letzten Kampf war nicht zu rechnen. Denn nun kam Superstar Frank Stäbler.

Weltmeister Stäbler allürenfrei - und großartig

Der Motivationskünstler war nicht bereit, sich von einer Schulterverletzung und der Favoritenstellung seines Gegners Levai das Debüt im ASV-Trikot verderben zu lassen. Mit atemberaubendem Tempo lehrte er den Ungarn das Fürchten und ließ sich vom Publikum für seinen 3:1-Punktsieg feiern. So hatte der ASV also doch noch einen nie erwarteten 12:7-Gesamterfolg eingesackt.

Gewohnt locker und allürenfrei präsentierte sich Stäbler danach. „Hier im letzten Kampf des Abends für meine neue Mannschaft einen der besten Athleten der Welt zu schlagen, war natürlich toll.“ Alles sei eine Sache der mentalen Einstellung. Einige Schorndorfer Ringer hätten im Vorfeld mit coronabedingten Einschränkungen gehadert. „Denen hab’ ich gesagt: Ihr müsst euch auf das Wesentliche konzentrieren.“

Und auch Pechvogel Jello Krahmer hatte nach dem Gesamtsieg seines Teams endlich wieder Grund zum Strahlen: „Vielleicht war dieser Kampf entscheidend für unsere Teilnahme an den Play-offs.“

ASV Schorndorf - SV Johannis Nürnberg 12:7. 57 kg FR: Buruian - Noth SchS (4:0). 130 kg GR: Krahmer - Ligeti 0:15 TÜN (4:4). 61 kg GR: Arnaut - Sandron 8:8 PN (4:5). 98 kg FR: Agca - Mayer 1:3 PN (4:6). 66 kg FR: Awtaew - Iliev 4:5 PN (4:7). 86 kg GR: Wagner - Güney 7:1 PS (6:7). 71 kg GR: Papi - Ettlinger 6:0 PS (8:7). 80 kg FR: Szegin - Walter 3:0 PS (10:7). 75 kg FR: Ustaev - Stadelmann 2:1 PS (11:7). 75 kg GR: Stäbler - Levai 3:1 PS (12:7).

Was für ein Auftaktkampf am Samstagabend in der Schorndorfer Sporthalle Grauhalde: Zur Pause waren die Bundesligaringer des ASV nach einer Latte an Enttäuschungen mit 4:7 gegen das Topteam aus Nürnberg zurückgelegen. Nicht nur ASV-Trainer Sedat Sevsay schwante Fürchterliches. Doch dann brannten die Schorndorfer ein Feuerwerk ab und siegten 12:7. Abdolmohammad Papi zwang einen Weltklassegegner in die Knie, ebenso sein Trainingspartner, der dreifache Weltmeister Frank Stäbler. Doch für

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper