Rems-Murr-Sport

Ende der Ära Erich Hägele: Einer wie sein Herzensverein - furchtlos und treu

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Der Sportkreis Rems-Murr feierte neben seinem 75-jährigen Bestehen auch seinen nun ehemaligen Präsidenten Erich Hägele, der gebührend verabschiedet wurde. © Ralph Steinemann Pressefoto

Bevor die Sportwelt von Sonntag an auf Katar und die Fußball-Weltmeisterschaft blickt, hat sie, um es mit Moderator Michael Antwerpes zu sagen, einen Tag zuvor auf Waiblingen geblickt. Denn im dortigen Bürgerzentrum ist nach fast 30 Jahren die Ära Erich Hägele als Vorsitzender des Sportkreises Rems-Murr zu Ende gegangen. Und die lange und prominent besetzte Liste derer, die da als Fest- und Grußwortredner sowie als Interviewpartner von Michael Antwerpes aufgeboten waren, macht deutlich, dass da einer verabschiedet wurde, der weit über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus gewirkt und Spuren und Eindruck gleichermaßen hinterlassen hat.

Er habe gemäß dem Motto seiner großen Fußballliebe VfB „furchtlos und treu“ agiert, sagte der Präsident des Württembergischen Landessportbundes, Andreas Felchle, der Hägele einen gemeinwesenbezogenen Menschen und einen sozialpolitischen Generalisten nannte, der sich nicht zuletzt auch um Menschen gekümmert habe, die nicht so im Mittelpunkt stünden - und zwar „manchmal bis zur Grenze des Erträglichen und des Ertragbaren“.

Erich Hägele ist nun Ehrenpräsident des Sportkreises

„Du kannsch scho nerva“, sagte der WLSB-Präsident über seinen langjährigen sportpolitischen Wegbegleiter und bezeichnete Erich Hägele als einen „Maßlosen“ in dem Sinne, dass er sich über jedes Maß hinaus engagiert habe. Über alle Maßen hinaus engagiert: So steht’s auch in der Begründung dafür, dass Erich Hägele nach vorheriger einstimmiger Zustimmung des Sportkreistags zum Ehrenpräsidenten des Sportkreises ernannt wurde.

Den Sportkreis perfekt vertreten

Offiziell verkündet wurde diese Ehrung von Reinhold Sczuka, der als Präsidiumssprecher in einer neuen Vorstandsstruktur der Nachfolger Hägeles ist und der diesen als „Grandseigneur des Sports“ bezeichnete und ihm attestierte, er habe mit seiner Omnipräsenz den Sportkreis nicht zuletzt bei den Kommunen und beim Landkreis perfekt vertreten. Sczuka selber kann als Bürgermeister (von Althütte) ein Lied davon singen. Viele seiner Kolleginnen und Kollegen hätten Hägeles Forderungen gleich beim ersten Mal nachgegeben, weil sie gewusst hätten, dass er so lange immer wieder anrufen und anklopfen werde, bis er sein Ziel erreicht habe.

Erich Hägele sei „ein Türöffner für die Vereine“ gewesen, sagte Sczuka, dem ein anderer Bürgermeister, der WLSB-Präsident Andreas Felchle, ohne Weiteres zutraut, dass er mit seinem Team einen eigenen Weg findet, den Sportkreis Rems-Murr in eine weiterhin erfolgreiche Zukunft zu führen.

Schon jede Ehrung abgeräumt

Im Übrigen weiß auch der heutige Waiblinger Erste Bürgermeister Ian Schölzel aus seiner Zeit als Bürgermeister von Hägeles Heimatgemeinde Weissach im Tal nur zu gut, wie sich der Sportkreisvorsitzende für die Vereine eingesetzt hat. „Als Bürgermeister durfte man nicht zu lange in Urlaub gehen, weil Erich Hägele als ehrenamtlicher Stellvertreter via Eilentscheidung alle Anliegen der Vereine positiv beschieden hat“, wusste Schölzel zu berichten. Ungeachtet dessen, dass man bei einem wie Erich Hägele annehmen darf, dass er schon so ziemlich jede Ehrung erhalten hat, die man einem so umtriebigen Sportfunktionär und Sportpolitiker angedeihen lassen kann, gab’s bei diesem Abschiedsfestakt doch noch die eine oder andere Lücke, die geschlossen werden konnte.

Als „Krönung“ ernannte der WLSB-Präsident Hägele zum Ehrenmitglied des Württembergischen Landessportbundes, Gislind Gruber-Seibold als Vertreterin der im Sportkreis vertretenen Fachverbände überreichte als „seltene Ehrung des Turngaus“ die STB-Ehrenplakette, vom Landesverband der Württembergischen Karnevalsvereine gab’s einen hochrangigen karnevalistischen Orden, das Großkreuz, und der sächsische Kreissportbund Meißen würdigte die Verdienste Hägeles um die wechselseitigen guten Kontakte ebenfalls mit einer Ehrenplakette.

Ein VfB-Trikot soll Freude machen

Und wer nicht mit solchen Ehrenzeichen aufwarten konnte, der zeichnete wie Landrat Dr. Richard Sigel („Du hast den Sportkreis weit über die Landkreisgrenzen hinaus sichtbar gemacht“) Hägele mit einem Goldenen Staffelstab oder wie der VfB-Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle („Gerade die Proficlubs sind auf den Amateursport und auf das von dir verkörperte Ehrenamt angewiesen“) mit einem VfB-Trikot aus, auf dem - aufgerundet - die 30 Jahre Hägeles als Sportkreisvorsitzender verewigt sind und auf dem vorne auch noch Platz für die Autogramme aller VfB-Spieler ist.

Die Reihe der Geschenke und Lobeshymnen - unterbrochen von musikalischen und sportlichen Darbietungen - ließe sich noch fortsetzen und reichte gerade so lange, bis der als Festredner auserkorene ehemalige Ministerpräsident und EU-Kommissar Günther Oettinger eintraf, der Hägele ebenfalls schon seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden ist. „Der Sportkreis blüht und gedeiht“, lobte Oettinger nicht zuletzt mit Blick auf das die Note „Höchste Qualitätsstufe“ verdienende Jubiläumsprogramm „75 Jahre Sportkreis Rems-Murr“ das ehrenamtliche Lebenswerk Hägeles, den Oettinger scherzhaft als „Hansdampf in allen Gassen, Hallen und Arenen“ und als einen „Wegelagerer für gute Zwecke“ bezeichnete, bei dem niemand habe Nein sagen können. „Er ist ein Mann der Wirtschaft und der Gemeinschaft, er ist ein streitbarer und liebenswerter Demokrat, er ist ein ernsthafter und fröhlicher Mensch, der Freunde in allen Parteien hat“, sagte Oettinger über den bekennenden VfBler Erich Hägele, der ganz bestimmt die Gelegenheit nutzen und Alexander Wehrle auch noch einen Ratschlag zum Thema VfB-Trainer mitgeben werde.

Dazu passt, dass es Hägeles größter Abschiedswunsch ist, „dass mein Lieblingsverein mal wieder Champions League spielt“. Was sein Ehrenamt als Sportkreisvorsitzender angeht, ist Hägele, wie er auf Nachfrage von Michael Antwerpes bekannte, mit sich im Reinen: „Es sind mir keine offenen Wünsche bekannt“, sagte er und beschrieb den Sportkreis als auch finanziell hervorragend aufgestellt. Was nicht zuletzt auch an seiner kommunikativen Ausdauer liegen mag: Nur wenn der VfB gespielt habe, sei sein Handy ausgeschaltet gewesen, sagte Hägele, der jährlich 220 Termine wahrgenommen und dabei unter anderem so viele Sponsoren für den Sportkreis an Land gezogen hat, dass sich daran laut Alexander Wehrle mancher Bundesligist ein Beispiel nehmen könne.

Bevor die Sportwelt von Sonntag an auf Katar und die Fußball-Weltmeisterschaft blickt, hat sie, um es mit Moderator Michael Antwerpes zu sagen, einen Tag zuvor auf Waiblingen geblickt. Denn im dortigen Bürgerzentrum ist nach fast 30 Jahren die Ära Erich Hägele als Vorsitzender des Sportkreises Rems-Murr zu Ende gegangen. Und die lange und prominent besetzte Liste derer, die da als Fest- und Grußwortredner sowie als Interviewpartner von Michael Antwerpes aufgeboten waren, macht deutlich, dass

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