Fußball im Rems-Murr-Kreis

Fußball-Schiedsrichter Timo Lämmle: „Am besten ist, über dich spricht keiner“

Fußball Testspiel VfB Stuttgart vs TSG Backnang
Mit 13 begann die Reise von Timo Lämmle im Schiedsrichterwesen. Nun steht ein Highlight an: Er pfeift das WFV-Pokalfinale zwischen den beiden Oberligisten Stuttgarter Kickers und SSV Ulm. © Hansjürgen Britsch

„Das ist schon eine besondere Sache“, sagt Timo Lämmle. „Das ist ein Spiel, das man in der Regel nur einmal bekommt, auf jeden Fall ein Highlight.“ Der 29-jährige Fußball-Schiedsrichter hat eine große Aufgabe vor sich: Er pfeift am Samstag, (Anpfiff 16.15 Uhr) das WFV-Pokalfinale zwischen den Stuttgarter Kickers und dem SSV Ulm. Ein Duell zweier Oberligisten vor fanreicher Kulisse im Stuttgarter Gazi-Stadion.

Eine Partie, auf die sich der Unparteiische der Waiblinger Schiedsrichtergruppe freut: „Es ist schon ein Traumfinale - ohne andere Vereine kleinzureden. Aber hier treffen zwei Traditionsvereine mit großem Zuschauerzuspruch aufeinander.“ Grundsätzlich habe ein Finale immer eine besondere Tragweite, schließlich geht es um die Qualifikation zum DFB-Pokal und damit auch um viel Geld.

Sein halbes Leben schon geht Timo Lämmle diesem Hobby nach

Bis das WFV-Pokalfinale auf dem Plan stand, hat Lämmle gut 15 Jahre Schiedsrichter-Dasein auf dem Buckel. Sein halbes Leben steht er als Unparteiischer auf dem Feld. Er begann mit zwölf Jahren bei seinem Verein, der SPVGG Rommelshausen, zuerst bei den Jüngsten, die Spiele zu leiten. Es folgten der erste Schiedsrichterkurs und die Begeisterung für dieses Hobby.

Zu Beginn seiner Laufbahn hätte er nicht geglaubt, dass ihn sein Hobby in die Regionalliga und als Assistent in die 3. Liga führt. „Ziele und Träume sind etwas völlig anderes“, so Lämmle. Peux à peux arbeitete er sich nach vorn, bekam durch Assistenz Einblicke in höhere Ligen, in schnellere Spielweisen, größere Plätze und Stadien. Sein Ziel vor einigen Jahren: so hoch zu pfeifen, um im Gespann aufzutreten. „Ich wollte weg vom Einzelkämpfer, hin zum Team. Geteilte Aufgaben und gemeinsam Entscheidungen vertreten.“

300 Entscheidungen pro Spiel

Schnell die richtige Entscheidung zu treffen spielt eine große Rolle. „Laut Statistiken fällt ein Schiedsrichter rund 300 einfache und komplizierte Entscheidungen pro Spiel.“ Aber das ist nur ein Aspekt des Schiedsrichters, erklärt Lämmle. „Ich kenne kaum ein anderes Hobby, das so viele Disziplinen vereint.“ Da wäre nicht nur die körperliche Fitness. „Man muss bis zum Abpfiff konzentriert und top fit sein.“ Weiter seien die Spiel- und Menschenführung und die Kommunikation mit verschiedenen Charakteren wichtige Punkte. Nicht zu vergessen die Sicherheit mit den Regeln. „Das alles gilt sportartübergreifend, egal ob Fußball, Handball oder Basketball.“

„Man ist nicht in jedem Spiel 'everybody's darling'“

Doch was muss ein guter Schiedsrichter eigentlich mitbringen? „Als Schiedsrichter ist es die Aufgabe, den geltenden Regeln Ausdruck zu verschaffen.“ Und Lämmle sagt klar: „Du bist selten der Star auf dem Spielfeld. Wenn du im Vordergrund stehst, dann meistens negativ.“ Ein guter Schiedsrichter sei eben jener, der nicht auffällt. „Man ist nicht in jedem Spiel "everybody's darling" und sollte mit Kritik gut umgehen können. So ehrlich muss man sein.“

Wenn Lämmle am Samstag das WFV-Pokalfinale anpfeift, geben ihm auch die Zuschauer Unterstützung. Und das, obwohl Schiedsrichter in den seltensten Fällen ihren eigenen Fanclub dabei haben. „Jeder Sportler hat es über die Zeit der Pandemie erfahren müssen, wie es ist, ohne Publikum zu spielen. Und auch wir sind Sportler, die von Emotionen leben.“ Es sei komisch gewesen, wenn bei Entscheidungen so gar keine Reaktion von den Rängen kam: „Normalerweise kommen da unterschiedliche Geräusche aus den verschiedenen Lagern“, sagt er schmunzelnd.

Nach und nach mehr lernen, mehr können, sich mehr zutrauen

An solche Situationen wird man als Unparteiischer sukzessive herangeführt: „Es ist nicht wie bei einem A-Jugend-Spieler, der in ein Bundesliga-Team kommt.“ Schiedsrichter arbeiten sich Liga um Liga nach oben. Man lernt, Entscheidungen zu fällen, die nicht jedem passen, lernt mit Unmut umzugehen. „Das Schiedsrichter-Hobby bringt viel mit sich, Eigenschaften und Fähigkeiten, die einem auch im Privaten und Beruflichen weiterhelfen“, ist Lämmle überzeugt.

Für die Partie am Samstag hat sich Lämmle vorgenommen, möglichst alle Entscheidungen richtig zu machen. Er lacht. „Ich hoffe, es gibt viele einfache, klare Entscheidungen zu treffen und keine brenzligen, heiklen Situationen gegen Ende der 90 Minuten. Wichtig ist, dass wir kein Thema sind.“

„Das ist schon eine besondere Sache“, sagt Timo Lämmle. „Das ist ein Spiel, das man in der Regel nur einmal bekommt, auf jeden Fall ein Highlight.“ Der 29-jährige Fußball-Schiedsrichter hat eine große Aufgabe vor sich: Er pfeift am Samstag, (Anpfiff 16.15 Uhr) das WFV-Pokalfinale zwischen den Stuttgarter Kickers und dem SSV Ulm. Ein Duell zweier Oberligisten vor fanreicher Kulisse im Stuttgarter Gazi-Stadion.

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Eine Partie, auf die sich der Unparteiische der Waiblinger

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