Rems-Murr-Sport

Fußball und Leichtathletik unter Corona-Bedingungen - wie läuft das?

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Markierungen und Wegzeichen – die Sportgelände haben sich verändert, wie hier beim Leichtathletik-Meeting in Waiblingen. Niko Kappel (rechts) gelang erneut ein Stoß über die alte Weltrekordmarke. © Ralph Steinemann Pressefoto

Der Wettkampfsport erwacht wieder, auch im Rems-Murr-Kreis. Wie funktioniert das aber unter Corona-Bedingungen? Wir haben nachgeschaut – bei Leichtathletik und Fußball.

Fußball. Der KTSV Hößlinswart erlebt am Freitagabend beim Bezirkspokalspiel gegen die SV Remshalden etwas völlig Neues: ausverkauft! Das allerdings verschafft dem Bezirksligisten keinen prall gefüllten Geldbeutel, denn nur bis zu 100 Zuschauer darf er auf sein Gelände lassen. Und so liegen am Eingang nicht nur Listen, in die sich alle eintragen müssen, sondern jeder bekommt auch eine Eintrittskarte. Ob er nun zahlen muss oder nicht, zum Beispiel Kinder und Frauen. Nur so aber lässt sich genau zählen, wie viele Menschen bereits auf dem Gelände sind. So mancher wundert sich, dass er nicht mehr eingelassen wird, und so hat der KTSV bald auch so viele Zaungäste wie wohl noch nie.

Auf dem Gelände rund um den Fußballplatz haben die Gastgeber Abstandsmarkierungen für die Zuschauer angebracht, die diese auch brav einhalten. Zumindest am Anfang. Es dauert nicht lange, bis auf dem KTSV-Platz alles aussieht wie bei jedem normalen Fußballspiel vor der Corona-Krise auch. Lediglich auf dem Platz wird körperlich nicht ganz so intensiv gejubelt. Wobei ohnehin lediglich die Gäste aus Remshalden Grund dazu haben. Sie gewinnen das Viertelfinalspiel mit 2:0.

Es darf geduscht werden

Geklärt ist auch die Frage: duschen oder nicht? Darüber hat im Vorfeld Unsicherheit geherrscht, weil das jede Gemeinde für ihren Bereich festlegt. Das KTSV-Gelände aber ist in Privatbesitz, deshalb kann der Verein entscheiden. Die Spieler von KTSV und SV Remshalden dürfen duschen – mit coronagerechtem Abstand.

Wieso sind bei manchen Spielen über 200 Zuschauer?

Deutlich mehr Zuschauer besuchen die Begegnung SG Oppenweiler – SV Allmersbach und Zrinski Waiblingen – SC Korb. In Waiblingen berichten Besucher von klar über 100 Zuschauern, einer schätzt gar 200. Die erleben ein bemerkenswertes Spiel, das mit 8:5 nach Verlängerung für die Gastgeber endet.

In Oppenweiler ist bereits vorher Kapazität von bis zu 250 Zuschauern angekündigt worden. Wie geht das, wenn die Corona-Verordnung nur bis zu 100 zulässt? So heißt es in den Bestimmungen: „Die neue Corona-Verordnung Sport ermöglicht ab dem 1. Juli die Durchführung von Sportwettkämpfen mit Körperkontakt auch im Breitensport. Insgesamt dürfen allerdings maximal 100 Sportlerinnen und Sportler an einem Sportwettkampf bzw. Sportwettbewerb teilnehmen. Möglich sind außerdem Zuschauer bei den Sportwettkämpfen. Hier liegt die Maximalzahl bei 100 Zuschauerinnen und Zuschauern, für die das Abstandsgebot gilt.“

Es gibt allerdings auch folgenden Passus: „Ab dem 1. Juli sind Veranstaltungen mit bis zu 250 Personen möglich, wenn den Teilnehmenden für die gesamte Dauer der Veranstaltung feste Sitzplätze zugewiesen werden und die Veranstaltung einem im Vorhinein festgelegten Programm folgt.“

Mit dem Stuhl zum Fußballspiel

Also jeder Zuschauer auf seinem Stuhl mit ausreichendem Abstand zum Nachbarn. Dass dies tatsächlich so eingehalten wird, klingt irgendwie märchenhaft.

Leichtathletik. Am Sonntagnachmittag ist die Besucherzahl beim Meeting in Waiblingen überschaubar. Es dürfen eben nicht mehr als 100 Athleten und 100 Zuschauer gleichzeitig auf dem Gelände sein. Im VfL-Stadion wartet auf die Besucher sofort eine Desinfektionsstation, dazu eine Grafik, wie das Gelände eingeteilt ist, wer welchen Teil betreten darf. Auch hier kommt niemand mehr weiter, der sich nicht in die Besucherliste eingetragen hat. Für das Empfangskomitee gelten dieselben Bedingungen wie für die Athleten: in der prallen Sonne.

Die Zuschauer drängen sich im Schatten zusammen, auf dem Rasen werfen sich die Kugelstoßer ein. Wären nicht Absperrbänder angebracht, alles sähe wie ein normaler Wettkampf aus. Die Zuschauer feuern die Kugelstoßer tapfer an, die genießen es. Paralympicssieger Niko Kappel würde zwar gerne mal wieder vor großer Kulisse antreten, freut sich aber, dass es überhaupt wieder Wettkämpfe gibt. „Das ist schon ein großer Schritt nach vorne.“

Kappel zum dritten Mal über der alten Weltrekordmarke

Mit seiner Leistung ist der Welzheimer durchaus zufrieden. Nicht alles läuft zwar optimal, aber zum dritten Mal liegt er mit 14,22 Meter über der bis noch vor kurzem gültigen Weltrekordmarke. Er stoße derzeit „megakonstant, das macht Hoffnung auf mehr“. Von seiner neuen Rekordmarke (14,30) ist er damit nur acht Zentimeter entfernt.

Nur ein bisschen mehr fehlt bei Simon Bayer, Kappels Teamkollege vom VfL Sindelfingen, zur persönlichen Bestleistung. Auf 20,26 Meter hat er die Kugel schon gewuchtet, sein Ziel in diesem Jahr ist, nah an die 21 Meter heranzurücken. In Waiblingen gelingen ihm 20,01 Meter. Darüber kann sich Bayer freuen, weil es neuer Stadionrekord in Waiblingen ist, noch mehr aber darüber, dass sein Körper mitmacht, denn: „Ich habe jetzt acht Wochen lang nur Reha gemacht.“ Der Rücken hält, die Beine dagegen sind platt. „Ich bin jetzt einfach nur kaputt.“ Zweiter im Wettbewerb wird Jan Joseph Jeuschede (TSV Bayer 04 Leverkusen) mit 18,77 Metern. Im Wettbewerb der Frauen aber fehlt Alina Kenzel. Die deutsche Vizemeisterin von 2018 muss den Wettbewerb beim Heimverein kurzfristig wegen Rückenbeschwerden absagen.

Frederick Kämpfert und Kai Schaupp, die das Meeting organisieren, sind „superzufrieden“. Wegen Corona sei die Vorbereitung sehr aufwendig gewesen, viele Mails mit Fragen habe es zu beantworten gegeben. Die beiden Wettkampftage hingegen seien einfacher als sonst gewesen. Zum einen wurden aus einem zwei Tage, damit nicht gleichzeitig zu viele Athleten auf dem Platz sind. Zum anderen nehmen wegen der Beschränkungen weniger Athleten teil, die Zahl der Helfer aber blieb gleich. Alles also etwas entspannter.

Den beiden ist es wichtig, den Athleten die Möglichkeit zu geben, sich im Wettkampf zu messen. Dafür werden sie unter anderem mit einer neuen deutschen Bestzeit (4:49,35 Minuten) belohnt. Jolanda Kallabis (TG Stockach) läuft über 1500 Meter Hindernis der Altersklasse U 16 „im Alleingang deutschen Rekord“. Jetzt, meint Schaupp, muss er nur noch vom Deutschen Leichtathletikverband anerkannt werden.

Der Wettkampfsport erwacht wieder, auch im Rems-Murr-Kreis. Wie funktioniert das aber unter Corona-Bedingungen? Wir haben nachgeschaut – bei Leichtathletik und Fußball.

Fußball. Der KTSV Hößlinswart erlebt am Freitagabend beim Bezirkspokalspiel gegen die SV Remshalden etwas völlig Neues: ausverkauft! Das allerdings verschafft dem Bezirksligisten keinen prall gefüllten Geldbeutel, denn nur bis zu 100 Zuschauer darf er auf sein Gelände lassen. Und so liegen am Eingang

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