Fußball im Rems-Murr-Kreis

Fußballer haben kaum noch Hoffnung auf  eine Fortsetzung der Saison

FriedrichL21
Duelle wie dieses wird’s in dieser Saison vielleicht nicht mehr geben. © Ralph Steinemann Pressefoto

Vor zwei Wochen herrschte Aufbruchstimmung bei den Fußballern. Training war wieder erlaubt, wenn auch nur begrenzt, die Wiederaufnahme der Saison eine durchaus realistische Perspektive. Doch spätestens seit Dienstag, als die Inzidenz auch im Rems-Murr-Kreis die 50er-Marke überschritt, macht sich Hoffnungslosigkeit breit. Am Mittwoch lag der Wert bei 57.

Die Inzidenz liegt über 50 und steigt weiter

In der kommenden Woche könnte nach dem neuesten Corona-Lockerungsplan Öffnungsschritt 4 beginnen. „Frühestens“ am 22. März heißt es in der Grafik, die bei der Ministerpräsidentenkonferenz am 3. März verabschiedet wurde. Daraus aber wird kaum etwas werden, Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat weitere Öffnungen bereits infrage gestellt. Und selbst wenn die Länderchefs sich am Montag, 22. März, dazu entschlössen, Öffnungsschritt 4 tatsächlich an diesem Tag zu starten, wäre ein nur ansatzweise normaler Sportbetrieb nicht möglich.

Wird Öffnungsschritt 3 fortgesetzt, sieht es folgendermaßen aus: Liegt die Inzidenz drei Tage lang stabil über 50, treten drei weitere Tage später die Bestimmungen für Inzidenzen zwischen 50 und 100 in Kraft. Das bedeutet: Nur noch bis zu fünf Personen (Mindestalter 15) aus zwei Haushalten dürfen gemeinsam Sport treiben. In der Jugend (unter 15 Jahren) bliebe es bei 20 Kindern plus Trainer. Sollte Öffnungsschritt 4 gelten, könnten bei einer Inzidenz über 50 Mannschaften im Freien zwar normal trainieren, aber: Alle Beteiligte müssten jedoch durch einen tagesaktuellen Schnell- oder Selbsttest nachweisen, dass sie nicht infiziert sind.

Schnelltests mit womöglich weitreichenden Folgen

Landrat Richard Sigel hat alle Sportvereine (und Musikschulen) im Kreis angeschrieben und aufgefordert, mitzuhelfen, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Ein wichtiger Baustein sind für ihn die Schnelltests: „Bitte überlegen Sie, ob Schnelltests für das Training bei Ihnen ein Baustein für mehr Sicherheit sein könnten.“ Über 100 Corona-Schnelltestzentren stünden im Kreis zur Verfügung. Das sei ein Angebot, „das eine unkomplizierte, niederschwellige und kostenlose Testung für jedermann ermöglicht“. Vereinsverantwortliche aber fragen sich: Wie soll das funktionieren?

Die Tests könnten zudem weitreichende Folgen haben: Wird jemand positiv getestet und es handelt sich dabei um eine Virusvariante, „müssen möglicherweise alle, mit denen Kontakt bestand, für 14 Tage in Quarantäne mitsamt allen Hausangehörigen“.

Wie sehen das die Fußballer im Bezirk? Wir haben an drei Stellen nachgefragt.

Oliver Redelfs, TSV Nellmersbach

Oliver Redelfs, langjähriger Abteilungsleiter beim TSV Nellmersbach, fragt beispielsweise: „Wie soll das funktionieren mit den Tests? Die Spieler arbeiten doch den Tag über.“ Das Angebot sei wohl nett gemeint, „aber in der Praxis nicht durchführbar“. Und wenn nur noch fünf Spieler aus zwei Haushalten gemeinsam trainieren dürfen, „wird’s schwierig. Da braucht man ganz schön viele Brüder in der Mannschaft.“

Weil die 50er-Marke nun erreicht ist, geht Redelfs zudem davon aus, „dass es statt besser eher schlechter wird. Und deshalb glaube ich nicht, dass wir weiterhin spielen können.“ Spätestens ab der Landesliga sind in einer Staffel auch mehrere Landkreise vertreten, die völlig unterschiedliche Inzidenzen haben können. Am Dienstag (16. März) lautete die Inzidenz im Hohenlohekreis 109, in Schwäbisch Hall gar 251. Und aus diesen Kreisen stammen die Gegner der Rems-Murr-Landesligateams.

Sollten sich die Werte aber verbessern, müsste es immer noch erst einmal eine vernünftige Vorbereitungsphase geben. Als letzten möglichen Startpunkt hat der WFV den 9. Mai geplant, die Vorbereitung müsste also spätestens vom 19. April an möglich sein. Redelfs glaubt nicht daran. Er denkt bereits an die Saison 2021/22 und hofft, dass wenigstens dann wieder gespielt werden kann, in welchem Modus auch immer.

Bezirks-Chef Patrick Künzer

Mit seiner Einschätzung liegt Oliver Redelfs ganz auf der Linie von Patrick Künzer, Vorsitzender des Fußballbezirks Rems-Murr. Der Verband versuche zwar, „solange wie möglich zu retten, was noch zu retten ist“, doch große Erfolgschancen misst Künzer den Versuchen nicht zu: „Wenn man sich die Inzidenzzahlen der anderen Kreise anschaut ...“

Er selbst möchte zwar auch so viel an Fußballprogramm durchbringen wie nur möglich, aber: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in nächster Zeit Spielbetrieb haben werden.“

Die Vereine im Bezirk sehen es überwiegend offenbar ähnlich. Zumindest ist das Patrick Künzers Einschätzung: „Der Ruf der Vereine wird lauter, die Saison zu annullieren.“

Sascha Ricker, SV Remshalden

Jetzt die Saison endgültig zu stoppen, wäre auch dem Trainer des Bezirksligisten SV Remshalden am liebsten. Zwar stellt Sascha Ricker klar: „Ich bin um jeden Tag froh, an dem wir Fußball spielen können.“ Doch die Ungewissheit, ob die Runde überhaupt weitergeht, sei derzeit das Schlimmste. „Wir sitzen zwischen den Stühlen. Aber wenn man jetzt einen klaren Schlussstrich zieht, kann man sich ganz auf die neue Saison konzentrieren.“

Angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen hält Ricker die Frage nach der Fortführung der aktuellen Runde sowieso für rein hypothetisch: „Wir werden nicht mehr spielen.“ Zumal es dafür eine ordentliche Vorbereitung bräuchte. In dieser Woche hat bei der SVR erstmals seit langer Zeit wieder eine Trainingseinheit stattgefunden. Das Ergebnis: „Wir haben kicken können – aber man hat ganz klar gesehen, was dem Team alles fehlt.“

Künftig vielleicht auch noch vor jedem Training Schnelltests zu machen, hält der Coach schon rein organisatorisch für unrealistisch. „Wer hat schon die Zeit dafür? Und wer stellt sich ehrenamtlich zur Verfügung, um die Tests zu machen?“ Ohnehin ist Sascha Ricker von der Idee, nur eine Vorrunde auszutragen und dann die Saison zu werten, nicht überzeugt. Corona habe schon für ein kräftiges Durcheinander im Spielplan gesorgt. Und eine verkürzte Runde ergebe kein „wahres Stärkebild“ der Mannschaften.

Vor zwei Wochen herrschte Aufbruchstimmung bei den Fußballern. Training war wieder erlaubt, wenn auch nur begrenzt, die Wiederaufnahme der Saison eine durchaus realistische Perspektive. Doch spätestens seit Dienstag, als die Inzidenz auch im Rems-Murr-Kreis die 50er-Marke überschritt, macht sich Hoffnungslosigkeit breit. Am Mittwoch lag der Wert bei 57.

Die Inzidenz liegt über 50 und steigt weiter

In der kommenden Woche könnte nach dem neuesten Corona-Lockerungsplan

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