Mit 21 Kickbox-Europameister: Die Erfolgsgeschichte des Sandro Peters'
Hand aufs Herz, woran denken Sie, beim Thema Kickboxen? An Schläger-Typen und Türsteher? Kickboxer haben oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Dass diese völlig unberechtigt sind, beweist Sandro Peters aus Kornwestheim.
Der 21-Jährige ist „Pointfighter“* im „Fight and Fun“ und trainiert mit unserer Redakteurin Gülay Alparslan. Unlängst wurde Sandro Kickbox-Euromeister in der Gewichtsklasse 84 Kilo. Wir haben mit ihm über die Anfänge seiner Leidenschaft und seine Zukunftspläne gesprochen.
Warum ausgerechnet Kickboxen?
„Fußball oder Ballsportarten im Allgemeinen haben mich nie gereizt“, sagt Sandro. Er sei mit Kampffilmen von Bruce Lee aufgewachsen und fand das schon immer cool. Nicht ganz unbeteiligt an seinem Interesse am Kickboxen ist auch sein Vater. Dieser hat in seiner Jugend ebenfalls Kickboxen betrieben und seinen Sohn mit 8 Jahren dazu angemeldet.
Was Sandro am Kickboxen reizt? „Kickboxen hat mir geholfen, mein Selbstvertrauen zu stärken“. Außerdem sei er disziplinierter und habe eine bessere Körperspannung. Im Moment prägt der Sport seinen gesamten Alltag. „Aktuell trainiere ich jeden Tag. Wenn Turniere anstehen, auch zweimal am Tag.“ Das Trainingspensum hänge auch davon ab, welche Veranstaltungen anstehen – große oder eher kleinere. Die meiste Zeit verbringt Sandro im Fight and Fun, wo er von Trainer Lazaros "Lalli" Emmanouilidis betreut wird. Dazu kommen Einheiten im Fitnessstudio oder Joggen.
Beruf und Sport vereinbar?
Im „Lalli1-Team“ stehen ihm zwar genügend Trainingspartner zur Verfügung. „Wir veranstalten aber auch regelmäßig Sparrings** Treffen mit befreundeten Sportschulen, um für Abwechslung zu sorgen“, erklärt Trainer Lalli. Jeder Kämpfer hat seine Stärken: Der eine kämpft mit Fäusten, der andere mit Kicks, dann gibt es noch den Mix, also Kämpfer, die beides einsetzen. „So kann ich mich optimal auf die Wettkämpfe vorbereiten“, sagt Sandro.
Bei so viel Training stellt sich die Frage, wie Sandro Sport und Beruf unter einen Hut bekommt. Nach dem Abitur begann er zunächst ein Studium. Aufgrund der erschwerten Studienbedingungen während der Corona-Pandemie entschied er sich, das Studium abzubrechen. Stattdessen beginnt er im September eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Besonders glücklich ist er über das Entgegenkommen seiner Vorgesetzten, die es ihm ermöglichen, seinen Sport weiterhin intensiv zu betreiben.
Anstehende Events: European Games und die Kickbox-Weltmeisterschaft
Eigentlich hätte er schon früher mit seiner Ausbildung beginnen können, aber in diesem Jahr stehen einige große Events an, wie etwa die European Games oder die Weltmeisterschaft. Solche Veranstaltungen dauern oft zehn Tage. Weil Sandro sich auf die Turniere konzentrieren wollte, hat er seinen Ausbildungsbeginn auf September verschoben. „Jetzt kann ich mich voll auf meinen Sport konzentrieren. Ich will im Beruf und im Sport 100 Prozent geben“, sagt der 21-Jährige.
Nervös ist er vor Wettkämpfen eigentlich nicht. „Ich mache das jetzt schon relativ lang und fühle mich sicher in dem, was ich tue“, sagt Sandro. Wenn er sich vor einem Kampf von Anfang an gut fühlt, ist er sich sicher, dass er den Kampf auch gewinnen wird. „Da beeindruckt es mich auch nicht, wer mir gegenübersteht“. Besonders wichtig sei die Mentalität. „Wenn ich selbst nicht an meinen Sieg glaube, wer dann?“
Vater und Mutter stehen zu 100 Prozent hinter Sandro
Während andere Kämpfer teilweise mit psychologischen Tricks versuchen, den Gegner vor einem Kampf einzuschüchtern oder aus der Ruhe zu bringen, bleibt Sandro ruhig. Vor dem Kampf rechnet er sich aus, auf wen er trifft. Im Kopf geht er durch, wie er gegen jeden kämpfen und den Kampf gewinnen kann. „Sandro ist eher der bescheidene Typ“, bestätigt Trainer Lalli.
Stolz auf Sandros Leistungen sind sowohl sein Vater als auch seine Mutter. Beide stehen zu 100 Prozent hinter ihm. „Mit den Jahren ist es auch für meine Eltern eine Leidenschaft geworden.“ Bis vor kurzem haben sie ihn noch zu jedem Turnier begleitet. Inzwischen reist Sandro auch mal ohne sie. Bei der Europameisterschaft in Antalya waren sie aber dabei.
Trainer: Sandro kann alle Titel im Kickboxen holen
Auch Trainer Lalli ist mächtig stolz auf Sandros Erfolge: „128 Kickboxer aus ganz Europa nehmen an der nächsten Veranstaltung teil und Sandro ist einer von ihnen. Das schafft nicht jeder.“
Ein Rezept, um so ein guter Sportler wie Sandro zu werden, gebe es nicht. „Es müssen viele Faktoren zusammenkommen: sei es die Disziplin, sei es das Talent, der Fleiß, manchmal auch das Quäntchen Glück oder das Durchhaltevermögen“, erklärt Lalli. Wenn das alles zusammenpasst und die Beziehung zwischen Athlet und Trainer stimmt, ist der Erfolg vorprogrammiert. Was die Zukunft von Sandro betrifft, ist er überzeugt, dass sein Schützling in Sachen Titel „alles holen kann, was es gibt - auch in Übersee. Er kann locker mit Kämpfern aus den USA mithalten“.
Info
* Pointfighting ist eine Variante des Kickboxens. Nach jedem erfolgreichen Treffer am Körper des Gegners wird der Kampf kurz unterbrochen. Die Kämpfer gehen in die Ausgangsposition zurück. Für jeden Treffer gibt es Punkte. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt den Kampf.
** Sparrings sind Kämpfe, die Wettkämpfen ähneln. Bei Sparrings gelten aber veränderten Regeln, um Verletzungen weitgehend zu vermeiden. Sparrings dienen dazu, die Fähigkeiten der Kämpfer zu verbessern.





