Rems-Murr-Sport

Neue Aufgaben für die Ex-Profi-Triathletin Ricarda Lisk: Mutter, Trainerin, Außendienstlerin

Lisk
Die Zeiten, in denen Ricarda Lisk ihr Leben nach Trainingsplänen und Wettkämpfen richten musste, sind vorbei. Heute genießt sie die neue Freiheit, wie hier auf Langeoog. © Privat

Vor drei Jahren hat die Triathletin Ricarda Lisk ihre lange Profi-Karriere beendet. Mit ihrem Sport ist die 39-Jährige nach wie vor eng verbunden, er hat aber Konkurrenz bekommen. Im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Thomas Wagner spricht die Wahl-Schweizerin unter anderem über ihr neues Leben als Mutter, ihre beruflichen Pläne und den Verlust eines guten Freundes.

Hallo Frau Lisk, die wichtigste Frage vorneweg in diesen schwierigen Zeiten: Wie geht es der jungen Familie in der Schweiz?

Es geht uns sehr gut. Ich bin froh, die Möglichkeit zu haben, hier leben zu können. Wir wohnen da, wo viele Urlaub machen. Und die Heimat ist ja nicht weit.

Der Umgang mit der Corona-Pandemie wird in Deutschland kontrovers diskutiert. Die Schweizer gelten grundsätzlich als gelassen. Wie ist Ihr Eindruck: Sind sie das auch bei steigenden Infektionszahlen?

Es erstaunt mich tatsächlich, wie locker die Schweiz nun die zweite Welle angeht. Es gilt zwar nun auch überall Maskenpflicht, aber alle öffentlichen Institutionen sind noch offen. Kürzlich war ich in einem fast leeren Hallenbad gemütlich schwimmen. Die Besucherzahlen sind natürlich auf ein Minimum beschränkt, aber es wird versucht, dass der Freizeitbetrieb – inklusive Schulen und Vereinen – noch aufrechterhalten wird. Die Schweiz setzt sehr auf die Eigenverantwortung ihrer Bürger. Ich muss sagen, hier sind alle sehr diszipliniert. Allerdings meide ich Großstädte wie Zürich oder Luzern und jegliche Menschenansammlungen.

Wie kommen Sie persönlich mit der Situation klar?

Ehrlich gesagt, komme ich so gut wie gar nicht mit Maßnahmen gegen Covid-19 in Kontakt. Im Dorfladen trage ich meine Maske, aber ansonsten bin ich eher auf dem Spielplatz mit meiner Tochter oder in der Natur. Dort ist kein Virus, und somit habe ich keine Einschränkungen. Aber wie schon erwähnt, ich muss weder öffentliche Verkehrsmittel nutzen noch in einer Großstadt unter Leuten arbeiten. Da habe ich Glück.

Sie wohnen in Hausen am Albis, der kleine Ort liegt zwischen den Städten Zürich und Zug. Können Sie Ihre neue Heimat ein bisschen näher beschreiben?

Gerne. Hausen ist für uns der perfekte Wohnort. Die Berge sind nicht weit, man kann von der Tür ab jegliche Sportarten machen. Und mit dem Badesee, zehn Minuten mit dem Rad entfernt, habe ich mich im Sommer jeden Tag wie im Urlaub gefühlt. Nach einer angenehmen Wanderung auf unseren Hausberg haben wir eine Rundumsicht über den kompletten Zürichsee bis hin zum Eiger.

Ihr ehemaliger Trainer Lubos Bilek lebt ganz in der Nähe, in Galgenen am Zürichsee. Haben Sie noch Kontakt mit ihm?

Ja, allerdings ist er nun tatsächlich wegen der Familie zurück nach Tschechien gezogen. Sehr schade, aber auch verständlich. Er wird aber öfters wieder in die Schweiz kommen. Und da versuchen wir uns zu treffen.

Allzu oft sind Sie nicht mehr im Ländle. Die Chance, Sie zu treffen, gibt’s normalerweise im Oktober bei der Wohltätigkeitsveranstaltung Lila Logistik Charity Bike-Cup. Warum fehlten Sie in diesem Jahr?

Ja, das war sehr schade, allerdings hatte ich einen triftigen Grund. Im November kommt noch ein Geschwisterchen, und daher war es für mich im Oktober nicht mehr möglich, beim Charity-Cup mitzuradeln. Nächstes Jahr bin ich aber definitiv wieder dabei, zusammen mit Richy Müller als Teamkapitän.

Seit Ihrem Karriereende vor gut drei Jahren verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt als Triathlon-Trainerin, unter anderem mit Trainingscamps. Finden die derzeit überhaupt statt?

Wir hatten sehr Glück, dass wir im Februar noch ein tolles Camp mit 70 Gästen auf Fuerteventura veranstalten konnten. Danach wurden sie leider wegen der weltweiten Lockdowns gecancelt. Ab November werden nun wieder Camps angeboten, allerdings lege ich nächstes Jahr eine Babypause ein. Von 2022 an werde ich wieder Camps leiten und hoffe, dass die Corona-Zeit dann vorüber ist.

Sie stellen außerdem individuelle Trainingspläne für Athleten zusammen. Das dürfte im Home-Office gut funktionieren.

Ja, man muss etwas umplanen, da ja leider die Hallenbäder zuhaben. Aber die Athleten sind sehr flexibel und fleißig, schließlich wollen sie ja weiterhin fit und gesund bleiben.

Auf Ihrer Homepage geben Sie über den Youtube-Kanal diverse Technik-Tipps im Schwimmen und Laufen. Ist das der Pandemie geschuldet oder gehört dem digitalen Training die Zukunft?

Die Videos habe ich schon lange online, als Anregung für jedermann und da ich leider die von mir betreuten Athleten nicht oft persönlich sehe. Ich denke schon, dass es nun auch einen Wandel gibt, was das digitale Training betrifft. Allerdings freue ich mich immer, wenn ich die Athleten gerade in Camps für einen längeren Zeitraum live beim Training sehen und betreuen kann.

Mit dem Inferno-Triathlon in der Schweiz beendeten Sie im August 2017 Ihre Profi-Karriere und freuten sich darauf, ohne Druck und irgendwelche Ziele Sport treiben zu können. Ganz ehrlich: Haben Sie nicht zunächst einmal genüsslich die Beine hochgelegt?

Oh ja! Nicht mehr trainieren zu „müssen“ war schon etwas Spezielles. Sport habe ich natürlich weiterhin gemacht, aber beispielsweise keine Tempoläufe mehr, sondern nur nach Lust und Laune.

Als Profi sind Sie in der Regel bestens vorbereitet in die Wettkämpfe gegangen. Wie gut waren Sie für Ihre neue Rolle als Mutter präpariert?

Nun ja, man hat ja zum Glück neun Monate Zeit, sich darauf einzustellen. Es war schon eine komplette Lebensumstellung, als „Ego“-Profi-Athlet plötzlich Verantwortung zu übernehmen und sich ausschließlich um so ein kleines Wesen zu kümmern. Es ist eine besondere und tolle neue Erfahrung.

Manche Mütter stürzen sich unmittelbar nach der Geburt des Kindes wieder ins Berufsleben, andere dagegen widmen sich fast ausschließlich dem Nachwuchs. Zu welcher Kategorie zählen Sie?

Ja, da zähle ich doch zu der zweiten Kategorie. Die Zeit ist zu kurz, um sie nicht zu genießen. Allerdings habe ich natürlich auch die Möglichkeit, zu hundert Prozent für meine Tochter da zu sein und trotzdem arbeiten zu können.

Mitten in Ihrer Schwangerschaft gab’s ein sehr trauriges Ereignis. Im Oktober 2018 verstarb überraschend Dieter Waller. Er war nicht nur ein großartiger Triathlet, sondern über lange Jahre hinweg ein Freund und so etwas wie Ihr Mentor. Wie sind Sie damit klargekommen?

Ich war gerade auf einem Gipfel in den Schweizer Bergen angekommen, als ich die Nachricht von Dieters Tod bekam. Auf dem Rückweg habe ich versucht, den ersten Schock zu verarbeiten. Es war natürlich unfassbar. Dieter war immer da, seitdem ich mit Triathlon angefangen habe. Er hat mich meine komplette Karriere begleitet. Wir haben so viele Trainingseinheiten zusammen gemacht, geschwitzt und gelacht. Er war der fitteste 70-Jährige. Ich ertappe mich immer noch, wenn ich zurück nach Waiblingen kommen, dass ich denke, ich werde gleich mal Dieter anrufen, ob er Lust auf eine gemeinsame Einheit hat. Ich werde ihn immer vermissen.

Als Profi-Sportlerin konnten Sie Ihren Tagesablauf – bis zu einem gewissen Rahmen – relativ frei gestalten. Feste Arbeitszeiten, sagten Sie einst, könnten Sie sich auch nach dem Ende der Karriere schwer vorstellen. Haben Sie Ihre Flexibilität erhalten können?

Ja, und ich finde, das ist tatsächlich ein großes Stück Lebensqualität. Okay, der Tagesablauf richtet sich natürlich schon etwas nach meiner Tochter. Aber was wir letztendlich machen, ist uns überlassen. Und meine Arbeit erledige ich abends, wenn sie im Bett ist.

Seit einiger Zeit arbeiten Sie außerdem für die Teambekleidungs-Firma René Rosa. Welche Aufgaben haben Sie hier?

Ich mache für René Rosa den Außendienst in der Schweiz. Das heißt, ich suche Athleten, Vereine, Teams und Eventveranstalter, die sich neu mit individuell bedruckbarer Sportkleidung ausstatten möchten. Da ich selbst eine eigene Kollektion bei René Rosa habe und die Produkte super finde, macht es sehr viel Spaß. Ich bin immer auf die neuen Designs gespannt, die sich die Kunden gestalten lassen. Zudem wird alles in Bayern beziehungsweise Europa produziert, was ich gerne unterstütze.

In diesem Jahr haben Sie die Trainer-A-Lizenz Langdistanz gemacht. Haben Sie noch etwas dazulernen können?

Es waren tatsächlich viele interessante Referenten dabei, wie der Nutritionist (Ernährungsberater, Anmerkung der Redaktion) vom Rad-Team Bora-Hansgrohe, eine Frauenärztin oder der CEO (Geschäftsführer) von INSCYD (spezielle Leistungsdiagnostik). Während ich meine Meinung, was Ernährung betrifft, bestätigt bekommen habe, waren die Ansichten der Ärztin, was die Hormone bei Frauen im Sport ausmachen, eher anders, als ich sie aus meiner Erfahrung kenne. Auch finde ich, dass mittlerweile der Sport beziehungsweise das Training überanalysiert wird. Mit den ganzen Tools, die gerade Triathleten mit sich führen, verlernen viele, auf ihr Körpergefühl zu achten. Ich wurde daher als etwas oldschool abgestempelt. Ich muss aber zugeben, dass ich mich nun auch schon mehr mit neuen Daten auseinandersetze, wenn es schon die Möglichkeit gibt.

Bei der Ausschreibung zur Lizenz heißt es, die Ausbildung richte sich an Trainer, die ambitionierte Langdistanz-Triathleten trainieren. Spielen Sie etwa mit dem Gedanken, in den Profi-Sport zurückzukehren?

Nein, definitiv nicht als Sportlerin. Und als Trainerin würde mir momentan die Zeit dazu fehlen. Ich möchte mich lieber zu hundert Prozent gut um meine ambitionierten Altersklassen-Athleten kümmern. In ein paar Jahren sehen wir weiter.

Die Schweiz ist ein Skifahrer-Land. Sind Sie mittlerweile eigentlich zur Skifahrerin mutiert?

Das war tatsächlich das Erste, was ich nach meinem Karriereende gelernt habe. Ich konnte es mir nie vorstellen, wie sich Menschen so steile Hänge ohne Bremse hinunterstürzen können. Meine Technik ist leider – noch – grottenschlecht und sieht alles andere als elegant aus. Dafür komme ich zumindest jede rote Piste runter.

Vor drei Jahren hat die Triathletin Ricarda Lisk ihre lange Profi-Karriere beendet. Mit ihrem Sport ist die 39-Jährige nach wie vor eng verbunden, er hat aber Konkurrenz bekommen. Im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Thomas Wagner spricht die Wahl-Schweizerin unter anderem über ihr neues Leben als Mutter, ihre beruflichen Pläne und den Verlust eines guten Freundes.

Hallo Frau Lisk, die wichtigste Frage vorneweg in diesen schwierigen Zeiten: Wie geht es der

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