Rems-Murr-Sport

1989/90 - Als die DDR im Rems-Murr-Fußball mitspielt

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Platz zwei in der Landesliga und im WFV-Pokal erst im Halbfinale gescheitert: Torwart Uwe Müller und der SC Korb. © ZVW/Wolper
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Udo Tochtermann
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Anouschka Bernhard

Erneut präsentieren sich die Rems-Murr-Teams in der Fußball-Landesliga sehr gut. In der Saison 1989/90 belegen sie unter anderem die Plätze zwei (SC Korb), fünf (SV Fellbach) und sechs (TV Oeffingen). Ansonsten aber gibt es einige Aufregung – auch die DDR spielt eine Rolle.

In diesem Jahr nämlich löst sich die DDR auf, wird Teil der Bundesrepublik. Jede Menge Fußballer kommen aus den neuen Bundesländern. Jugendliche dürfen sofort in den Vereinen des WFV spielen, bei den Aktiven ist es deutlich komplizierter mit Abmeldung, Nachweisen und neuer Spielgenehmigung.

Gleichzeitig denkt der Verband über eine Reform nach. Ihm schweben zwei Verbandsligen und sechs Landesligen vor. Daraus aber wird nichts.

SC Korb Vizemeister

Die Rems-Murr-Landesligisten sind wieder top, belegen die Plätze zwei (SC Korb), fünf (SV Fellbach unter Trainer Karlheinz Schlotterbeck), sechs (TV Oeffingen unter Rückkehrer Helmut Lober, der zum Saisonende aber als Trainer ganz aufhört), zehn (VfL Schorndorf unter Günter Mayer), elf (Spvgg Rommelshausen unter Hans Amort) und zwölf (TSV Schlechtbach unter Hansjoachim Peschel). Der SC Korb schafft unter Rangnick sogar den Einzug ins Halbfinale des WFV-Pokals. Dort unterliegt er vor 1000 Zuschauern Oberliga-Topteam SSV Reutlingen mit 0:2. Der Trainer aber verlässt die Korber zum Saisonende. Der VfB will ihn für seine Amateure haben.

Udo Tochtermann vom SC Korb ist mit 20 Treffern erfolgreichster Torschütze, Vorjahressieger Michele Vulcano (SV Fellbach) trifft 16-mal. Übertroffen wird er unter anderem von Toni Guaggenti vom TV Oeffingen (18 Treffer).

In der Verbandsliga wird die TSG Backnang erneut Sechster, Aufsteiger Viktoria Siebter.

Hickhack um ein Entscheidungsspiel

In der Saison 1989/90 gibt es aber auch einiges an Ärger. Hickhack gibt es beispielsweise um das Entscheidungsspiel um die Meisterschaft in der Kreisliga B III. ASGI Schorndorf muss gegen den punktgleichen SSV Steinach-Reichenbach antreten. ASGI protestiert, weil der punktgleiche SSV nur durch ein Sportgerichtsurteil zur selben Tordifferenz gekommen ist. Letztlich zieht ASGI den Protest zurück, das Spiel findet statt, vor 1200 Zuschauern gewinnt Steinach mit 2:0.

Der SKV Waiblingen wiederum, der vor einem Jahr noch über zu wenig Spieler im Kader geklagt hat, wird Meister in der B I. Auf dem Weg zum Titel kommt es zu einem denkwürdigen Spiel gegen den TSV Schnait. Die Partie endet mit Polizei auf dem Sportplatz. Der Schnaiter Spieler Theodoros Hatzivasiliadis landet im Krankenhaus, weil ihn ein Waiblinger Zuschauer gegen den Kopf getreten haben soll. Beschimpfungen („Schweine, Nazis“) fliegen hin und her.

Ärger gibt es auch im Frauenfußball. Anouschka Bernhard aus Neustadt spielt beim VfL Schorndorf und möchte zum VfL Sindelfingen wechseln. Der VfL aber verlangt 2500 Mark Ablöse, weil Sindelfingen ein Konkurrent in der Verbandsliga ist. Bernhard wechselt trotzdem, ist für drei Monate gesperrt. (Heute ist Bernhard DFB-Trainerin im Nachwuchsbereich).

Erstmals veranstaltet der Zeitungsverlag Waiblingen sein Bezirksligafest. Trainer und Spieler der Bezirksligateams kommen beim VfR Waiblingen zusammen und wählen ihren Spieler des Jahres.

Erster Preisträger als Spieler des Jahres ist Klaus Dieter Kamp vom TSV Rudersberg, der maßgeblichen Anteil am Aufstieg des TSV in die Landesliga hat. Torschützenkönig ist Uwe Amann vom SV Allmersbach.

Die Gäste stellen zudem eine Bezirksligaauswahl zusammen, die gegen eine Landesligaauswahl spielen soll:

Tor: Werner Schäfer (VfR Birkmannsweiler), Rüdiger Schwinger (TSV Rudersberg). Abwehr: Oliver Spindler (SV Allmersbach), Joachim Puttler, Jörg Gabler (VfR Waiblingen), Jochen Scholz (VfL Winterbach), Marc Heller (TV Stetten), Jochen Kuhnle (TSV Winnenden), Uwe Hilsenbeck (VfL Waiblingen). Mittelfeld und Angriff: Klaus-Dieter Kamp (TSV Rudersberg), Horst Freytag, Ralf Lachner (SV Unterweissach), Alexander Suckut (TSG Backnang II), Günter Schäffler, Uwe Amann (SV Allmersbach), Gerd Lachenmaier (TSV Lippoldsweiler), Ralf Schneider, Michael Leitlein (SC Urbach), Armin Dürr (TSV Rudersberg) und Oliver Pfisterer (VfR Waiblingen).

Zudem organisieren die drei Waiblinger Vereine ein Benefizspiel zugunsten zweier Fußballer, die auf den Rollstuhl angewiesen sind. 2:2 trennen sich Waiblingen und die von Harry Kellner betreute Bezirksauswahl, 500 Mark kommen zusammen.

Meister und Absteiger

Bezirksliga. Meister: TSV Rudersberg. Absteiger: keiner.

Kreisliga A I. Meister: TSV Schwaikheim. Absteiger: TSV Beutelsbach.

Kreisliga A II. Meister: VfR Murrhardt. Absteiger: keiner.

Kreisliga B I: Meister: SKV Waiblingen.

Kreisliga B II: Meister: Spvgg Unterrot.

Kreisliga B III: Meister wird SSV Steinach.