Rems-Murr-Sport

DG's aus Lorch: Mit viel Training zur perfekten Akrobatik-Show

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Lena Kißling und Annika und Maren Hutter (von links) trainieren das Team und stehen dabei selber noch mit auf der Bühne. © Büttner
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Beweglichkeit und auch Vertrauen in die Teamkameraden sind bei den Figuren, welche die Showakrobatik-Gruppe DG’s macht, besonders wichtig. © Büttner
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Salto vorwärts, lautet die Aufgabe. Die Trainerinnen geben Hilfestellung. © Büttner

Es ist nur ein gezielter Schwung, eine runde, große Bewegung der Arme. Halt. Jeweils in Zweiergruppen stemmen die Sportler je ein Mädchen in die Höhe. Gefasst an Händen und Knöcheln, die Mädchen in der Brücke. Es wird gezählt. Alle gleichzeitig wieder ab. Im gleichen, eleganten Schwung.

Kreativität, Mut und Schweiß werden die DG’s aus Lorch nächstes Jahr zur Weltgymnaestrada nach Amsterdam führen. Ein zweites Mal wurden sie für dieses internationale Event nominiert. Was als Hobbysportgruppe begann, ist über wenige Jahre zu einem 30-köpfigen Showakrobatik-Team angewachsen.

Dance and Gymnastics, kurz DG’s, nennt sich die Truppe vom TSV Lorch. 30 Kinder, Jugendliche und Erwachsene treffen da im Alter von sechs bis 29 aufeinander, bilden ein Team, eine Gruppe, die Musik, Tanz, Akrobatik und Turnen verbindet.

An diesem Montagabend trainieren sie in der Schäfersfeldhalle. Die blaue Bodenfläche ist zwölf mal zwölf Meter groß. „Bei den Wettkämpfen haben wir die Fläche zur Verfügung, dann trainieren wir auch so“, erklärt Lena Kißling, eine von drei Trainerinnen, die aber alle noch mit auf der Matte stehen.

„Wir wollen die Stärken jedes Einzelnen hervorheben“

Radwenden, Saltos, Flickflacks. Sprünge, tänzerische und akrobatische Elemente. Viele der Akrobatinnen kommen von der Rhythmischen Sportgymnastik oder dem Geräteturnen. „Wir können gerade keine absoluten Anfänger aufnehmen, dazu ist unser Niveau mittlerweile zu hoch“, so Kißling. Denn trainiert und aufgetreten wird zusammen, das Alter spielt erst im Wettkampf eine Rolle, dafür muss man mindestens zwölf Jahre alt sein. Rhythmusgefühl und Körperspannung sollte man mitbringen, Elemente wie Rad und Rolle sind ein Muss. „Wir versuchen in unseren Shows, die Stärken von jedem hervorzuheben.“ Keiner wird dort eingesetzt, wo er sich schwertut.

Denn unterschiedlich sind die Lorcher Showakrobaten allemal. Nicht nur vom Alter her, sondern auch von Größe und Statur. Die Kleineren werden geworfen, auf Pyramiden oben platziert. Zwei Jungs sind auch dabei. „Die haben natürlich eine ganz andere Kraft als wir Mädels“, weiß die Trainerin. Die Kraft, die werden sie an diesem Abend noch trainieren, während Maren und Annika Hutter den Takt vorgeben.

Doch nach dem Aufwärmen, Dehnen und Einturnen werden zuerst Saltos geübt. Vorwärts. Auf dem Minitrampolin, Sprungbrettern. Alle gemeinsam. Maren und Annika Hutter geben denjenigen Hilfestellung, bei denen es noch nicht ganz klappt.

Traum der Weltmeisterschaft ist geplatzt

Mit seinem momentanen Programm „Skyscraper - The Steel High Rise“ hat es das Lorcher Team zur Weltmeisterschaft nach Lissabon (Portugal) geschafft - wären da nicht Corona und die Absage des Events gewesen. „Das war so ärgerlich“, erinnert sich die 29-jährige Trainerin. „Das wäre unser bisheriger Höhepunkt geworden.“

Denn die Showakrobatik-Gruppe gibt es in Lorch erst seit 2015, 2016 standen die ersten Wettkämpfe an, mit dem zweiten Programm, „Die Eleganz Afrikas“, hagelte es erste Erfolge. Gleich zweimal, 2018 und 2019, wurde sie STB-Showgruppe und dann ausgewählt, bei der Weltgymnastreada in Dornbirn (Österreich) dabei zu sein.

Schlag auf Schlag. Aber kein Spaziergang, erinnert sich Kißling: „Hier steckt viel Arbeit drin.“ Arbeit, die sich schon im Training bemerkbar macht. Es geht ruhig und diszipliniert zu, aber mit Freude an der Sache. „Alle wissen genau, wofür sie hier sind und wofür sie es tun.“ Und das bringt Erfolge.

Mit der deutschen Delegation in Finnland

Erst kürzlich waren die Lorcher mit der deutschen Delegation bei der Gymnaestrada in Helsinki (Finnland). „Das war ein absolut aufregendes Erlebnis“, so Kißling, die sich noch erinnert, wie nervös sie gewesen sei und wie erleichtert, als sie merkte, dass alles lief. Mehrere Auftritte bestritt das Team, einen mit der kompletten deutschen Delegation gemeinsam. „Dafür gab es zwar Proben, aber das war das erste und einzige Mal, dass wirklich alle zusammen die Show machen.“

Ein Erlebnis, das nur mit Unterstützung möglich ist. Und da haben sich die Eltern zusammengetan, ein Orga-Team gegründet. „Man muss sich um Flüge, Busse, Unterkünfte kümmern“, beginnt Jörg Walter aufzuzählen. Und das ist längst nicht alles. Auftritte wollen organisiert, Finanzen gepflegt und der Laden am Laufen gehalten werden. Er hilft, wo er kann, um Trainerinnen und Gymnastinnen Organisatorisches abzunehmen. Für den gleichen Abend haben die Eltern noch etwas anderes organisiert: einen kleinen Empfang vor der Halle, ein Buffet, Geschenke. „Das ist ein Dankeschön für den Einsatz der Trainerinnen und eine Belohnung für die harte Arbeit der letzten Wochen“, so Walter.

Ein Baugerüst als optischer Mittelpunkt der Show

Zwei Jahre darf eine Show längstens gezeigt werden, bald soll es in Lorch eine neue geben. Doch das braucht Zeit, wie Kißling verrät. Bis alles steht, ein halbes bis dreiviertel Jahr. In mehreren Sitzungen an Wochenenden sammeln die Trainerinnen Ideen, wählen Kostüme aus, designen Anzüge, suchen Musik - möglichst episch soll sie sein und Gänsehaut hervorrufen -, bestimmen ein Thema und ob es Handgeräte gibt. In diesem Programm ist ein Baugerüst der zentrale Punkt. „Wir haben uns überlegt, wie wir das Gerüst beturnen können“, erklärt Kißling. Dabei sind sie auf etliche kreative Ideen gekommen. Im Laufe der zwei Jahre wird es immer wieder modifiziert, umgestellt.

„Natürlich sind nicht immer alle 30 Akrobaten bei jedem Auftritt dabei“, erklärt die Trainerin, während Annika und Maren Hutter weiter fleißig durchs Training führen und erinnern: „Kopf hoch, Füße strecken!“

Weil nicht immer alle dabei sind, hat jeder seine Position, die er trainiert. „Aber wir versuchen, möglichst alle unterzukriegen.“ Denn eine Zweitbesetzung, wie bei anderen Mannschaften, gibt es nicht.

Dass in Lorch der Teamgedanke großgeschrieben wird, zeigt sich auch im Training. Oft wird ein Teil freies Training eingebaut. „Hier können sie das machen, was sie üben wollen, was sie noch nicht richtig können, das, was sie auf Instagram gesehen haben und ausprobieren möchten. Alles, was ihnen Spaß macht.“ Viele Ideen kommen von der Social-Media-Plattform Instagram und manches davon haben sie auch schon in die Shows eingebaut.

An diesem Abend will das Team lieber Krafttraining machen. Während sich je zwei etwa gleich große Turner zusammentun und eine Reckstange halten, hängen sich die Kleineren dran und ziehen die Knie zur Brust. Dabei nimmt Annika Hutter das Handy zur Hand und filmt drauf los. Für Instagram.

Es ist nur ein gezielter Schwung, eine runde, große Bewegung der Arme. Halt. Jeweils in Zweiergruppen stemmen die Sportler je ein Mädchen in die Höhe. Gefasst an Händen und Knöcheln, die Mädchen in der Brücke. Es wird gezählt. Alle gleichzeitig wieder ab. Im gleichen, eleganten Schwung.

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Kreativität, Mut und Schweiß werden die DG’s aus Lorch nächstes Jahr zur Weltgymnaestrada nach Amsterdam führen. Ein zweites Mal wurden sie für dieses internationale Event nominiert. Was als

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