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Giovane Elber besucht Hilfsverein in Winterbach

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Giovane Elber besuchte Winterbach und seine Helfer im Hilfsverein. Und weil er gerade in Stuttgart war und Giovane mal wieder sehen wollte, schaute auch Paulo Rink, deutscher Nationalspieler mit brasilianischen Wurzeln, vorbei. © schrade

Winterbach. Seit 23 Jahren hilft der Giovane-Elber-Verein Kindern in Elendsvierteln von Londrina, der brasilianischen Heimatstadt Giovane Elbers. Über zwei Millionen Euro hat er mittlerweile an Spenden gesammelt und in die Arbeit in Brasilien investiert. Jetzt geht er sein neuestes Projekt an: eine Kinderkrebsklinik. Deshalb war der Chef von Verein und Stiftung zu Besuch in Winterbach, wo alles begann.

130 000 Euro steuert der Verein bei für die Ausstattung einer Kinderkrebsklinik in Londrina. Die Summe hat der Verein von der Udo-Grüninger-Stiftung erhalten, zudem hat er selbst noch Geld gesammelt. Den Rest der Kosten – rund 90 000 Euro – zahlen die Stadt Londrina und die Region Parana.

Arzt in Afrika unterstützt

Die Chemo-Therapiestation der Kinderkrebsklinik ist das vierte Projekt, das Elber und die Winterbacher über das Ursprungsprojekt, die Schule Escola Pestalozzi für Favelakinder, hinaus mit ihren Spenden möglich machen. Auch ein Heim, in das alleinerziehende Frauen ihre Kleinkinder bringen können – Voraussetzung, um einen Arbeitsplatz zu bekommen –, zählt dazu, in Afrika griff der Verein einem Arzt unter die Arme, der dort ehrenamtlich arbeitet, und in Nepal sorgte er für den Wiederaufbau einer Schule.

Immer stehen Kinder, immer die der ärmsten Schicht im jeweiligen Land, im Mittelpunkt. Auch die Kinderkrebsklinik wurde darauf verpflichtet, dass sie jedes Kind aufnimmt, auch wenn es keine Versicherung vorweisen kann.

Elber-Hilfsprojekt jetzt Sozialstation

In der Schule Pestalozzi allerdings wird mittlerweile nicht mehr unterrichtet. In Brasilien wurde die Schulpflicht eingeführt. Das Elber-Hilfsprojekt dient nun als Sozialstation, bietet Sport, Nachhilfe, Computerunterricht und vor allem Essen.

Elbers Frau Cintia arbeitet hier als ehrenamtliche Geschäftsführerin. Sie ist immer wieder erstaunt, was die Kinder beim Mittagessen in sich hineinschlingen. „Aber denen ist eben klar, das nächste Essen gibt es erst wieder am nächsten Tag beim Frühstück im Projekt.“

Trotz aller Probleme: "Das Projekt läuft sehr gut"

Waren früher noch 200 Kinder in der Escola Pestalozzi, sind es mittlerweile nur noch 100. Im Projekt fehlen ehrenamtliche Helfer. Die sind kaum noch zu finden, weil die Finanzprobleme in Brasilien immer größer werden, erzählt Elber. Geld von der Stadt und privaten Spendern gibt es auch kaum noch. 2000 bis 2500 Euro steuerten die früher monatlich bei. Elber: „Seit sechs Monaten kommt nichts mehr. Wir versuchen deshalb, Geld über den Verkauf von Pizza, Fejoada und Caipirinha zu bekommen.“

Trotz aller Probleme: „Das Projekt läuft sehr gut“, sagt Elber. Die ganze Region rund um das Projekt habe sich gut entwickelt (Straße, Wasserversorgung, Sanitäranlagen). Er bekomme oft Rückmeldung, die Kinder, die Menschen hier verhalten sich ganz anders als früher. In der Region würde auch anerkannt, dass hier professionell und vor allem langfristig gearbeitet werde.

Er sagt aber auch: „Vielen Dank an die deutschen Helfer. Ohne sie wäre das nicht möglich.“


Giovane, der Farmer

Giovane Elber (45) war Fußball-Nationalspieler und mit Bayern München Champions-League-Sieger. Dazu beliebt und geschätzt als der nette Junge von nebenan, der sich mit jedem gerne unterhält und bereitwillig über sein eigenes Leben plaudert. Mittlerweile arbeitet er wieder für den FC Bayern: im Nebenjob. Sein Hauptberuf aber ist Lebenskünstler.

Um das zu erkennen, reicht ein Blick auf seine Facebookseite. Giovane mit einer Maß auf dem Oktoberfest, mit Familie in Rom, vor einem guten Essen in Brasilien, mit Ehefrau Cintia beim Skifahren. Da lässt sich’s einer gutgehen. Vor kurzem, erzählt er, habe er seinen früheren Mitspieler Hasan Salihamidzic getroffen. Der ist seit kurzem Sportdirektor beim FC Bayern und von morgens sieben bis abends neun im Dauerstress. Und, was schlimmer ist, im Büro. „Das ist nichts für mich“, sagt Elber.

Internetanschluss auf der Farm

Er liebe es vielmehr, sich auf seine Rinderfarm zurückzuziehen. „Dann stehe ich um 5 Uhr auf, reite mit dem Pferd ein paar Stunden über die Farm.“ Die Ruhe könne er gut aushalten.

Weil er aber mittlerweile auch Botschafter des FCB ist, hat er auf seiner Farm doch einen Internetanschluss installieren müssen. „Aber“, meinte er, „den kann man auch ausschalten.“

Seine Frau begleitet ihn ab und zu

Als Botschafter ist er trotzdem viel unterwegs. Und das in der ganzen Welt. Der Unterschied zu Salihamidzic: Die Reisen seien alle gut geplant. Er müsse sich nur in den Flieger setzen und bei Ankunft freundlich lächeln.

Ganz so locker jedoch, erzählt seine Frau Cintia, sei das dann doch nicht. Sie begleitet ihn ab und zu. Vor allem, wenn er gleich für mehrere Wochen in Asien unterwegs ist. Die Reisen seien schon sehr straff organisiert.

Macht aber nichts. Giovane Elber weiß: Bin ich zurück, warten meine Farm, meine Rinder und mein Pferd.


Der Giovane-Elber-Verein

Der Giovane-Elber-Verein wurde 1994 in Winterbach gegründet. Elber spielte damals für den VfB Stuttgart und lebte in Winterbach.

Elber wurde Vorsitzender und ist es bis heute. Die Geschäfte aber führen sein Stellvertreter Richard Schrade und einige Vorstandsmitglieder.

Mittlerweile hat der Verein über zwei Millionen Euro gesammelt und hauptsächlich in Hilfsprojekte für Kinder in Elendsvierteln in Londrina, der Heimatstadt von Elber, investiert.

Seit 2008 gibt es auch eine Stiftung, deren Grundstock aktuell 500 000 Euro beträgt.

Der Verein vermittelt Paten für Kinder (200 sind es derzeit) zu 20 Euro im Monat und bietet in jedem Jahr eine Reise nach Brasilien an, während der auch das Hilfsprojekt besucht wird. Dazu findet am Donnerstag, 28. September, im Vereinsheim des VfL Winterbach ein Infoabend statt (19.30 Uhr).

Infos unter: www.giovane-elber-stiftung.de