Rems-Murr-Sport

Ohne das Ehrenamt läuft beim Badminton-Erstligisten SG Schorndorf nichts

Badminton
Die Badmintonabteilung der SG Schorndorf ist stolz darauf, dass so viele Ehrenamtliche kräftig anpacken. Der Spieler Marco Weese, Nadine Wahl (Spielerin und Sponsoring), Benjamin Wahl (Teamchef, Teammanager und Trainer) und Florian Winniger (Jugendwart/von links) sind ein Teil des Teams. © Ralph Steinemann Pressefoto

Das Ehrenamt wird oft belächelt. Dass jedoch selbst ein Bundesliga-Betrieb ohne den Einsatz vieler freiwilliger Helfer zusammenbrechen würde, zeigt das Beispiel der SG Schorndorf. Die erste Badmintonmannschaft spielt ihre zweite vollständige Bundesliga-Saison. Es gibt jede Menge Aufgaben zu erledigen vor und während der Saison – ein Blick hinter die Kulissen.

Man stelle sich vor: Drei Stunden vor einem Fußball-Bundesligaspiel ziehen die Kicker mit dem Kalkwagen die Linien nach, wuchten die Tore in die Bodenhülsen und fädeln die Netze ein. Für die Badminton-Bundesligaspieler der SG Schorndorf gehört körperliche Arbeit vor den Matches dazu – entweder am Abend vor dem Spieltag oder ein paar Stunden vor Spielbeginn.

Die Mannschaft baut selbst auf

„Die Mannschaft baut beispielsweise an Heimspieltagen selbst die Courts auf“, sagt der Teamchef, Teammanager und Spieler Benjamin Wahl. Ein Court wiegt 450 Kilogramm, zwei Spielfelder sind im Einsatz. Das heißt, die Spieler schleppen und wälzen insgesamt 900 Kilo durch die Karl-Wahl-Halle. „Das ist nicht eben die beste Spielvorbereitung und für den Spitzensport sicher außergewöhnlich“, so Wahl. Aufgestellt werden müssen zudem unter anderem Werbebanden und -banner, Stühle und die Schiedsrichter-Area.

Rund 20 bis 25 Helferinnen und Helfer sind an einem Heimspieltag im Einsatz. Der Jugendwart Florian Winniger kümmert sich um den Livestream. Seit der vergangenen Saison müssen die Heimteams die Übertragung auf sportdeutschland.de garantieren. Winniger installiert zwei Kameras und zwei Laptops. Je nach Lichtverhältnissen muss die Empfindlichkeit der Kamera während der Übertragung verändert werden.

Bedient werden muss außerdem der Liveticker mit der Spielstandanzeige, den Schiedsrichtern muss ein Tablet zur Verfügung gestellt, Kabel müssen verlegt und die Lautsprecherboxen aufgestellt werden. Seit neuestem ist die Karl-Wahl-Halle mit WLAN versorgt, was die Arbeit deutlich erleichtert.

Bei der Bewirtung helfen alle mit

Ganz wichtig an den Heimspielen ist die Bewirtung. Die erfolgt im rollierenden System. Im Einsatz sind immer andere Mannschaften, die aktiven von der zweiten bis fünften Mannschaft, doch auch die Jugend- und Hobbymannschaften werden eingeteilt. Sichergestellt werden muss, dass ausreichend Kuchenspenden zum Verkauf stehen.

Auch abseits der Spieltage muss die Badminton-Abteilung der SG Schorndorf allerlei Aufgaben erledigen. So übernimmt David Kramer, Spieler des Bundesligateams, die Aufgabe des Kassenwarts. „In der Hochzeit kommt er auf bis zu 80 Buchungen im Monat“, sagt Benjamin Wahl. Es kommt einiges zusammen beim internationalen Kader, unter anderem müssen die Flüge zu den Spielen gebucht werden.

Ulrich Kolb kümmert sich seit Jahren um die Pressearbeit, schreibt Spielberichte, fotografiert und arbeitet fürs Saisonheft. Zudem betreut er die Schiedsrichter. Der Sportwart Georg Stefancic stimmt den Spielbetrieb der Bundesliga mit den anderen Mannschaften ab, ist für die Einsatz- und Hallenpläne verantwortlich. Um den Social-Media-Bereich und die Website kümmern sich Jennifer Löwenstein und Melina Wild, Spielerinnen der zweiten Mannschaft.

Training wird selbst organisiert

Auch das Training organisiert die SG Schorndorf selbst. „Wir haben keinen Trainer, der von außen kommt“, sagt Nadine Wahl. Jeder müsse eine gewisse Eigendynamik und -initiative mitbringen, damit das Training funktioniere.

„Jede Spielerin und jeder Spieler muss seinen Teil dazu beitragen, dass der Betrieb läuft“, sagt der Spieler und Gerätewart Marco Weese. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir das alles alleine hinbekommen und nicht wie andere Vereine ein Aufbauteam und Leute beschäftigen, die zum Beispiel die Flüge buchen für die Spieler.“

Wichtig sei, dass die erste und zweite Mannschaft sehr eng verzahnt seien, so Benjamin Wahl. Der Übergang sei nahtlos. „Die zweite Mannschaft ist immer da, wenn das Bundesligateam spielt.“ Die „Zweite“ sei früher der Kern der ersten Mannschaft gewesen. „In der ersten Liga haben wir mehr internationale Spieler im Kader, da haben nicht mehr alle Platz.“ Der Plan sei, mit der Reserve in die zweite Liga aufzusteigen, „damit wir ein hochklassiges Back-up haben“.

Ein Stück vorankommen möchte die Abteilung auch, was die Professionalität betrifft. Seit ein paar Monaten bekommt das Management-Team Benjamin Wahl und Nadine Wahl, die sich ums Sponsoring kümmert, eine kleine Aufwandsentschädigung für ihre mannigfaltige Arbeit. „Wir haben diskutiert, was wir tun müssen, um langfristig erfolgreich zu sein“, sagt Benjamin Wahl. Erstmals beschäftigt die SG mit Frieder Tausch einen FSJler, der zur Hälfte für den Hauptverein und die Badmintonabteilung arbeitet. Das sei ein erster Schritt, ein bisschen professioneller zu werden und Strukturen zu schaffen, so Wahl. „Wir brauchen eine gesunde Mischung – und natürlich weiterhin das Ehrenamt.“

Das Ehrenamt wird oft belächelt. Dass jedoch selbst ein Bundesliga-Betrieb ohne den Einsatz vieler freiwilliger Helfer zusammenbrechen würde, zeigt das Beispiel der SG Schorndorf. Die erste Badmintonmannschaft spielt ihre zweite vollständige Bundesliga-Saison. Es gibt jede Menge Aufgaben zu erledigen vor und während der Saison – ein Blick hinter die Kulissen.

Man stelle sich vor: Drei Stunden vor einem Fußball-Bundesligaspiel ziehen die Kicker mit dem Kalkwagen die Linien nach,

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