Rems-Murr-Sport

Ski-Star Andrea Rothfuss aus Kernen nutzt WM als Generalprobe für Paralympics

World Para Snow Sports Championships 2022 / Lillehammer (Norway)ROTHFUSS, ANDREA (LW 6/8-2, VSG Mitteltal)
Andrea Rothfuss will bei der Para-WM unter die besten fünf kommen. Es darf aber auch gerne ein Treppchenplatz sein. © Ralf Kuckuck

Ski-Rennläuferin Andrea Rothfuss hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Sie wurde Paralympics- und Weltcupsiegerin sowie Weltmeisterin. Hinzu kam ein Sack voller Silber- und Bronzemedaillen. Im März 2022 wird die 32-Jährige aus Rommelshausen zu ihren fünften und wohl letzten Paralympics antreten. Schon an diesem Donnerstag, 13. Januar, startet sie bei der WM im norwegischen Lillehammer in die heiße Phase der Vorbereitung.

„Der Ehrgeiz ist immer noch da, am Start bin ich nach wie vor nervös“, sagt Rothfuss. „Es ist mir echt noch wichtig, meine beste Performance abzuliefern.“ Diese Einstellung war seit jeher der Schlüssel zum Erfolg. Einfach mitzufahren, ist der hochsympathischen Ski-Rennläuferin, der von Geburt an die linke Hand fehlt, zu wenig.

Es gilt, der Konkurrenz ein Schnippchen zu schlagen. Die ist inzwischen zum Teil zwar deutlich jünger. Doch Rothfuss, 2014 in Sotschi Paralympics-Siegerin im Slalom geworden, hat die Erfahrung, jede Schwäche der anderen auszunutzen.

Auch eine Verletzung stoppt die 32-Jährige nicht

Was die Rommelshäuserin sagt, klingt schon mal ausgezeichnet: „So viel Spaß wie in diesem Jahr hatte ich schon lange nicht mehr.“ Offensichtlich hat sie die beiden schwierigen Vorjahre gut weggesteckt.

2020 war Andrea Rothfuss in einem ungewohnten Formtief gewesen, im Winter 2021 fielen coronabedingt fast alle Wettbewerbe aus. Doch die Weltklassesportlerin ließ sich auch von einer Verletzung im Juli 2021, dem Riss der Außenbänder im linken Fuß, nicht von ihrem Vorhaben abbringen, es noch mal allen zu zeigen – inklusive sich selbst. „Ich konnte den Zeitplan fürs Skifahren einhalten und bin jetzt schmerzfrei.“

Paralympics-Qualifikation erleichtert Saison

Die gute Laune hat weitere Gründe. Gleich im ersten Wettkampf der Saison qualifizierte sich Andrea Rothfuss für die Paralympics 2022 in Peking. „Das hat das Herz schon mal ein bisschen leichter gemacht.“ Ebenfalls positiv ist, dass die Saison, abgesehen von einem wegen der Pandemie abgesagten Europacup-Rennen, in Österreich bislang wie geplant stattfindet.

Natürlich sei es ein immenser Aufwand, die Corona-Auflagen zu erfüllen, sagt Rothfuss. Vor jedem Trainingslager und vor allen Wettkämpfen ist beispielsweise ein PCR-Test fällig. Doch dafür hat die 32-Jährige Verständnis.

Denn wie gefährlich Corona ist, hat sie in der eigenen Familie erlebt. „Meinen Vater hat es im Herbst 2020 recht schlimm erwischt.“ Deshalb sei es für sie auch keine Frage gewesen, „dass ich mich impfen lasse, sobald der Impfstoff zur Verfügung steht“.

Verzicht auf die Weltcups nach der WM

Die Planung des deutschen Ski-Teams ist ganz auf die Paralympics vom 4. bis 13. März in Peking ausgerichtet. Deshalb wird auch Rothfuss, hauptberuflich beim Zoll beschäftigt und ausgebildete Sport- und Fitnesskauffrau, auf die Weltcup-Rennen nach der WM verzichten.

Bislang fanden zwei Weltcups statt, „da gab es bei mir Licht und Schatten“. In Österreich belegte die Ski-Rennläuferin die Plätze vier, sechs und sieben. In der Schweiz schied Rothfuss einmal aus und wurde außerdem Vierte, Fünfte und zweimal Sechste.

In den vergangenen Jahren ist die Konkurrenz in der Kategorie Frauen stehend deutlich stärker geworden. Vor allem Kanada stellt herausragende Ski-Rennläuferinnen. Kämpfen muss die Deutsche aber auch gegen ihre langjährige Kontrahentin Marie Bochet aus Frankreich. „Sie ist bislang wieder etwas besser als ich“, sagt Andrea Rothfuss.

Zumindest eine kleine Chance auf eine WM-Medaille

Dennoch rechnet sich die geborene Freudenstädterin, die für die VSG Mitteltal startet, bei der WM zumindest eine kleine Chance auf eine Medaille aus. Starten wird Andrea Rothfuss in Norwegen in allen fünf Disziplinen: Abfahrt, Super-Kombination, Super-G, Riesenslalom und Slalom. Vorgenommen hat sie sich Platzierungen unter den besten fünf.

Die gleiche Zielsetzung gilt für die Paralympics. Natürlich würde Rothfuss auch diesmal gerne wieder Edelmetall einheimsen. Logisch: Bei ihren ersten vier Spielen sprangen insgesamt einmal Gold, neunmal Silber und dreimal Bronze heraus.

Sorgen, dass die Paralympics in Peking kurzfristig abgesagt werden, macht sich Rothfuss keine. „Ich glaube, dass China Himmel und Hölle in Bewegung setzen wird, um das Prestigeprojekt durchzuführen.“

München wäre für Rothfuss bessere Wahl gewesen

Für die Vergabe der Spiele hatte sich das Komitee reichlich Kritik eingehandelt. Auch Rothfuss ist vom Austragungsort nicht begeistert: „China ist kein traditionelles Wintersportland. Als Athletin hat mir ein bisschen das Herz geblutet, weil München sich ja auch beworben hatte.“

Allerdings werden die Paralympics ohne Zuschauer aus aller Welt stattfinden. Richtig Stimmung wäre also auch an einem anderen Ort nicht aufgekommen. „Also, was soll’s.“ Landet Rothfuss überraschend doch auf dem Treppchen, wird der Austragungsort nur noch Nebensache sein.

Ski-Rennläuferin Andrea Rothfuss hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Sie wurde Paralympics- und Weltcupsiegerin sowie Weltmeisterin. Hinzu kam ein Sack voller Silber- und Bronzemedaillen. Im März 2022 wird die 32-Jährige aus Rommelshausen zu ihren fünften und wohl letzten Paralympics antreten. Schon an diesem Donnerstag, 13. Januar, startet sie bei der WM im norwegischen Lillehammer in die heiße Phase der Vorbereitung.

„Der Ehrgeiz ist immer noch da, am Start bin ich nach wie

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