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Ärger um Wolfhunde: Sie müssen wieder zum Züchter

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Kathrin Schühle mit Wolfhund Molli. Die Hündin ist aufgeweckt und zutraulich. Suri, der andere Wolfhund, ist ängstlicher und hält sich lieber im Hintergrund. Im Dezember werden die beiden zwei Jahre alt. © Tom / Tagespost

Lorch-Waldhausen. „Wir geben Suri und Molli an die Züchterin ab.“ Das sagen Michael Reinert und Kathrin Schühle, Besitzer der Wolfhunde in Waldhausen. Beide betonen, dass die Abgabe der Hunde freiwillig ist. „Bevor sie beschlagnahmt werden und ins Tierheim kommen, wollten wir selbst bestimmen, was mit ihnen passiert.“

Susanne Martin vom Lorcher Ordnungsamt bestätigt das. „Ich habe ein Gespräch mit der Familie und der Hundetrainerin geführt. Für uns ist es eine schöne Lösung, dass die Familie die Hunde freiwillig abgibt. Sonst hätten wir sie beschlagnahmen müssen“, sagt Martin. „In drei bis vier Wochen bringen wir die Hunde der Züchterin. Sie ist momentan noch im Urlaub“, sagt Reinert.

Erst ein Kaninchen gerissen, dann einen Hund gebissen

Rückblick: Die Waldhäuser Familie hat sich vor mehr als einem Jahr Wolfhunde angeschafft. Suri und Molli haben bei einem Ausbruch Kaninchen gerissen und einen Australian Sheperd beim Gassigehen so gebissen, dass dieser vom Tierarzt versorgt werden musste. Suri und Molli kamen daraufhin für drei Monate zur Züchterin. Die Familie besserte in dieser Zeit am heimischen Grundstück nach, installierte einen Stromzaun, einen Übersprungschutz und einen Sichtschutz. So sollte kein Entweichen der Hunde mehr möglich sein. Von der Stadt gab’s Auflagen, etwa eine Maulkorb- und Leinenpflicht und die geregelte Zusammenarbeit mit einer Hundetrainerin. „Eigentlich lief alles gut“, sagt Schühle. Die Hunde hätten Fortschritte gemacht, würden besser hören.

Doch dann, vergangenen Sonntag, der Rückschlag: Die Familie hat Besuch. Ein Gast will kurz ins Auto, dort etwas holen. „Er hat die Türe angelehnt gelassen, und Suri und Molli sind raus“, erzählt Reinert. „Nach einer Stunde haben wir sie im Wald gefunden. Schaden haben sie keinen angerichtet“, sagt der Halter.

Für die Hundebesitzer ist deshalb seit diesem Sonntag klar: „Wir können nicht garantieren, dass sie nicht mehr ausbüxen.“

Auf Facebook wurden die Besitzer immer wieder beschimpft

Bei jedem Ausbruch der Hunde wurden die Halter auf Facebook beschimpft, die Stimmung kochte dort über. Die Aufregung der Bewohner Waldhausens habe die Familie an ihre Grenzen gebracht, vor allem psychisch: „Die Hetzerei gegen uns, gegen unsere Kinder hat uns fertiggemacht.“

Das Schlimmste aus Sicht der Familie: „Wir wurden nur auf Facebook angegangen. Keiner kam zu uns, um persönlich mit uns zu sprechen“, sagt der Besitzer. „Die, die nicht mit uns gesprochen haben, haben für Panik gesorgt.“ Aber: „Wir wollen uns bei allen entschuldigen, die Angst vor unseren Hunden hatten“, betont Schühle. „Es war eine schwere Entscheidung für uns. Wir haben Suri und Molli ins Herz geschlossen“, sagt Schühle und bedankt sich beim Lorcher Ordnungsamt, das immer fair mit ihnen umgegangen sei.

Einen Hund will sich die Familie nun nicht mehr anschaffen.

Wolfhunde haben ihren Ursprung in Kreuzungen von Deutschen Schäferhunden mit Wölfen. Für Laien sieht das Tier dem Wolf zum Verwechseln ähnlich.

Die Hunde sind im Gegensatz zum Wolf keine Einzelgänger und besitzen dem Menschen gegenüber keinen natürlichen Angriffstrieb. Allerdings verfügen sie über einen natürlichen, schwer zu bändigenden Jagdinstinkt.