Stuttgart & Region

Autofreies Stuttgart – Wie beim „Parking Day“ aus Parkplätzen Begegnungszonen werden

Parking Day Stuttgart 2019
Impressionen vom Parking Day aus dem Jahr 2019. © 2020 Parkingday-Stuttgart

Neu ist er nicht, der Parking Day in Stuttgart. Dennoch dürfte sich der ein oder andere Autofahrer, der die Aktion nicht kennt, am kommenden Freitag (18.09.) über den Anblick der gesperrten Parkplätze wundern. Was hat es damit auf sich?

Beim Parking Day werden öffentliche Parkplätze für einen Tag angemietet und zu Begegnungsflächen umgestaltet. Mitmachen kann bei der Aktion jeder. Auf der offiziellen Seite zum Parking Day gibt es ein Formular, das Interessierte ausfüllen und an die Landeshauptstadt Stuttgart versenden müssen. Wichtig ist, dass der Antrag mindestens fünf Tage vor der Versammlung bei der Stadt eingeht, damit diese den Wunsch-Parkplatz dafür sperren bzw. mit einem Parkverbotsschild versehen kann.

Wem gehört eigentlich der öffentliche Raum?

Eine der Mitinitiatorinnen des Stuttgarter Parking Days ist Hanka Griebow. Sie hatte von der Aktion, die es zuvor auch in anderen Städten gab, über Freunde und Medien erfahren. 2012 holte sie den Parking Day mit Freunden nach Stuttgart. Ihr Ziel ist es, eine Diskussion darüber anzuregen, wem der öffentliche Raum eigentlich gehört.

Parking Day Stuttgart 2019
Impressionen vom Parking Day aus dem Jahr 2019. © 2020 Parkingday-Stuttgart


Der gegenwärtige Zustand der Straßen in der Stadt sei nicht nur für sie erdrückend. „Mit einer Selbstverständlichkeit dürfen PKW-BesitzerInnen ihren Privatgegenstand für 30 Euro im Jahr auf 10-12 Quadratmeter öffentlichen Raum abstellen“, sagt Hanke Griebow. Besonders für Familien mit Kindern sei es schwierig, vor die Türe zu treten, ohne auf die Autos achten zu müssen.

Im Gegensatz dazu gebe es laut Griebow wenige Grünflächen und Begegnungszonen, wie etwa Bänke oder ähnliches, auf denen Fußgängerinnen und Fußgänger pausieren, oder sich mit der Nachbarschaft austauschen können. Soziales Leben finde nicht (mehr) auf der Straße vor der Haustür statt, Kinder seien eingeschränkt und blieben auf der Strecke. Das Gleiche gelte für den Einzelhandel und die kleinteilige Struktur eines Viertels.

Braucht man in Stuttgart überhaupt ein Auto?

Mit dem Parking day möchte Griebow die „blecherne Mauer“ unterbrechen und wieder Leben auf Stuttgarts Straßen einkehren lassen.

Im Stuttgarter Westen habe laut Griebow zum Beispiel nur etwa ein Drittel der Anwohnerinnen und Anwohner ein Auto. Diese Minderheit besetze aber den gesamten Straßenrand, ohne das Gemeinwohl zu fördern. Dabei stehe das Auto im Schnitt 23 Stunden am Tag. Braucht man denn überhaupt ein eigenes Auto in der Stuttgarter Innenstadt?

Vielen sei nicht bewusst, dass die Straßen einmal anders aussahen und genutzt wurden, sagt Griebow. Jeder könne aktiv an einem Umdenken – auch in der Politik – mitwirken.

Wie reagieren Autofahrer auf den Parking Day?

Und die Autofahrer? Ärgern die sich über die Aktion? Wenn es Ärger von Autofahrer gibt, dann ausschließlich über Social Media und meist anonymisiert, sagt Hanka Griebow. Vor Ort gebe es kaum bis keinen Ärger. Wie auch? Die Autofahrerinnen und Autofahrer würden nur vorbeifahren. Die Geschwindigkeit erlaube es nicht, in der Kürze der Wahrnehmung zu erfassen, um was es gehe, erklärt Griebow. Außerdem erlaube es die Größe der „völlig unpraktischen“ Fahrzeug nicht, flexibel zu reagieren bzw. zu agieren und kurz anzuhalten.

Der Parking Day findet international jährlich am dritten Freitag im September statt. Ursprünglich stammt die Idee von Künstlern aus San Francisco. In Deutschland beteiligen sich am Parking Day, neben Stuttgart, unter anderem auch Esslingen, Mannheim, Karlsruhe, Hamburg, Leipzig, München und Berlin an der Aktion.