Stuttgart & Region

Bombendrohung bei Völkermord-Gedenken

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Polizei-Großeinsatz in Bad Cannstatt. © ZVW/Laura Steinke
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Bedrohungslage während Gedenkfeier: Polizei evakuiert Lutherkirche © www.7aktuell.de |
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Bedrohungslage während Gedenkfeier: Polizei evakuiert Lutherkirche © www.7aktuell.de |
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Bedrohungslage während Gedenkfeier: Polizei evakuiert Lutherkirche © www.7aktuell.de |
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Bedrohungslage während Gedenkfeier: Polizei evakuiert Lutherkirche © www.7aktuell.de |
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Bedrohungslage während Gedenkfeier: Polizei evakuiert Lutherkirche © www.7aktuell.de |
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Bedrohungslage während Gedenkfeier: Polizei evakuiert Lutherkirche © www.7aktuell.de |
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Polizei-Großeinsatz in Bad Cannstatt. © ZVW/Laura Steinke
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Polizei-Großeinsatz in Bad Cannstatt. © ZVW/Laura Steinke
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Der Flyer zur Gedenkveranstaltung. © ZVW/Laura Steinke
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Innentext des Flyers zur Gedenkveranstaltung: Willi Halder, Grünen-Landtagsabgeordneter aus Winnenden, sollte ein Grußwort sprechen. © ZVW/Laura Steinke

Stuttgart-Bad Cannstatt.
Wegen einer anonymen Drohung gegen eine Gedenkveranstaltung zum Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich kam es an diesem Mittwochabend (24.04.2019) gegen 19 Uhr zu einem großen Polizeieinsatz in und um die Lutherkirche in Bad Cannstatt.

"Wir haben kurz vor der Veranstaltung von der Polizei den Hinweis bekommen, wir sollten die Kirche verlassen, weil eine Warnung vor einem Bombenanschlag eingegangen sei", sagte der Gemeindepfarrer Dr. Diradur Sardaryan unserer Zeitung. Zu dieser Zeit, gegen 19 Uhr, seien bereits Gemeindemitglieder und Gäste in der Kirche gewesen. Weitere Gäste, die zur Gedenkveranstaltung kommen wollten, wurden nicht mehr in die Nähe gelassen. Die bereits in der Kirche Befindlichen wurden in Sicherheit gebracht, laut offizieller Mitteilung der Polizei etwa 60 an der Zahl. Die Kirche wurde evakuiert. 

Großräumige Sperrung

Die Polizei, mit rund 40 Kräften im Einsatz, sperrte großräumig ab und sprach offiziell von einer "Bedrohungslage" und nicht explizit von einer "Bombendrohung". Dann hieß es abwarten. Gegen 20.40 Uhr löste die Polizei die großräumige Sperrung, in die Kirche durfte man von da an aber nicht mehr. Bis in den späten Abend hinein suchten Spezialeinheitskräfte mit Hunden das Gebäude und das Kirchenareal ab. Die Ermittlungen zu Hintergründen beziehungsweise zum anonymen Hinweisgeber dauern an.

Nach Aussagen des Winnender Landtagsabgeordneten Willi Halder, der ein Grußwort sprechen sollte und gegen 21.10 Uhr bereits wieder auf dem Heimweg war, wurde die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen kurzfristig abgesagt. Der Gemeindepfarrer Sardaryan habe kurz nach 19 Uhr durchs Mikrofon alle bereits Anwesenden gebeten, aufzustehen und langsam und ohne Panik das Gotteshaus zu verlassen. "Da wussten wir schon ziemlich sicher, um was es gehen könnte, wenn es heißt 'ohne Panik'. Das kenne ich schon von anderen Veranstaltungen."

Ansprache auf dem Polizeirevier

"Draußen sahen wir zunächst herkömmliche Streifenpolizisten, wenig später kamen Spezialkräfte mit Maschinenpistolen dazu und Kräfte der Hundestaffel. Die haben angefangen, die Kirche zu durchsuchen", sagte Halder. "Dann wurde ja auch noch das Wetter schlechter. So bat man vielen Gästen an, sich im nahen Cannstatter Polizeiposten 'unterzustellen' und zu warten."

Dort habe Pfarrer Sardaryan noch eine dem traurigen Gedenkanlass würdige Ansprache gehalten, so Halder. Später geleiteten Polizisten die Gäste zu ihren geparkten Autos.

"Man kann nur spekulieren über die Hintergründe", sagte Halder. War es ein zynischer Trittbrettfahrer, der sich von den Anschlägen in Sri Lanka beeinflussen hat lassen? Ein Dummkopf, der sich einen wirklich schlechten und verachtungswürdigen Scherz erlaubt hat? Oder waren es türkischen Nationalisten, die den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich immer noch leugnen? "Die Polizei wird das zu ermitteln haben", so Halder.

Die armenische Gemeinde Baden-Württemberg hat ihre "Heimatkirche" in Göppingen-Bartenbach, nutzt bei Veranstaltungen in Stuttgart jedoch regelmäßig die evangelische Lutherkirche in Cannstatt.