Stuttgart & Region

Corona-Teststation für Reiserückkehrer am Stuttgarter Hauptbahnhof nimmt Betrieb auf

Stuttgart Hauptbahnhof_0
Der Turm des Stuttgarter Hauptbahnhofs. © ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Das Land Baden-Württemberg weitet sein Angebot für Testmöglichkeiten auf das Coronavirus aus. Ab Donnerstag (13.08.) können sich Reiserückkehrer an einer Teststation am Stuttgarter Bahnhof testen lassen. Das teilt das Land in einer aktuellen Pressemitteilung auf seiner Homepage mit. Ab Freitag (14.08.) wird es außerdem an der A5, Autobahn-Raststätte Neuenburg-Ost, eine Teststation für Reiserückkehrer geben.

Die Teststation am Stuttgarter Hauptbahnhof befindet sich neben dem Bahnhofs-Gebäude im Schlossgarten (in unmittelbarer Nähe des dortigen Biergartens). Hinweisschilder führen von den Gleisen direkt zur Teststation. Die Teststation wird täglich von 9 Uhr bis 1 Uhr betrieben.

Die Teststation an der Autobahn-Raststätte Neuenburg-Ost wird täglich von 6 Uhr bis 22 Uhr betrieben.

Beide Teststationen seien so konzipiert, dass sie – je nach Bedarf - auch kurzfristig ausgebaut werden können.  

Für Einreisende aus Risikogebieten ist der Test Pflicht

„Wer aus einem Risikogebiet in Stuttgart ankommt oder umsteigt, kann und sollte sich testen lassen“, sagt Verkehrsminister Winfried Hermann und hofft, dass möglichst viele Fahrgäste die Gelegenheit nutzen werden und appelliert an die Bevölkerung, mitzumachen.

Die Teststationen seien ein weiterer wichtiger Baustein in der Strategie, um Infektionszahlen über den Sommer möglichst gering zu halten und einen weiteren Lockdown zu verhindern.

Auch Florian Stegmann, Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei, ruft die Bevölkerung dazu auf, das Angebot in Anspruch zu nehmen. Für Einreisende aus Risikogebieten sei der Test jedoch verpflichtend.

Tests an Corona-Abstrichzentren und beim Hausarzt weiterhin möglich

Gesundheitsminister Manne Lucha weist darauf hin, dass die Verantwortung für die Testpflicht bei den Bürgerinnen und Bürgen liege, nicht bei dem Staat. Dabei stelle die Teststationen lediglich ein zusätzliches Angebot dar, um sich schnell und relativ unkompliziert nach der Rückkehr testen zu lassen. Bürgerinnen und Bürger hätten weiterhin die Möglichkeit, innerhalb von 72 Stunden einen Test entweder in den Corona-Abstrichzentren und Corona-Schwerpunktpraxen oder direkt beim Hausarzt durchführen zu lassen.

 Für Gesundheitsminister Manne Lucha gleicht der Kampf gegen das Coronavirus in diesen Tagen einem «Ritt auf der Rasierklinge». Immer mehr Menschen bringen die Corona-Krankheit aus dem Urlaub mit in die baden-württembergische Heimat. Die Zahl der Infektionen steigt und es muss mehr getestet werden, aber das Verständnis für die Auflagen nimmt nach Wahrnehmung der Landesregierung auch im Südwesten ab. Hektisch werden nun Teststationen für die Reisenden errichtet.

Nicht zuletzt auch wegen einer schweren Testpanne in Bayern warnt Lucha Politiker und Beamte aber auch davor, zu viel zu versprechen, wenn es um Tests, Ergebnisse und Vorsorge geht. Als Teil der Verantwortungsgemeinschaft seien die Menschen selbst verpflichtet, sich an die Auflagen zu halten, sagte der Grünen-Politiker.

Wichtigste Maßnahme bleibt die Einhaltung der Hygieneregeln

Dr. Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg erklärt, dass die Testmöglichkeiten für Reiserückkehrer eine wichtige Maßnahme bei der Bekämpfung der Pandemie sei. Der wichtigste Baustein bleibe jedoch die Einhaltung der Hygieneregeln und insbesondere das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen. „Freiheit endet dort, wo sie die Freiheit des Anderen einschränkt und gefährdet“, sagt Metke.

Bereits seit dem vergangenen Wochenende gibt es Teststationen an den Flughäfen Stuttgart, Karlsruhe und Friedrichshafen, an denen Reiserückkehrer einen Coronatest durchführen lassen können.

Schärfere Maßnahmen und hohe Bußgelder im Kampf gegen die Pandemie

Die Gesundheitsbehörden sind besorgt, weil die Infektionszahlen wieder steigen: Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus Infizierten seit Beginn der Seuche ist in Baden-Württemberg bereits auf mindestens 38 165 gestiegen. Das sind 187 mehr als am Vortag, wie das Gesundheitsministerium am Mittwochabend mitteilte.

Die Lenkungsgruppe der Landesregierung hat deshalb schärfere Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie beschlossen. Wer in Bussen und Bahnen keine Maske trägt und dabei erwischt wird, muss künftig mindestens 100 Euro Bußgeld zahlen. Zuvor lag die Untergrenze bei 25 Euro. Die Obergrenze für Maskenverweigerer bleibt bei 250 Euro.

Akzeptanz zur Maskenpflicht nimmt mit zunehmender Dauer ab 

Grund für die Verschärfung sei die «zunehmende und bisweilen mutwillige Disziplinlosigkeit beim Befolgen der Maskenpflicht im ÖPNV», teilte das Staatsministerium mit. Deshalb zieht auch die Polizei die Zügel an und kontrolliert seit Donnerstag an wechselnden Schwerpunkten im Land, zunächst in den Kreisen Ostalb, Rems-Murr und Schwäbisch Hall. Mit zunehmender Dauer der Maskenpflicht nehme die Akzeptanz ab, begründete Innenminister Thomas Strobl (CDU) die Aktion.

Die Einrichtung der neuen Teststationen im Land war nötig, weil sich Urlauber aus Corona-Risikogebieten - zur Zeit etwa Serbien, Luxemburg oder die USA - seit Samstag bei der Rückkehr nach Deutschland auf das Virus testen lassen müssen. Mehrere Tausend Reiserückkehrer wurden bereits in den ersten Tagen untersucht. Reisende, die nicht aus einem Risikogebiet zurückkehren, können sich kostenlos ebenfalls testen lassen.

Testergebnis könne bis zu vier Tage dauern

Allerdings müssen sie sich in Geduld üben, bis ein Ergebnis des Tests vorliegt: «Ziel ist es natürlich immer, die Betroffenen so schnell wie möglich zu informieren», sagte Eva Frien von der Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg. Möglichst solle dies innerhalb von 48 Stunden geschehen. «Doch dies können wir nicht immer garantieren», sagte Frien. Die KV ist für das Testkonzept an den Flughäfen zuständig. Nach Angaben Luchas kann es wegen der hohen Inanspruchnahme der Testkapazitäten derzeit sogar bis zu vier Tage dauern, bis ein Ergebnis vorliegt.

Für Aufsehen sorgte am Donnerstag auch eine schwere Testpanne in Bayern. Wegen des verspäteten Versendens von Testergebnissen wussten bis Mittwochabend 900 bei der Rückkehr aus dem Auslandsurlaub positiv getestete Bürger aus mutmaßlich mehreren Bundesländern nichts von ihren Infektionen und konnten dementsprechend andere Menschen anstecken. Insgesamt warteten 44 000 Reiserückkehrer nach freiwilligen Tests an Autobahnraststätten und Hauptbahnhöfen auf Ergebnisse. Bayern war mit der Ankündigung der Teststationen an Autobahnen bundesweit vorgeprescht.

Das Gesetz zur Testpflicht für Reiserückkehrer sei mit heißer Nadel gestrickt, sagte Lucha dazu. «Es ist unmöglich, von heute auf morgen Testzentren aus dem Boden zu stampfen, hier müssen wir einfach mit Augenmaß vorgehen und uns nicht treiben lassen», forderte der Gesundheitsminister. «Wir dürfen keine Versprechen ins Schaufenster stellen, die wir nicht einhalten können.»