Stuttgart & Region

Der Riesenwels vom Max-Eyth-See

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Dieser zwei Meter lange Wels wurde am 23.06 aus dem Max-Eyth-See in Stuttgart-Hofen gefischt. © Christine Tantschinez
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Dieser zwei Meter lange Wels wurde am 23.06 aus dem Max-Eyth-See in Stuttgart-Hofen gefischt. © Christine Tantschinez
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Dieser zwei Meter lange Wels wurde am 23.06 aus dem Max-Eyth-See in Stuttgart-Hofen gefischt. © Christine Tantschinez
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Dieser zwei Meter lange Wels wurde am 23.06 aus dem Max-Eyth-See in Stuttgart-Hofen gefischt. © Christine Tantschinez
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Dieser 2 Meter lange Wels wurde am 23.06 aus dem Max-Eyth-See in Stuttgart-Hofen gefischt.
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Ein Riesenmaul, in das viel hinein passt

Stuttgart-Hofen. Das war mal ein dicker Fisch! Ganz ohne Seemannsgarn und Anglerlatein hievten zwei Mann am vergangenen Freitag einen rund zwei Meter großen Wels aus dem Max-Eyth-See. Augenzeugen staunten nicht schlecht, als das Monster in voller Länge, mit gigantischem Maul und leicht traurigen Knopfaugen, am Ufer lag. 

Der Europäische Wels, auch Waller oder Schaidfisch genannt, kann ziemlich groß werden, weiß das Online-Nachschlagewerk Wikipedia. Ein bis anderthalb Meter Körperlänge sind durchaus normal. Doch da die Tiere Zeit ihres Lebens wachsen, können sie noch einiges zulegen. Bis zu drei Metern Körperlänge sollen keine Seltenheit sein, mit stolzen 150 Kilo auf der Waage. Berichte über 300 Kilogramm schwere und knapp fünf Meter große Fische aus der Ukraine oder einem 375 Kilogramm-Monster, das 1731 in der Oder gefangen wurde, machen auch gerne die Runde. Leider ohne endgültige Beweise, ob es sich nicht doch um Fehlübersetzungen aus dem Anglerlatein handelt. 

Für diesen Wels allerdings gibt es klare Beweise, gesichert auf dem Smartphone eines Passanten. Ein Monsterfisch im Max-Eyth-See? Hans-Herman Schock, erster Vorsitzender des Württembergischen Anglervereins, sitzt gleich in der Nähe vom beliebten Stuttgarter See und gibt Auskunft. "Diese Größe ist gar nicht so selten für einen Wels. Der See verträgt davon nicht allzuviele, weil je größer der Raubfisch, desto dominanter ist er ja, dann gibt es Streit. Aber einen pro Jahr finden wir hier schon."

"Sie könnten zusehen, wie der Chihuahua im Wasser verschwindet"

Zwei Meter große Raubfische im beliebten See, umgeben von Familien mit Kindern, bevölkert von Tretbooten und Segelschiffchen, das klingt gruselig. Ähm, was vertilgt so ein Riesenvieh eigentlich? 

"Tiere. Ratten. Hauptsächlich Ratten, also Bisamratten, die im Wasser schwimmen. Ab und zu mal einen anderen Fisch. Oder auch mal eine leckere Ente, wenn´s klappt". Und so ein strammer Menschenfuß? "Wenn Sie beim Baden dem Wels  auf den Kopf treten würden, dann schnappt der schon mal nach dem Störenfried. Aber einen Menschen einfach so angreifen, nein, niemals, das sind Horrormärchen" ist sich Schock sicher.

Aber was ist mit kleinen Hunden? "Na, wenn so ein Chihuahua jetzt im See schwimmen würde, dann könnten Sie sicher zusehen, wie der plötzlich im Wasser verschwindet". Alles, was der Wels größenmäßig überwältigen kann, ist eben potentielle Beute. Ob Bisamratte oder Bichon Frise. Normalerweise liegt der Fisch gerne am Grund des Sees. Seine Beute aber jagt er gerne an der Wasseroberfläche

Dieser Wels hier ist allerdings keine Gefahr mehr. Das breite Maul vermittelt eine leise Ahnung, zu was dieser Riesenbrocken fähig war. Bis er am Freitag vergangener Woche tot am Seglersteg geborgen wurde. Weil keiner wusste, wie lange er schon tot im Wasser lag, konnte man ihn auch nicht zu schmackhaften Wallerfilet verarbeiten. Das städtische Tiefbauamt der Stadt Stuttgart, das für die Gewässer zuständig ist, musste ihn entsorgen. 

Zumindest ein schöner Tod

Aber, an was starb der Monster-Wels denn eigentlich, wenn er nicht geangelt wurde? 

Der Bereich, in dem der Fisch geborgen wurde, ist eine bekannte Laichstelle. Gerade jetzt, von Mai bis Juni, gerne auch etwas länger, ist Laichzeit bei Welsen, und der Fisch war groß und daher auch schon etwas älter. Hans-Hermann Schock fasst es schwäbisch direkt zusammen: "Ich sag`s, wie es ist: Der alte Wels hat beim Bumsen einen Herzinfarkt bekommen". Das alte Männchen oder auch Weibchen, so genau ist das von außen nicht zu bestimmen, hat schlicht seine letzte Laich erlebt.

Es gibt für einen Fisch wahrlich schlimmere Arten zu sterben.