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Einwohnerzahl Stuttgarts sinkt auch im 2. Corona-Pandemiejahr – warum?

Stuttgart Blick vom Monte scherebelino auf die Innenstadt symbol symbolbild symbolfoto
Blick auf die Innenstadt. © Danny Galm

Nach Jahren des stetigen Bevölkerungs-Wachstums hat die Corona-Pandemie 2020 in Stuttgart für eine Überraschung gesorgt. Zum ersten Mal seit elf Jahren war nach Angaben der Pressestelle der Stadt Stuttgart ein Rückgang bei der Bevölkerungszahl zu beobachten. Die Einwohnerzahl sank im ersten Pandemie-Jahr (2020) um 6.339 Personen.

Dieser Trend setzte sich auch im zweiten Pandemie-Jahr fort. 2021 sank die Zahl der Bevölkerung Stuttgarts erneut. Ende 2021 waren in Stuttgart 4.547 Einwohnerinnen und Einwohner weniger gemeldet als 2020. Das entspricht einem Bevölkerungsverlust von 0,75 Prozent. Ähnlich hohe Verluste verzeichnete Stuttgart laut Pressestelle zuletzt Mitte der 1990er-Jahre. Somit zählte Stuttgart am 31. Dezember 2021 nur noch 603.713 Personen mit Hauptwohnsitz. Wie kam dieser Rückgang zustande? Und wohin wanderten die Menschen aus?

Worauf ist der Bevölkerungsrückgang zurückzuführen?

Der Bevölkerungsrückgang wird an zwei Komponenten festgemacht: an den Zu- und Fortzügen (Wanderungssaldo) sowie an den Geburten und Sterbefällen (natürlicher Saldo).

Nach Angaben der Stadt Stuttgart ist der deutlich negative Wanderungssaldo von -5.436 (2020: - 7.146 Menschen) die Ursache für den Bevölkerungs-Rückgang. Das konnte auch der natürliche Saldo nicht ausgleichen. Im Jahr 2021 kamen nur 889 Kinder mehr zur Welt, als Personen mit Wohnsitz in Stuttgart verstarben (2020: + 807).

Der Wanderungsverlust im Jahr 2021 ergibt sich laut Pressestelle aus 42.010 Zuzügen gegenüber 47.446 Fortzügen. Erstmals seit 1998 sei 2019 ein solch deutlicher Verlust zu beobachten gewesen (- 1099). Ähnlich hohe Verluste hatte Stuttgart zuletzt Mitte der 1990erJahre. Damals war der Bevölkerungs-Rückgang auf die zurückgehende Zuwanderung von geflüchteten Menschen zum Ende des Jugoslawienkriegs zurückzuführen. Bestehende innerdeutsche Wanderungsverluste konnten den Verlust nicht ausgleichen.

Rückläufige Zuzüge nach Stuttgart wegen Corona-Einschränkungen

Maßgebend für die jetzige Entwicklung sind laut Pressestelle die seit 2015 rückläufigen Zuzüge nach Stuttgart. In den Jahren 2011 bis 2016 verzeichnete Stuttgart noch Wanderungsgewinne. Diese lagen jährlich deutlich über der 5000er-Marke. In den Jahren 2017 und 2018 zogen dann nur noch rund 1.400 Personen nach Stuttgart.

Laut Pressestelle brach die Zuwanderung 2020 bedingt durch die Corona-Einschränkungen drastisch ein. Dadurch erreichte der Wanderungsverlust 7.146 Personen. Auch 2021 blieben die Verluste hoch.

Corona-Pandemie: Weniger Studierende ziehen nach Stuttgart

Als Auswirkungen der Corona-Pandemie zogen insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2021 weniger Studierende nach Stuttgart. Unter normalen Bedingungen liegen dank Semesterbeginn und Start des Ausbildungsjahres vor allem im September und Oktober sowie zu einem geringeren Ausmaß auch im März und April die Zuzugszahlen besonders hoch. Wegen der Umstellung auf Online-Seminare und –Vorlesungen brachen die Zuzugszahlen 2020 ein.

Warum ziehen weniger Menschen nach Stuttgart?

Die Stadt Stuttgart geht davon aus, dass Berufstätige und vor allem Berufsanfänger aufgrund der Home-Office-Möglichkeiten während der Corona-Pandemie sich nicht gezwungen sehen, in der Stadt zu leben. Während die Wanderungsbewegungen von Kindern kaum Auffälligkeiten zeigen, haben sich die Verluste bei den 40- bis unter 75-Jährigen laut Pressestelle allesamt vergrößert.

Nach Angaben der Stadt Stuttgart macht sich die Pandemie nicht nur in den Wanderungsbewegungen der einzelnen Altersgruppen bemerkbar. Den größten Einfluss auf die Stuttgarter Bevölkerungsgewinne oder – verluste hatte in den letzten Jahrzehnten die äußerst schwankende Zuwanderung aus dem Ausland. Während es im Jahr 2015 noch über 10.000 mehr Zu- als Fortzüge ins beziehungsweise aus dem Ausland gab, überstieg im Corona-Jahr 2020 erstmals seit 2009 die Zahl der Fortzüge ins Ausland die Zahl der Zuzüge aus dem Ausland. 2021 verbesserte sich die Lage etwas mit einem Plus von 1.794 Personen, die zuzogen.

Abwanderung in andere Bundesländer

2021 verlor Stuttgart 2.040 Einwohnerinnen und Einwohner an andere Bundesländer. Im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends betrugen die jährlichen Wanderungsgewinne Stuttgarts mit anderen Bundesländern noch durchschnittlich plus 2.000 Personen. Bis 2018 konnte Stuttgart hier noch knappe Wanderungsgewinne verzeichnen. 2019 wanderten schließlich erstmals mehr Menschen in andere Bundesländer ab, als von dort zuzogen.

Abwanderung in andere Kreis in Baden-Württemberg

Innerhalb Baden-Württembergs wanderten mehr Menschen in andere Kreise aus, als zuzogen. Seit Beginn der Aufzeichnungen Anfang der 1970er-Jahre verliert die Landeshauptstadt Stuttgart Personen an ihr unmittelbares Umland. So hoch wie 2021 (5.208 Personen) war der Verlust laut Pressestelle allerdings seit 1993 nicht mehr. Es nahmen sowohl die Zuzüge aus dem Umland geringfügig ab, als auch die Fortzüge aus Stuttgart zu.

Mit minus 1.608 (2020: - 1138) verlor Stuttgart dabei am stärksten an den Landkreis Esslingen, gefolgt vom Landkreis Ludwigsburg mit minus 1.365 Personen (2020: - 1.488), dem Rems-Murr-Kreis mit minus 1.135 (2020: - 1.008), Böblingen mit minus 1.002 (2020: - 833) und Göppingen mit minus 98 (2020: - 30).

Als möglichen Grund für diese Entwicklung sieht die Stadt Stuttgart im Zuge der Corona-Pandemie den Wunsch der Menschen nach einem Garten und mehr Nähe zu Natur. Die Home-Office-Arbeit mache das möglich.