Stuttgart & Region

Für eine bessere Nahversorgung: Fahrender Supermarkt kommt nach Stuttgart

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Das Bonus-Markt-Mobil soll als Fahrender Supermarkt die Nahversorgung in manchen Stadtteilen Stuttgarts sicherstellen. © Melina Sophia Stergiaropoulos , Bonus gGmbH

Ein fahrender Supermarkt, der Produkte direkt vor die Haustüre liefert? So ähnlich gibt es das jetzt in Stuttgart. Der Fahrende Supermarkt bringt frische Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs in die Bereiche Stuttgarts, in denen Bewohnerinnen und Bewohner fußläufig keinen Supermarkt erreichen. Wir haben bei der Stadt Stuttgart und dem Supermarkt Bonus gGmbH nachgefragt, was hinter dem Konzept steckt. 

Wie läuft der Kauf in dem Fahrenden Supermarkt ab?

Das Bonus Markt-Mobil ist, im Gegensatz zum klassischen Verkaufwagen, begehbar, so Christian Konczalla der Bonus gGmbH. Links und rechts befinden sich Regale mit kühlpflichtigen Produkten. Daraus können sich die Kundinnen und Kunden auswählen, was Sie für den täglichen Bedarf brauchen. Personen, die den Wagen nicht selbstständig betreten können, werden vom Verkäufer vor Ort bei Bedarf auch bedient.

Das Produktsortiment beinhaltet dabei circa 550 Artikel und reicht von frischen Obst und Gemüse über Backwaren bis zu Getränken und Süßigkeiten. Auch Wasch- und Putzmittel können hier erworben werden. Das einzige worauf Kundinnen und Kunden verzichten müssen seien Tiefkühlprodukte sowie frische Fleisch- und Wurstwaren. Um auch besondere Wünsche zu ermöglichen, können Kundinnen und Kunden bei Ihrem Einkauf Produkte bestellen und diese beim nächsten Besuch des Fahrenden Supermarkts abholen.

Sollten Produkte nicht verkauft werden, bringt sie das Bonus-Markt-Mobil zur Bonus Filiale, dem "Heimathafen", so Konczala, in Winnenden. Vor allem Obst und Gemüse gehe in den Bestand des Markts über, damit möglichst wenig weggeworfen wird. Die Preise seien im Vergleich zu den Filialen der Bonus gGmbH allerdings teurer: "Wir haben die Preise ein wenig angehoben, um den Wagen, das Personal und die Fahrtkosten abzudecken", so Konczalla. "Sonst wäre das nicht finanzierbar." Die Bonus gGmbH strebe aber mit dem Markt-Mobil keine Gewinnerzielung an.

Wohin fährt das Bonus-Markt-Mobil?

Der fahrende Supermarkt fährt im aktuellen Pilotprojekt die Stadtteile Feuerbach (Lemberg/Föhrich), Zazenhausen-Ost, Zazenhausen-West, Stammheim-Süd (jeden Dienstag seit dem 07.11.) und die Stadtteile Untertürkheim-Wallmer, Plieningen/Birkach, Vaihingen-Rosental,Vaihingen-Dachswald (jeden Donnerstag seit dem 09.11.).

Warum hat sich die Stadt Stuttgart genau für diese Viertel entschieden? Elias Henrich der Abteilung für Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart beschreibt diese Räume als "Defiziträume". Diese Stadtteile oder Quartiere haben im gesamten Gebiet keine fußläufige Anbindung zu einem Lebensmittelmarkt. Nicht ganz unwichtig sei außerdem gewesen, ob im jeweiligen Bereich auch die Möglichkeit für einen Standfläche für den Wagen bestehe. "Der Wagen kann sich nicht mitten auf die Straßen stellen," so Henrich. 

Aktuell befährt der Fahrende Supermarkt neben den Stuttgarter Stadtteilen vor allem Ortschaften im Raum Reutlingen und Tübingen an. Deshalb ist das Bonus-Markt-Mobil aktuell nur an insgesamt zwei Tagen in Stuttgart und jeweils eine Stunde am jeweiligen Standort. "Bonus hat keine weitere Kapazität," erklärt Elias Henrich.

Schlechte Nahversorgung: Was steckt dahinter?

In diesem Defiziträume prüfe die Stadt "immer nach einem gewissen Schema" die verschiedenen Nahversorgungskonzepte. "Das beste ist immer ein stationäres Geschäft vor Ort," betont Henrich. Warum baut die Stadt dann keine Geschäfte vor Ort? "Problem ist, dass wir in diesem Räumen keine Flächen, wie Leerstände oder Freiflächen, haben wo sich ein Supermarkt ansiedeln könnte," so Henrich. "Oder die Räume sind so klein, dass kommerzielle Anbieter sagen, dass es sich wirtschaftlich nicht lohnt, dort einen Supermarkt zu betreiben." Die mobile Lösung sei laut Henrich deshalb eine gute Idee. Außerdem sei sie einfacher umzusetzen als der Bau eines dauerhaften Geschäfts.

Wie wird das Angebot bisher angenommen?

Grundsätzlich sei der Fahrende Supermarkt bisher sehr positiv angenommen worden. An einigen Standorten sei das Projekt sogar bereits im Vorfeld von Bürgerinnen und Bürgern beworben worden, an anderen sei "noch Luft nach oben". Allgemein hofft Konzcalla darauf, dass sich das Angebot des Fahrenden Supermarkts noch weiter rumspricht. "Man merkt natürlich schon, dass die Standorte auch unterschiedliche Funktionen haben und die Nachfrage unterschiedlich ist. Da wo viele Ältere wohnen, ist die Nachfrage größer," erläutert Henrich. 

Die Zukunft des Markt-Mobils in Stuttgart scheint dennoch ungewiss: Nach ein paar Monaten des Testzeitraum werde Henrich und sein Team mit Bonus evaluieren. Danach werde entschieden, welche Standorte öfter und welche seltener angefahren werden können.

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