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Franz Müntefering spricht über Sterbehilfe

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Franz Müntefering (rechts) hat im Jahr 2007 seine Politikerkarriere unterbrochen, um seine erkrankte Frau bis zum Lebensende zu begleiten. Auch darüber sprach er in der Lorcher Stadtkirche. © Hientzsch / Tagespost

Lorch. Der ehemalige Bundesminister Franz Müntefering spricht in der Lorcher Stadtkirche über das Thema „Sterben in unserer Zeit“ – und seine persönliche Art der „Sterbehilfe“. Dabei findet er klare und deutliche Worte.

Franz Müntefering hat in seinem Leben bereits zweimal Sterbehilfe geleistet. Bei seiner Ehefrau und bei seiner Mutter. Allerdings nicht in der Form, wie das Wort „Sterbehilfe“ in der heutigen Gesellschaft verstanden wird, denn die lehne er ab. Er habe ihnen „nicht beim Sterben, sondern im Sterben geholfen“.

Soll heißen: „Ich war für sie da, habe mit ihnen gesprochen, habe sie auf ihrem letzten Weg begleitet – auch wenn es mir manchmal schwerfiel“, erklärte der Ex-Politiker Müntefering seine persönliche Art der „Sterbehilfe“.

Eine älter werdende Gesellschaft bringt viele Probleme mit sich

Auf Einladung des Vereins Hospiz Lorch war der ehemalige Bundespolitiker und jetzige Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) am Dienstag in die Lorcher Stadtkirche gekommen, um vor weit über 100 Zuhörern über das Thema „Sterben in unserer Zeit“ zu sprechen. „Ein weites Feld“, wie er selbst feststellte.

Während seines Vortrags ging Müntefering zunächst auf die immer älter werdende Gesellschaft ein. Und auf die Probleme, die der demografische Wandel in Deutschland mit sich bringe: Einsamkeit, Hilflosigkeit, Depressionen.

Mit dem Partner oder der Partnerin über den Tod sprechen

Um dem vorzubeugen, sei es für jeden Einzelnen wichtig, schon früh selbst Vorkehrungen zu treffen. Mit einer Patientenverfügung. Einer Vollmacht. Einem Testament.

Oder der Gästeliste und Speisekarte für die eigene Beerdigung – so habe es zumindest seine Mutter kurz vor ihrem Tod gemacht, erzählte Müntefering von seinen ganz persönlichen Erfahrungen. Und vor allem sollte mit dem Partner oder der Partnerin über den Tod gesprochen werden – „damit Menschen, die man am liebsten hat, wissen, was man selbst will“.

Am Ende des Lebens nicht allein sein 

Wichtig sei außerdem, dass Menschen am Ende ihres Lebens nicht alleine sind. Dass es jemanden gebe, der für sie da ist. Ihnen zuhört. Ihnen hilft. Sie pflegt und begleitet.

So wie es zum Beispiel die Mitarbeiter in der Hospiz- oder Palliativmedizin tun würden, sagte Müntefering.


Müntefering und BAGSO:

Franz Müntefering hatte in seinem politischen Leben viele Ämter. Er war Verkehrsminister unter Schröder, Arbeitsminister unter Merkel, Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag – und gleich zweimal Vorsitzender seiner Partei. 2013 verließ er nach 32 Jahren als Abgeordneter den Bundestag.

Seit 2015 ist er Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO). Diese tritt vor allem dafür ein, dass jedem Menschen ein selbstbestimmtes Leben auch im Alter möglich ist – und politisch wie gesellschaftlich dafür auch die dafür notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.