Gregory Porter begeistert in Stuttgart: So lief das Konzert bei den Jazz Open
Stuttgart. Er gilt als einer der besten Singer/Songwriter der Jazz-Neuzeit: Gregory Porter. Der 53-Jährige war am Sonntagabend (06.07.) bei den Jazz Open in Stuttgart zu Gast und beeindruckte das Publikum im Alten Schloss mit seiner warmen und gleichzeitig kräftigen Stimme. Trotz strömenden Regens durften sich die Zuschauer über ein Konzert der Extraklasse freuen. Wir erklären, wie der Auftritt des Sängers ablief.
Gregory Porter zum vierten Mal bei den Jazz Open Stuttgart
Gegen 20.23 Uhr war es so weit: Nachdem die Vorband Larceny das Publikum mit feinen Jazz-Klängen auf den Hauptact des Abends einstimmen konnte, betrat Gregory Porter die Bühne im Innenhof des Alten Schlosses. Das imposante Gebäude, das vierhundert Jahre lang die Residenz der Grafen und Herzöge von Württemberg und damit das Machtzentrum des Landes war, sollte im Laufe des Abends Schauplatz eines beeindruckenden Konzerts werden. Gregory Porter, der sich gewohnt nobel in einem (diesmal weißen) Anzug und seiner dunklen Ballonmütze über einem Schlauchschal (sein Markenzeichen) präsentierte, sagte in Anspielung auf das imposante Schloss mit einem Schmunzeln: „I am in the kingdom of this festival“.
Bereits das vierte Mal performte der Jazz-Star aus Bakersfield (Kalifornien) bei den Jazz Open in Stuttgart - und zeigte sich darüber sehr erfreut. Mit Blick auf das besondere Flair bei den Jazz Open sagte der 53-Jährige: „If this is not an expression of art - getting together and enjoying music - what else would it be?“ Bereits am Vorabend ließ sich der Sänger im Alten Schloss blicken und lauschte dem Jazz-Pianisten Herbie Hancock. Einen Tag später stand der US-Amerikaner dann selbst auf der Bühne - und zog das Publikum schon nach den ersten Tönen in seinen Bann.
Gregory Porter: Der Mann mit der sanften, aber auch kräftigen Stimme
Unterstützt von einer fünfköpfigen Jazz-Band, bestehend aus Schlagzeug, Saxophon, Kontrabass, Klavier und Orgel, performte der Sänger mit der virtuosen Stimme viele seiner Hits. Darunter etwa das Lied „Liquid Spirit“, das er im Jahr 2014 auf dem gleichnamigen Album herausbrachte und dafür einen Grammy Award gewinnen konnte. Bei dem bekannten Song groovten der Sänger und seine Jazz-Band so sehr, dass die zweite Empore im Alten Schloss kurzerhand zur Tanzfläche umfunktioniert wurde. Auch die berühmten Titel „Hey Laura“ oder „No Love Dying“ wurden auf der Bühne gespielt.
Was die Songs von Gregory Porter so einzigartig macht? Der Einfluss der Southern Gospel-Musik und die Nat King Cole-Alben seiner Mutter. Die Klänge der Orgel, die in nahezu allen Songs des 53-Jährigen erklingen, runden die warme Stimme von Gregory Porter ab. Doch auch die Stimme des Sängers selbst ist mit einer beeindruckenden Bandbreite gesegnet: In einem Moment singt Porter leise und gefühlvoll, ja fast zart. Im anderen Moment überzeugt der US-Amerikaner mit kräftigen Tönen und schmettert die Songpassagen im richtigen Moment lautstark heraus.
Highlight zum Abschluss: Gregory Porter performt Sting-Song „It’s probably me“
Das Einzige, was in Stuttgart an dem besonderen Abend nicht mitspielen wollte, war das Wetter. Der Singer-/Songwriter ließ sich aber vom strömenden Regen, der rund 30 Minuten nach Konzertbeginn einsetzte, nicht abbringen. „I wonder if we should sing a song about water“, sagte der begabte Jazz-Musiker und brachte damit das Stuttgarter Publikum im Regen zum Lachen. Gesagt, getan: Gregory Porter performte anschließend den Song „Water“, der mit den Worten „water pouring down the sidewalks“ beginnt. Passender hätte es in diesem Moment nicht sein können.
Zum Abschluss des Abends spielten Gregory Porter und seine Band den Song „Free“ vom Album „Liquid Spirit“. Nach und nach verabschiedeten sich die einzelnen Musiker von der Bühne, jeder Musiker durfte zuvor seine Klasse mit einem Solo unter Beweis stellen. Am Ende blieb nur noch Schlagzeuger Emanuel Harrold übrig, der das Publikum mit seinen Drum-Fills zum Johlen brachte. Doch damit nicht genug: Nachdem die Zuschauer lautstark eine Zugabe forderten, kam Gregory Porter nochmal auf die Bühne und performte das heimliche Highlight des Abends: den Song „It’s probably me“.
Der Song stammt eigentlich aus der Feder von Weltstar Sting, wurde von Gregory Porter aber auf der Jazz-Open-Bühne gecovert. Und das nicht zum ersten Mal: Im Jahr 2017, als Sting mit dem Polar Music Prize für sein musikalisches Lebenswerk ausgezeichnet wurde, performte Gregory Porter „It’s probably me“ im Rahmen der Zeremonie auf der Bühne. Die Version kommt bei YouTube auf über 60 Millionen Aufrufe und gilt als eines der besten Sting-Cover aller Zeiten (hier geht es zum YouTube-Video). Vielen Zuschauern im Stuttgarter Publikum dürfte es wie dem Musiker Sting bei der Zeremonie 2017 ergangen sein: Die Tränen konnten angesichts der sanften und warmen Stimme von Gregory Porter gerade so zurückgehalten werden.
Mitarbeit: Jule Dernai


