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"hop around the world" in Ludwigsburg: Ein Schlaraffenland für Bier-Freunde

Vanessa Pantoudis Bier Ludwigsburg hop around the world
Vanessa Pantoudis hat in Ludwigsburg ihren eigenen Laden eröffnet. Das "hop around the world" ist schon jetzt ein Treffpunkt für Bier-Begeisterte. © ZVW/Alexander Roth

O’zapft is: In Ludwigsburg hat eine regelrechte Oase für Bier-Freunde eröffnet. Im „hop around the world“ in der Solitudestraße bietet Bier-Sommelière Vanessa Pantoudis (32) seit neustem mehr als 200 Biere aus aller Welt an. Ihr Laden soll nicht nur Verkaufsraum sein, sondern auch eine Art Begegnungsstätte, sagt die Inhaberin. Wir haben uns das mal aus der Nähe angeschaut.

„Was hast du für Biere da?“ Die Expertin berät gerne

Eine Frage, die Vanessa Pantoudis zurzeit öfter hört, lautet: „Was hast du für Biere da?“ Wer eine erschöpfende Antwort darauf möchte, sollte Zeit mitbringen. Am Tresen gibt es in der Regel zwei Sorten Fassbier. In den Regalen und Kühlschränken ihres Ladens stehen flaschen- und dosenweise weitere Biere. Pils, Helles, Sauerbier, Weizen, IPA, Stout, Porter. „Wegbiere“ am Eingang, regionale Biere in Holzkisten. Dazu internationale Biere, saisonale Biere, alkoholfreie Biere und vieles mehr. Da kann man als Besucher schon mal den Überblick verlieren.

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Mehr als 200 Biere bietet Vanessa Pantoudis im Verkaufsraum ihres Ladens an. © ZVW/Alexander Roth

Ein Glück, dass eine Frau hinterm Tresen steht, die nachweislich Ahnung von der Materie hat. Vanessa Pantoudis hat eine Ausbildung an der Deutschen Bier-Akademie in Bamberg absolviert, ist International Beer Sommelière und Qualified Beer Judge. Heißt: Sie testet und bewertet professionell Biere, Zertifikate an der Wand zeugen von ihrer Qualifikation. Man kann Sie für Events engagieren, Hochzeiten, für „Food Pairing“ – die richtige Wahl des Bieres zum Essen – und vieles mehr.

„Die Leute wünschen Beratung“, sagt Vanessa Pantoudis. Wer zur ihr in den Laden komme, habe mal mehr, mal weniger konkrete Vorstellungen vom Wunschbier. Manche suchen ein Geschenk, andere wollen selbst Neues entdecken. Über die Frage nach Vorlieben nähere man sich dann gemeinsam einer Bier-Empfehlung. Was hat zuletzt begeistert? Was ist die bisherige Lieblingsbiersorte? Probiert werden darf auch gerne. „Wir finden dann schon Biere, die zu den Leuten passen.“

Bier-Begegnungsstätte: Wie Hopfen und Malz verbinden

„Ich wollte einen Ort schaffen, an dem Menschen sich treffen können, um über Bier zu sprechen“, sagt die 32-Jährige. „Wir schlittern ja aktuell von Krise zu Krise, und das Gemeinsame ist dadurch umso wichtiger geworden.“ Deshalb achte sie auch darauf, dass in ihrem Laden für jeden Geldbeutel etwas geboten wird. Zum Beispiel der monatliche Bierstammtisch, bei dem man für 10 Euro eine ausgewählte Bierspezialität, Wasser und Knabbereien bekommt.

„Bier verbindet, man lernt Menschen und Regionen ganz anders kennen“, sagt Pantoudis. „Wenn man an einen Ort kommt, und nach den lokalen Bieren fragt, werden die Leute total gesprächig. Dann sitzt man plötzlich gesellig beisammen, genießt gemeinsam und freut sich.“

Liebe zum Bier in Irland entdeckt: „Das ist Vielfalt!“

Ihre Liebe zum Bier hat Vanessa Pantoudis in Irland entdeckt. „Das war bei meinem ersten Besuch in Dublin“, sagt sie. „Man kommt in ein Pub rein, und dann sind da auf einmal 20 Zapfhähne.“ Im ersten Moment habe sie sich von der Auswahl überfordert gefühlt. „Aber dann war ich neugierig – das ist Vielfalt!“ Sie probierte sich durch, und entdeckte das irische Stout für sich.

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Erfreut sich noch immer großer Beliebtheit: Das Wegbier. © ZVW/Alexander Roth

Diese Neugier, verbunden mit der Lust zu reisen, schlägt sich auch in ihrem Laden nieder. An den Wänden hängen Fotos, die sie auf ihren Reisen gemacht hat. „Jeden Monat widme ich mich einer Region“, sagt die Bier-Expertin. Im Februar soll es ein Reise-Special zu Skandinavien geben. „Im März bietet sich natürlich Irland an, wegen dem St. Patrick’s Day.“ Aus manchen Regionen in Übersee sei es momentan aber schwierig, Biere zu bekommen. „Da liegen teilweise Frachter wochenlang im Hafen und kommen nicht weiter“, so Pantoudis. Die Biere würden Deutschland dann nicht rechtzeitig erreichen, um sie noch vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verkaufen zu können. 

Eine Macherin: Im Zweifel wird es selbst erledigt

In solchen Momenten Gesprächs klingt an, worum man sich als Geschäftsinhaberin alles kümmern muss. Bier-Import, Qualitätssicherung, aber auch Inneneinrichtung, Werbung, Finanzen, Kundenakquise und, und, und. Ganz schön viel. Hat Vanessa Pantoudis je an ihrem Traum vom eigenen Laden gezweifelt? „Niemals“, sagt die 32-Jährige. „Da bin ich nicht der Typ dafür“. Stattdessen macht sie den Großteil der Arbeit in Eigenregie, ab und an mit Unterstützung ihrer Mitarbeiterinnen.

Pantoudis hat dafür beste Voraussetzungen: Sie hat Marketingkauffrau gelernt und war bereits zwölf Jahre im Handwerk tätig. Als stellvertretende Geschäftsleitung hat sie dort Erfahrung mit Betriebswirtschaftslehre, Vertrieb und Marketing gesammelt. „Ich war aber auch Montage“, sagt sie. „Wer mal in einem kleinen Handwerksbetrieb gearbeitet hat, der weiß, dass jeder alles macht.“ Diese Philosophie hat sie sich offenbar beibehalten. Tresen und Regale? Selbst gebaut. Logo? Selbst entworfen. Man kann getrost behaupten: Vanessa Pantoudis ist eine Macherin. Und sie hat große Pläne.

Bier-Mekka Ludwigsburg? Tastings, Live-Musik und ein Festival

„Ich will regelmäßig Veranstaltungen im Laden anbieten“, sagt sie. Dazu gehören neben den Tastings auch Abende, bei denen Brauereien ihre Biere vorstellen – am 20. Januar beispielsweise SinghBräu aus Weilheim an der Teck. Aber das ist nicht alles. „Bei ‚Bier & Raclette‘ will ich zeigen, dass es tatsächlich einen Unterschied macht, welches Bier man zu welchem Gericht trinkt“, so die 32-Jährige. Außerdem seien Veranstaltungen mit Live-Musik in der Planung.

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In einem Nebenraum des Ladens finden regelmäßig Bier-Tastings statt. © ZVW/Alexander Roth

Besonders intensiv kümmert sich Pantoudis aktuell auch um die Planung der mehrtätgigen „Beer.Kultur“ – ein Fest des Brauhandwerks, das sie zusammen mit Kraftpaule aus Stuttgart im Sommer veranstaltet. Es fand 2022 zum ersten Mal auf dem Franck Areal unweit des Bahnhofs statt, wo Vanessa Pantoudis zu dieser Zeit ihren eigenen Stand hatte. „Mein Laden war damals noch nicht offen, aber ich konnte mir schon eine coole Stammkundschaft erarbeiten“, sagt sie. Mittlerweile kämen häufiger auch unbekannte Gesichter ins Geschäft oder zu den Veranstaltungen.

Der Traum vom eigenen Bier: Erste Experimente laufen

Neben dem eigenen Laden und den geplanten Events hat sie noch einen großen Traum, verrät die 32-Jährige. Man braucht schließlich auch etwas, worauf man hinarbeiten kann. „Ich träume davon, irgendwann eigene Biere brauen zu können“, sagt sie. Einen gewissen Prozentsatz des Erlöses würde sie dann für soziale Zwecke spenden wollen. Erste Brau-Experimente laufen schon.

Nach einer Stunde Gespräch dann die drängendste Frage: Hat man als Expertin, die ständig von Bier umgeben ist, eigentlich ein Lieblingsbier? Pantoudis lacht. „Die korrekte Bier-Sommelière-Antwort lautet: ‚Es gibt für jeden Anlass das richtige Bier‘“, sagt sie. „Aber auch wenn man das in meiner Branche eigentlich nicht sagt, ist für mich die Antwort klar – Stout. Ohne diesen Bier-Stil würde es mich heute so nicht geben.“

Öffnungszeiten & Events

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Das "hop around the world" liegt nur wenige Gehminuten vom Bahnhof Ludwigsburg entfernt. © ZVW/Alexander Roth

Das „hop around the world“ befindet sich in der Solitudestraße 42 in Ludwigsburg. Die aktuellen Öffnungszeiten lauten:

  • Dienstag bis Donnerstag: 13-18 Uhr
  • Freitag: 13-19 Uhr
  • Samstag: 11-16 Uhr

Die Termine für kommende Bier-Tastings, Stammtische und andere Events finden Sie unter www.hoparound-theworld.de/termine/