Kai Gotthardt bei Darts-WM: Einst beim DC Urbach, jetzt im legendären Ally Pally
London/Esslingen. In diesem Jahr nehmen sechs Spieler aus Deutschland an der Darts-WM in London teil. So viele wie noch nie zuvor. Einer davon: Kai Gotthardt aus Esslingen, einst auch für den DC Urbach aus dem Rems-Murr-Kreis aktiv. Und der 29-Jährige hat die erste Runde im legendären Ally Pally bereits überstanden. Mit einem weiteren Erfolg gegen den favorisierten Engländer Stephen Bunting könnte er den Darts-Hype in Stuttgart und der Region weiter anheizen. Aber wer ist der Darts-Spieler aus dem Schwabenland eigentlich?
Am Freitagnachmittag (20.12.) gegen 16.45 Uhr ( Live auf DAZN und Sport 1 ) wird Gotthardt wieder die größte Bühne der Darts-Welt betreten. Und dabei wie schon bei seiner Premiere gegen den Alan Soutar klar in der Außenseiterrolle sein. Geschlagen hat der Esslinger (Weltranglistenplatz 135) den Schotten (Position 50) trotzdem. Auch das macht die Faszination Darts aus. Zwar gibt es die Top 20-Spieler, aber gerade in den kurzen Matches zum Start der Weltmeisterschaft sind immer wieder Überraschungen möglich. Vielleicht auch in der zweiten Runde gegen den bei den Fans auf der Insel besonders beliebten Bunting, die derzeitige Nummer acht der Welt.
„Natürlich weiß jeder, was Stephen Bunting in diesem Jahr gespielt hat“, sagte Gotthardt auf der Pressekonferenz nach seinem 3:1 gegen Soutar. Man müsse „einfach auf dem Boden bleiben und schauen, was geht“. Auf den Schwaben wartet in jedem Fall ein dickes Brett. Bunting sei dann doch „nochmal eine andere Hausnummer. Aber im Satzmodus wird alles möglich sein“, sagte Gotthardt dem SWR.
Kai Gotthardt und der gebrochene Pfeil: Kuriose Panne im ersten Satz
Dabei dürfte „The Tunnel“, so sein Spitzname in Anlehnung an den Schweizer Tunnel durch das gewaltig Gotthardmassiv, auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Das Match gegen Soutar hielt nämlich ein Kuriosum bereit: Im ersten Satz war es bei Gotthardt zu einer ungewöhnlichen Panne gekommen. Ein Dartpfeil brach. Und das nötige Ersatzteil war nicht griffbereit. „Das ist mir in über vier Jahren noch nie passiert. Und dann bricht mir auf der größten Bühne der Welt der Dart ab. Ich war perplex, das war verrückt“, erklärte Gotthardt anschließend im Gespräch mit Sport1 .
Der Pfeilbruch brachte den 29-Jährigen jedoch nicht aus dem Konzept. Auch sein Gegenspieler erwies sich in der nachfolgenden Spielpause als fairer Kontrahent. „Er war völlig entspannt“, sagte Gotthardt gegenüber dem SWR , „ein super Kerl. Auch in der Pause, ein ganz Lieber. Er hat mir gut zugesprochen. So ein fairer Sportsmann, das war unglaublich.“ Wie die gesamte Reise des deutschen Dart-Spielers zum Turnier in den Londoner Alexandra Palace.
So hat sich Kai Gotthardt für die Darts-WM qualifiziert
Erst im November hat sich Gotthardt durch den Triumph bei der PDC Europe Super League für das größte Darts-Turnier des Jahres qualifiziert. Sein Weg in den Tempel der Sportart begann schon Jahre zuvor. Kai Gotthardt wurde 1995 in Esslingen geboren, heute lebt er in Aichwald. Zum Dartssport kam er über seinen Vater, der ihn im Alter von neun Jahren zum ersten Mal ans Oche, die Bezeichnung der Wurflinie, stellte.
„Ich habe mich damals zu Hause hingestellt und viel gespielt - jeden Tag zwischen sechs und acht Stunden. Und bin nicht mehr davon weggekommen“, erzählte Gotthardt wenige Tage vor dem WM-Start dem SWR. Schon bei seinem ersten Turnier zeigte sich sein Talent: Im Duell mit den erwachsenen Spielern schaffte es der neunjährige Kai direkt ins Finale. Inzwischen ist er auf dem Weg in die Spitze. Seit 2013 kämpft er sich nach oben. Ausgerechnet im Sindelfinger Glaspalast schaffte er 2020 erstmals den Sprung ins Rampenlicht. Nun also seine Premiere im Ally Pally. Ein Riesenschritt - und ein möglicher Schub für die kommende Entwicklung.
Schließlich setzt Gotthardt derzeit auf die Karte Darts-Profi. Zuvor hat er eine Ausbildung als Fachkraft für Schutz und Sicherheit gemacht und im Außendienst für ein Sanitätshaus gearbeitet. „Ich gehe nicht zur WM, um das zu genießen. Ich will gewinnen“, sagte Gotthardt überaus ehrgeizig in einem Interview mit Darts-Reporter Urgestein Elmar Paulke. Dessen Stimme lauschte er früher immer bei den Übertragungen. Für Gotthardt war dennoch schon immer klar: „Wenn dann nur zum Spielen, zum Zuschauen gehe ich nicht in den Ally Pally.“
Entscheidender als die WM-Teilnahme dürfte für Gotthardt ohnehin die Eintrittskarte für die europäische Profi-Tour 2025 sein. „Was meine Zukunft angeht“, sagte er unlängst der Stuttgarter Zeitung , „ist das für mich eigentlich das wichtigere Turnier. Denn ohne Tour-Karte ist eine Profi-Karriere nicht möglich.“
Unterstützt wird er von seinem Ausrüster und diversen Sponsoren. Und emotional von seiner Familie, allen voran von seiner vier Jahre alten Tochter Lena. Ihr Name steht auch auf dem Kragen seines Shirts. Zusätzlich hat Gotthardt immer einen Anhänger und eine Stoff-Schildkröte seiner Tochter mit bei sich. Die bekommt immer einen Kuss, bevor es rausgeht auf die große Bühne. So also auch am Freitag, wenn auf Gotthardt in der zweiten Runde gegen Stephen Bunting das nächste Highlight wartet.
{element}Kai Gotthardt: „Der deutsche Dartssport boomt“
Neben Martin Schindler, Gabriel Clemens, Ricardo Pietreczko, Florian Hempel und Niko Springer ist Gotthardt einer von sechs deutschen Teilnehmern bei der Darts-WM. Ein Novum. „Es wird immer mehr, die deutschen Spieler werden immer besser“, sagt auch Gotthard, „in Zukunft werden es bald zehn Spieler sein. Und es geht immer weiter. Der deutsche Dartssport boomt.“ Ein Hype, den auch Gotthardt weiter befeuern kann. Am besten mit seinem nächsten Sieg im Ally Pally. Die schwäbischen Darts-Fans drücken in jedem Fall die Daumen.

