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Katzen-Café ohne Katzen: Wie geht es mit Happy Cats in Stuttgart weiter?

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Das Happy Cats Café in Stuttgart darf aufgrund einer Entscheidung des Veterinäramts aktuell keine Katzen halten. © 7aktuell.de | Andreas Werner

Katzenliebhaber waren im Happy Cats Café an der Arndtstraße 39 in Stuttgart genau richtig. Im ersten Katzen-Café Stuttgarts konnten auch diejenigen, die Katzen lieben, aber Allergien haben, zumindest für eine Zeit deren Gegenwart genießen. Damit ist jetzt Schluss. Denn vor kurzem hat das Stuttgarter Veterinäramt Betreiber Daniel Di Stefano die Genehmigung entzogen, die Katzen im Café gewerblich zu halten. Warum? Wie soll es nun mit dem Katzen-Café weitergehen? Und was sagen die Kunden dazu? Wir haben mit Daniel Di Stefano gesprochen.

„Mittlerweile sind wir wieder etwas gefasster“, sagt Daniel Di Stefano. Die ersten Tage ohne die Katzen im Café seien aber hart gewesen. „Da kommst du ins Café und die Katzen sind nicht da. Das war schon sehr deprimierend“, so Di Stefano.

Ein Katzen-Café ohne Katzen? Warum mussten die Katzen weg?

Aber warum mussten die Katzen weg? "Da muss ich mich tatsächlich entschuldigen, weil wir eine Regel nicht eingehalten haben", sagt Daniel Di Stefano. Für das Café in Stuttgart hatte er die Erlaubnis, zwei Katzen zu halten. Diese Auflage hat Di Stefano nicht eingehalten.

Das sei aber nicht grundlos geschehen. "Wenn das Café voll ist, war das für zwei Katzen einfach anstrengend", erklärt der Katzenliebhaber. Sobald vier Katzen im Café waren, „hat sich der Trubel aufgeteilt und es war sowohl für die Katzen als auch die Kunden viel entspannter“, erklärt Di Stefano.

Neben der Anzahl der Katzen habe das Veterinäramt auch bemängelt, dass zum Beispiel die Futter- und Wasserschälchen zu nah beieinandergestanden haben. Dafür hat Di Stefano kein Verständnis. „Von zu Hause aus kennen unsere Katzen es gar nicht anders. Da steht Trockenfutter immer neben Wasser.“ Laut Veterinäramt müsse aber zwischen Futter und Wasser 1,50 Meter Abstand liegen.

Welche Auflagen gibt es für ein Katzen-Café im Vergleich zu gewöhnlichen Cafés?

Es gibt strenge Regeln, die das Veterinäramt kontrolliert. So muss zum Beispiel ein abgetrennter Rückzugsort für die Katzen vorhanden sein – abgeschieden von den Besucherinnen und Besuchern. Es muss eine Tür zwischen dem Bereich, wo die Katzen leben, und dem Bereich sein, wo Lebensmittel und Getränke hergestellt werden, erklärt Di Stefano. Außerdem müsse man eine Grundschulung nach Tierschutzgesetz ablegen. Aber ansonsten sei es „relativ einfach, wenn das Amt mitspielt“.

Dass im Happy Cats Café Stuttgart lediglich zwei Katzen gehalten werden dürfen, hängt nach Angaben von Daniel Di Stefano von einer Richtlinie der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) ab. Diese besagt, dass jede Katze abends einen Raum für sich bräuchte.

Es gibt aber mindestens 14 weitere Katzen-Cafés in Deutschland, erklärt Daniel Di Stefano. Und in keinem seien die Auflagen so streng wie in Stuttgart. „In Leipzig haben sie zum Beispiel ein Café mit acht Katzen. In Karlsruhe gibt es eins mit zwölf. Und die haben alle nur einen Rückzugsraum“. Nur in Stuttgart dürfen lediglich zwei Katzen im Café gehalten werden. Mit wenigstens vier Katzen wäre aber dem Tierwohl besser gedient, so Daniel Di Stefano.

Seit wann gibt es das Katzen-Café in Stuttgart?

Das Café in der Arndtstraße existiert seit Februar 2021. Im November 2021 kamen die Katzen dazu.

Wie entstand die Idee zum Katzen-Café?

Auf die Idee mit dem Katzen-Café kam Daniel Di Stefano in China. Seine Frau Miya komme ursprünglich aus China. „Vor der Corona-Pandemie waren wir relativ oft in Shanghai und Umgebung. Dort ist es Standard“, erklärt Di Stefano. Wobei in Shanghai der Fokus auf den Katzen liegt und nicht so sehr auf dem Café. Dort gibt es laut Di Stefano auch kein Essen und Trinken. Die Gäste gehen dort nur hin, um die Gesellschaft der Katzen zu genießen.

Das Ehepaar Di Stefano besitzt aktuell 13 Katzen und begeistert damit viele Außenstehende. Dazu muss man wissen, dass die Di Stefanos keine gewöhnlichen Katzen halten. Sie haben nur spezielle Rassekatzen: Angefangen von Bengal-Katzen über Savannah-Katze bis hin zur orientalischen Kurzhaar- und sibirischen Waldkatze. Da reisen Kunden schon mal aus Reutlingen oder Heilbronn an, um die Vierbeiner live zu erleben.

Muss das Happy Cats Café in Stuttgart unter diesen Umständen vielleicht sogar ganz schließen?

Was bedeutet es für das Happy Cats Café, wenn die Auflagen weiterhin so strikt bleiben? „Wenn die Anforderungen weiterhin so hoch bleiben, wird es nicht nur das erste, sondern vermutlich auch das letzte Katzen-Café in Stuttgart sein“, sagt Di Stefano. Wir müssen jetzt überlegen, was wir tun können, damit die Katzen doch noch bleiben können. Daniel Di Stefano überlegt, Einspruch gegen den Entzug der Genehmigung einzulegen. Eine andere Möglichkeit wäre, eine neue Location zu finden, die groß genug für Kunden und Katzen ist. Das sei allerdings schwierig.

Ohne die Katzen sei in der ersten Woche im Café weniger Kundschaft da gewesen. „Wir müssen schauen, wie sich das Ganze entwickelt“, so Di Stefano. Das Café befindet sich nicht an einer Stelle in Stuttgart, an der es viel Laufkundschaft gibt. Zudem ist das Café nicht lange genug am Markt, um mit seinem Angebot zu überzeugen. „Unser Highlight waren die Katzen.“

Auf den sozialen Netzwerken hat Daniel Di Stefano vorsorglich vorgewarnt, dass aktuell keine Katzen im Café sind. Damit will er den Kunden die Enttäuschung ersparen. Das Katzen-Café hat sogar Stammkundschaft, die extra aus Ulm anreist. Sollte das Veterinäramt weiterhin an seiner Entscheidung festhalten, "gibt es in Baden-Württemberg gar kein Katzen-Café mehr", erklärt Daniel Di Stefano. Das Café in Karlsruhe habe wegen Insolvenz schließen müssen.

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Was sagen die Kunden zur aktuellen Situation des Happy Cats Cafés?

"Die Kunden sind genauso traurig über die Situation wie wir" sagt Daniel Di Stefano. Die meisten regen sich darüber auf und sagen, dass es typisch für Stuttgart wäre, der Gastronomie oder so besonderen Orten Steine in den Weg zu legen. Viele hätten sich dafür ausgesprochen, eine Petition zu starten, um das Katzen-Café mit den Katzen zu erhalten.

Daniel Di Stefano und seine Frau wollen sich jedenfalls ihren Traum nicht kaputtmachen lassen und hoffen, weiterhin in Stuttgart ihr Katzen-Café betreiben zu können.