Stuttgart & Region

Keine Geburten mehr in St. Anna Klinik: Wie der Wegfall kompensiert werden soll

Geburt Symbolbild
Symbolbild. © Unsplash/Christian Bowen

Stuttgart. In dieser Woche wurde bekannt: Die renommierte St. Anna Klinik in Bad Cannstatt schließt zum März 2025 ihre Geburtshilfe. Grund dafür ist das Ausscheiden mehrerer Ärzte. Ein weiterer sicherer Betrieb könne deshalb „nicht in der gewohnten Qualität gewährleistet werden“, wie der Träger bekannt gegeben hat. In der traditionsreichen Institution wurden zuletzt rund 700 Geburten im Jahr betreut. Wie reagiert die Stadt Stuttgart auf den Wegfall?

Auf Initiative von Krankenhaus-Bürgermeister Thomas Fuhrmann haben sich die Vorstände und Geschäftsführungen der Stuttgarter Krankenhäuser in dieser Woche zu einer engeren Kooperation und Erweiterung der Kapazitäten verpflichtet. „In Stuttgart ist für werdende Mütter also auch in Zukunft eine verlässliche Betreuung garantiert“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus .

So viele Kinder kamen im vergangenen Jahr in Stuttgart zur Welt

In der Landeshauptstadt erblickten im vergangenen Jahr laut Angaben der Verwaltung etwa 6.200 kleine Stuttgarterinnen und Stuttgarter das Licht der Welt. Die Schließung der Geburtshilfe im Stadtteil Bad Cannstatt ist folglich rein mit Blick auf die Kapazitäten kein dramatischer Einschnitt. „Die leistungsstarken Krankenhäuser in Stuttgart sorgen mit einem abgestimmten Versorgungsangebot auch zukünftig für eine stabile Geburtshilfe in der Landeshauptstadt“, sagt Fuhrmann.

Die bestehenden Einrichtungen wollen die nun zu erwartenden Mehraufgaben gemeinsam schultern. Das Klinikum Stuttgart betreibt mit dem Olgahospital Deutschlands größte Kinderklinik und eines der größten Perinatalzentren (eine Einrichtung zur Versorgung von Schwangeren, Früh- und Neugeborenen, Anm.d.Red.) der Republik, indem jährlich circa 3200 Entbindungen erfolgen. Auch besondere Risikokonstellationen und unreife Frühchen, die etwa ein Drittel der Geburten ausmachen, werden hier mit betreut.

Zwischen dem Klinikum Stuttgart und dem Marienhospital besteht „eine lang gelebte Kooperation bei der kinderärztlichen Versorgung“, die eine hohe Sicherheit und Qualität in der Geburtshilfe für die entbindenden Frauen und ihre Kinder garantiere, so Claudia Graf, die Geschäftsführerin des Marienhospitals. Die umfassende Betreuung der Geburten im Marienhospital werde verlässlich durch Kinderärztinnen und ‐ärzte beziehungsweise Neonatologen des Klinikums Stuttgart mitbetreut.

Was die Kooperationen in Stuttgart konkret bedeuten

Neu ist eine solche Kooperation zwischen dem Klinikum Stuttgart und dem Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK), die neben weiteren Kooperationen in der Herzchirurgie, Lungenheilkunde und Onkologie im Rahmen eines engeren Schulterschlusses der beiden größten Häuser der Stadt jetzt fixiert wurde. Das bedeutet konkret: Ab dem 1. Januar 2025 werden Kinderärzte und Neonatologen des Klinikums Stuttgart vor Ort im Robert-Bosch-Krankenhaus die neonatologische Versorgung bei Geburten begleiten, Vorsorgeuntersuchungen durchführen und beratend unterstützen.

„Die Schließung der St. Anna Klinik trifft auf eine stabile Krankenhauslandschaft in Stuttgart, die das abfedern kann“, sagt Prof. Dr. Mark Dominik Alscher, der medizinische Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses. Die Entbindungsabteilung des RBK zähle zu den großen Geburtskliniken in der Region, jährlich kommen hier über 1.200 Kinder zur Welt.

Unterstützung von der Eva-Mayr‐Stihl-Stiftung aus Waiblingen

Die Intensivierung der Kooperationen sei „eine gute Nachricht für den Gesundheitsstandort und die Versorgungsqualität in der Metropolregion“, findet der Vorstand des Klinikums Stuttgart, Prof. Dr. Jan Steffen Jürgensen. „Mit starker Unterstützung der Eva-Mayr‐Stihl-Stiftung wird die Kooperation zusätzlich durch telemedizinische Vernetzung abgesichert, über die die Kliniker der drei Häuser sich 24/7 eng abstimmen können.“