Neuer Albaufstieg A8: Wie fahren wir in Zukunft über die Schwäbische Alb?
Am Albaufstieg zwischen Stuttgart und Ulm stand vermutlich jeder schon einmal im Stau. Eine Modernisierung des Abschnitts sei „dringend geboten“, so die zuständige Autobahn GmbH Südwest, „aus Sicherheitsgründen, zur Verbesserung des Verkehrsflusses und zur Entlastung der Anwohnergemeinden“. Was genau ist geplant und warum gab es zuletzt Ärger?
Wie sehen die Planungen aus?
Vereinfacht gesagt: Statt den Auf- und Abstieg wie aktuell getrennt auf beiden Seiten des Berges zu führen, soll die neue Strecke durch zwei Tunnel und zwei Brücken mitten durch den Berg gehen. Die Strecke verkürzt sich dadurch von 12,2 auf 7,6 Kilometer, Steigung und Gefälle reduzieren sich von 6,3 auf 3,5 Prozent und jede Tunnelröhre hat drei Spuren plus Standstreifen. Ziel ist es künftig Staus zu verhindern, die immer wieder von Lkws verursacht werden, die derzeit oft an der Steigung hängenbleiben.
Und was soll nach dem Projekt aus der alten Aufstiegsstrecke werden? Sie soll mit Gegenverkehr als Landesstraße für den Verkehr und als Ausweichstrecke erhalten bleiben. Die alte Richtungsfahrbahn hinab nach Stuttgart dagegen soll zum Radweg werden.
So könnte der neue Albaufstieg aussehen:
Die aktuelle Strecke auf der A8 zwischen Mühlhausen und Hohenstadt ist eine Besonderheit: An der Anschlussstelle Mühlhausen teilen sich die Richtungsfahrbahnen. Auf rund 12 Kilometern wird anschließend eine Höhendifferenz von 230 Metern zur Hochfläche der Schwäbischen Alb auf getrennten, bis zu zwei Kilometer voneinander entfernten Trassen mit je zwei Fahrspuren überwunden.
Diese Teilung war nötig, weil es beim Bau 1936 bis 1942 nicht möglich war, eine vierspurige Autobahn an nur einem Berghang entlangzuführen. Zeitweise gab es sogar Planungen, beide Trassen übereinander zu führen, was aber aus Kostengründen und wegen der landschaftlichen Einschnitte wieder verworfen wurde.
Wann starten die Bauarbeiten?
„Sobald das Baurecht vorliegt, beginnen die Vorarbeiten“, heißt es dazu lapidar von der Autobahn Südwest GmbH. Zuletzt gab es rund um den geplanten Projektstart jedoch Ärger. Grund dafür sind die jüngsten Pläne der Ampel-Regierung. Die sehen zwar vor, bundesweit 144-Autobahnprojekte schneller umzusetzen. Der Albaufstieg der A8 steht jedoch nicht auf dieser Prioritätenliste der Bundesregierung. Das Projekt hängt in der Warteschleife.
Man sei überrascht und irritiert, dass sie nicht unter den Projekten seien, die die Ampel-Koalition schneller ausbauen will, kritisiert Göppingens Landrat Edgar Wolff (Freie Wähler) in einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). Der Albaufstieg gehöre zu den intensivsten Stauzonen und größten Engpässen der Republik und in Mitteleuropa. Nach einer Analyse von 2014 lag die Verkehrsbelastung bei immensen 65.600 Fahrzeugen pro Tag.
Das ist der aktuelle Stand der Projekt-Planungen
Am 12. April hieß es zum aktuellen Stand der Planungen: Man arbeite „mit Hochdruck daran, die Baugenehmigung für den neuen Albaufstieg der A8 zu erlangen“. Im Sommer 2023 kommt die öffentliche Auslage der fünften Planänderung im Planfeststellungverfahren. „Die Autobahn GmbH Niederlassung Südwest hofft, dass danach schnellstmöglich der Planfeststellungsbeschluss, also das Baurecht, erteilt werden kann“, heißt es weiter.
„Unsere große Sorge ist es, dass wir - wenn sich das Planfeststellungsverfahren weiter verzögert - zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit der Bestandsstrecke Sanierungsmaßnahmen durchführen müssen“, warnt die zuständige Direktorin Christine Baur-Fewson. „Dies würde unweigerlich zu temporären Sperrungen und damit zu einer zeitweiligen Verlagerung des Verkehrs auf das nachgeordnete Netz führen.“
Wann die Bagger rollen dürfen, ist aktuell ungewiss. Und damit scheint eine Fertigstellung des neuen Albaufstiegs aktuell frühestens Anfang der 2030er Jahre realistisch.

