Nur die Hoffnung bleibt: Sara (28) aus Stuttgart hat Leukämie und gibt nicht auf
Stuttgart. Im April 2023 änderte sich das Leben von Sara Agnusdei schlagartig. Diagnose: Morbus Hodgkin, ein bösartiger Lymphdrüsentumor. Die Chemotherapie und Bestrahlung schlugen zunächst gut bei ihr an, es ging bergauf, zumindest für eine Weile. Anfang Oktober 2024 dann die nächste Schreckensnachricht: Verdacht auf akute Leukämie. Das leidige Thema Krebs lässt die 28-Jährige aus Stuttgart nicht los. Doch sie kämpft weiter und hat auch nicht vor aufzugeben.
Krebs im Gehirn entdeckt: Zwischen Kummer und Leid nicht die Hoffnung verlieren
Sara kam nach ihrer zweiten Krebsdiagnose direkt wieder ins Krankenhaus und musste sich einer weiteren Chemotherapie unterziehen. "Dabei gab es aber Komplikationen", sagt die junge Mutter eines 3-jährigen Kindes. "Ich habe eine Sepsis und eine Infektion bekommen." Sie lag daraufhin fast eine Woche im Koma. Nach weiteren Behandlungen schien es ihr zunächst besser zu gehen, bis kurz vor Heiligabend alles eine erneute Wendung nahm. Der Krebs hatte sich seinen Weg ins Gehirn gebahnt.
"Auf dem rechten Ohr höre ich nichts mehr", sagt die 28-Jährige, der beim Gespräch immer wieder die Tränen kommen. "Und mein linkes Auge will sich nicht mehr öffnen, sodass ich jetzt nur auf einem Auge sehen kann." Beides sind Folgen der Krebserkrankung. "Es sind aber durchaus Fortschritte zu beobachten", sagt David Palmer, ihr Lebensgefährte und Vater des Kindes. "Im Blut und im Rückenmark wurden keine Leukämiezellen mehr gefunden, es ist "nur" noch der Rest im Kopf, der behandelt werden muss." Zwischen all dem Kummer und Leid verlieren Sara und David weiterhin nicht die Hoffnung.
Mehr Lebenszeit für Sara: Stammzelltherapie kann bald starten
Nach über drei Monaten Krankenhausaufenthalt ist Sara nun endlich wieder zu Hause, wenn auch nicht für lange. Denn schon bald soll es mit der Stammzelltherapie losgehen. Es haben sich glücklicherweise drei passende Spender gefunden, die wenn alles klappt, Sara etwas mehr Zeit verschaffen können, denn davon hätte sie gerne mehr. Zeit, um ihren Sohn aufwachsen zu sehen. Zeit, um ihre Ziele zu erreichen. Zeit, um zu leben.
Alltag durch Leukämie sehr eingeschränkt: Studium auf Eis gelegt
Es ist alles gerade nicht einfach, was sich beim Gespräch auch deutlich erkennen lässt. Sara ist von der Chemotherapie körperlich sehr geschwächt. Zusätzlich wird sie durch eine Gefühlsstörung in Händen und Füßen stark in ihrem Alltag eingeschränkt. Auch das Studium an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg musste sie fürs Erste auf Eis legen. "Eigentlich wollte ich meine Bachelorarbeit abschließen, aber ja, geht nun mal nicht." Die 28-jährige Stuttgarterin studiert Sonderpädagogik auf Lehramt, wurde aber aufgrund ihrer Krankheit beurlaubt. Wann es für sie weitergehen kann, bleibt unklar.
Ihr 3-jähriger Sohn, der die Situation in seinem zarten Alter vermutlich noch nicht ganz begreifen kann, ist die meiste Zeit bei seiner Oma untergebracht. Da David in Vollzeit arbeitet und sich die Belastung nicht vollständig allein stemmen lässt, sind die drei auf die Hilfe der Familie angewiesen. "Es belastet mich schon sehr, dass ich mich nicht selbst um ihn kümmern kann," so Sara über ihren Sohn, der frisch in den Kindergarten gekommen ist.
Kleine Dinge, die glücklich machen: Sara und David geben nicht auf
In so einer Situation nicht den Kopf hängen zu lassen verlangt einiges von einem ab. "Ich bin an der ganzen Situation gewachsen", sagt David über ihre momentanen Lebensumstände. Durch die schier endlosen Stunden im Krankenhaus ließen sich die beiden nun nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen.
Die harte Zeit hat sie vor allem eines gelehrt, Dankbarkeit. "Mittlerweile sind es die kleinen Dinge, die mich glücklich machen, weil das alles ist, was ich noch habe." Für David sei es momentan das Größte, mit Sara Zeit zu Hause verbringen zu können: "Allein, die Momente, in denen wir zusammensitzen, Kaffee trinken oder ein Mittagessen kochen können, haben viel Wert für mich." Sara gibt die Hoffnung nicht auf, dass sie überleben wird. "Der Gedanke an die Zukunft und wieder Zeit mit meinem Kind verbringen zu können, halten mich am Leben." so die 28-Jährige.
Finanzielle Sorgen: Spendenaufruf auf gofundme.com
Aufgrund ihrer Krebserkrankung hat Sara aber auch mit finanziellen Sorgen zu kämpfen. Die Krankenkassenrechnungen stapeln sich, denen hinterherzukommen sei schwierig: "Ich habe Rechnungen, die ich aus den letzten Jahren zurückzahlen muss, da diese fälschlicherweise vom Jobcenter übernommen wurden und es dann hieß, dass ich diese doch selbst bezahlen muss," erklärt Sara. Hierbei handele es sich um Beiträge von fast 2 Jahren. Diese Summe bezahle sie momentan in Ratenzahlungen zurück. Dazu komme noch der Studentenbeitrag für die Krankenkassenversicherung. "Außerdem muss ich die Medikamente und Krankenhaus-Rechnungen bezahlen", sagt Sara. Eine Befreiung sei aber schon beantragt.
"Sie sollte sich nur auf ihre Genesung konzentrieren können", sagt David, dem die Situation deutlich zusetzt. Mithilfe von gofundme.com und der Initiative einer Sozialarbeiterin, die sie darauf aufmerksam gemacht hat, sammelt die kleine Familie Spenden. Über 11.000 Euro sind über die Crowdfunding-Kampagne bereits eingegangen. Das Ziel: 20.000 Euro.
Wer die Familie bei ihrer Aktion unterstützen möchte, kann das hier tun. Mit ihrer Geschichte möchte Sara Menschen in einer ähnlichen Situation Hoffnung geben und macht deutlich: "Auf keinen Fall mit dem Kämpfen aufhören!"
Unsere Redaktion hat kurz nach Veröffentlichung des Artikels die Nachricht von Saras Tod erreicht. Sie ist am 14. Februar 2025 in Folge einer Lungenentzündung und eines Infekts verstorben, wie ein Familienmitglied mitteilte. Wir wünschen den Angehörigen und Freunden in dieser dunklen, bedrückenden Zeit viel Kraft. Möge Sara in Frieden ruhen.“
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war nur von "Krankenkassenrechnungen, die sich stapeln" die Rede. In einer Nachbearbeitung wurde noch Näheres dazu in den Worten von Sara hinzugefügt.





