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Reiterleskapelle als Ausflugsziel bei Waldstetten

Reiterleskapelle
Klein und doch beeindruckend: Die Reiterleskapelle oberhalb von Waldstetten bei Tannweiler auf der Schwäbischen Alb. © Rainer Stütz

In Corona-Zeiten gibt es nicht viele Möglichkeiten, etwas zu unternehmen. Deshalb bietet sich ein Ausflug zur Reiterleskapelle bei Waldstetten-Tannweiler auf die Schwäbische Alb an. Dort kann der Wanderer zur Besinnung kommen, die herrliche Aussicht genießen, auf den Ruhebänken pausieren, das mitgebrachte Vesper verzehren und als neuer Mensch in den Alltag im Tal zurückkehren. Die Reiterleskapelle auf der Anhöhe zwischen dem Christental und Tannweiler wird auch immer wieder für Gottesdienste genutzt, aus Platzgründen natürlich auf dem Platz davor. Bei der letzten Feier war es allerdings stürmisch und es pfiff ein eisiger Wind, während über Waldstetten die Sonne schien. Viel größer konnte der Kontrast nicht sein. Dennoch pilgerten viele Gläubige zu der Messe, die wegen des Wetters auf eine halbe Stunde verkürzt wurde. Bereits vorher kamen einige Wanderer, um die Marienfigur zu besuchen, die aus Sicherheitsgründen nur noch zu bestimmten Anlässen in der Kapelle zu bewundern ist.

Die Reiterleskapelle in 642 Meter Höhe ist eine dem heiligen Leonhard geweihte Kapelle auf der Passhöhe. Die oberhalb des Weilers Tannweiler stehende Kapelle gilt als markantes Wahrzeichen der Gemeinde Waldstetten und ist ein populäres Ausflugsziel.

Wenige Meter südlich der Reiterleskapelle verläuft die Grenze zwischen dem Ostalbkreis und dem Landkreis Göppingen.

Laut der im Türsturz eingemeißelten Jahreszahl wird die Erbauung der Kapelle für das Jahr 1714 angenommen. Für eine frühere Entstehung der Kapelle in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts spricht das geschätzte Alter der neben der Kapelle stehenden Linde sowie die Entstehungssage. Dass der damals auf dem sogenannten „Reiterleshof“ („des Bauern Reuterle Hof“) in Tannweiler ansässige Bauer die Kapelle errichten ließ, ist nicht gesichert. Die Kapelle ist dem heiligen Leonhard als Schutzpatron der Bauern und des Viehs, besonders der Pferde, geweiht. Über den Beweggrund und die Baugeschichte ist nichts Gesichertes überliefert.

Bei einem Erdbeben wurde die Kapelle stark beschädigt

Beim Erdbeben auf der Schwäbischen Alb am 16. November 1911 wurde das Mauerwerk der kleinen Kapelle erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Allerdings wurde in zeitgenössischen Publikationen der Schaden auch auf das Wurzelwerk der Linde zurückgeführt.

Ab 1912 wurde sie vom Schwäbischen Albverein in Zusammenarbeit mit dem Gmünder Bezirksausschuss für Natur- und Heimatschutz mit Hilfe von Spendengeldern wieder instand gesetzt. Eine grundlegende Sanierung musste 1957 erfolgen, nachdem die Kapelle akut einsturzgefährdet war. Eine weitere Renovierung war im Jahr 2014 erforderlich.

Ab Herbst 1933 fanden Feldgottesdienste der Schönstatt-Bewegung bei der Linde statt. Zudem wurde das Bild der „Dreimal wunderbaren Mutter von Schönstatt“ regelmäßig zur Passhöhe gebracht.

Die jetzt vor der St.-Patrizius-Kapelle in Weilerstoffel abgehaltene Pferdesegnung an Christi Himmelfahrt fand ursprünglich vor der Reiterleskapelle statt.

Im Vorfeld des 300-Jahr-Jubiläums gab die Gemeinde Waldstetten, die bei der Kreisreform 1973 die Kapelle vom Landkreis Schwäbisch Gmünd übernommen hatte, im September 2013 bekannt, dass der Innenraum der Kapelle in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt Baden-Württemberg neu gestaltet werden soll. Am 19. September 2013 gründete sich zudem ein Freundeskreis für die Kapelle.

Alte Linde konnte gerettet werden

Das Alter der bei der Reiterleskapelle stehenden Sommerlinde wurde um 1954 nach forstmännischer Schätzung auf 350 Jahre bestimmt. Sie ist somit rund hundert Jahre älter als die heutige Kapelle. Sie dürfte um 1600 gepflanzt worden sein, um an diesem markanten Punkt als Wegweiser („Zeiglinde“) zum Christentalpass zu dienen.

1945 sollte die Linde gefällt werden und das Holz als Panzersperre auf dem Pass dienen. Dies konnte durch Intervention eines örtlichen Bauern verhindert werden. Sie ist als besonderes Naturdenkmal im Gebiet des Kalten Feldes ausgewiesen.

Die Sage von der Reiterleskapelle

Spannend ist die Sage, in der von der Entstehung der Kapelle erzählt wird: Nach dem Begräbnis des Hauptmanns Joachim Berchtold von Roth († 20. Februar 1621) aus Winzingen befand sich der wohlhabende Bauer Reuterle zu später Stunde auf dem Heimweg vom Leichenschmaus, als kurz vor Tannweiler plötzlich Roth auf einem kopflosen Pferd an ihm vorbeistürmte, begleitet von einer großen Meute kopfloser Hunde. Reuterle, zutiefst erschrocken, grüßte den Geist, den er zu Lebenszeiten gut gekannt und ihm oft aus Geldverlegenheiten geholfen hatte. Dieser brüllte darauf: „Würde ich dich nicht kennen, zu Zunder und Fetzen zerrisse ich dich.“ Anschließend stürmte die Geisterschar über den Heldenberg weiter und Reuterle fiel in Ohnmacht. Als er im Morgengrauen wieder erwachte, betete er und gelobte beim Klang der Wißgoldinger Kirchenglocken, für die Seelenruhe des Freiherrn von Roth eine Kapelle zu bauen..

Geweiht ist die Kapelle dem heiligen Leonhard von Noblat. Er wird mit einer Kette dargestellt und gilt als Schutzpatron der Gefangenen. Bereits als junger Mann hat er regelmäßig Gefangene besucht und sich beim König für sie eingesetzt. Auf den Heiligen geht auch eine Klostergründung zurück.

Dazu gibt es folgende Geschichte: König und Königin zogen eines Tages zur Jagd in diesen Wald; Leonhard hörte die Königin klagend rufen, da sie in Wehen lag. Auf Bitten des Königs betete Leonhard am Lager der Königin, und sie schenkte einem ersehnten Knaben das Leben. Der König wollte Leonhard mit Gold und Silber beschenken; dieser bat aber nur um so viel Waldgelände, wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten könne. Leonhard gründete das Kloster Noblat bei Limoges in seinem Waldstück, wo er starb und auch weiterhin verehrt wurde.

In Corona-Zeiten gibt es nicht viele Möglichkeiten, etwas zu unternehmen. Deshalb bietet sich ein Ausflug zur Reiterleskapelle bei Waldstetten-Tannweiler auf die Schwäbische Alb an. Dort kann der Wanderer zur Besinnung kommen, die herrliche Aussicht genießen, auf den Ruhebänken pausieren, das mitgebrachte Vesper verzehren und als neuer Mensch in den Alltag im Tal zurückkehren. Die Reiterleskapelle auf der Anhöhe zwischen dem Christental und Tannweiler wird auch immer wieder für Gottesdienste

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