Stuttgart & Region

Slow Food aus dem Remstal

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Austeller locken mit ihren Slow-Food-Spezialitäten. © Sarah Utz
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Nina Jülich präsentiert die Edelbrände der Waldhornbrennerei. © Sarah Utz
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Önologin Helen Schmalzried erklärt die besondere Qualität des Weins vom Öko-Weingut Schmalzried. © Sarah Utz

Stuttgart. Die Messe Stuttgart steht seit Donnerstag (20.4.) im Zeichen des bewussten Genießens. Auf dem „Markt des guten Geschmacks“ präsentieren auch Hersteller aus dem Rems-Murr-Kreis ihre Produkte.

Es duftet nach Schokolade, nach würzigem Käse oder geräucherter Wurst. An manchen Ständen drängen sich Menschentrauben. Ein Zeichen dafür, dass es eine der vielen Köstlichkeiten zu probieren gibt. Und tatsächlich haben viele Aussteller kleine Brotwürfel zum Dippen des Olivenöls, Becherchen mit Joghurt oder andere Kostproben parat gestellt, um die Menschen anzulocken. „Slow Food“, so nennt sich der Trend, der Menschen an diesem Wochenende in die überfüllten Messehallen strömen lässt. Einige Messe-Besucher sind hier, um sich durch das Sortiment zu schlemmen, andere verfallen in einen Kaufrausch und packen in Taschen und Einkaufstrolleys alles, was das Budget hergibt.

"Gut, sauber, fair"?

Doch was ist eigentlich dieses Phänomen, das die Leute am offensichtlichen Gegenteil von „Fast Food“ so anzieht? Die Messe wirbt mit den Begriffen „gut, sauber, fair“ für die Veranstaltung. Tatsächlich geht es hier um regionale Lebensmittelspezialitäten, die traditionell handwerklich und nachhaltig erzeugt werden. Außerdem sollen die Produkte weitestgehend frei von Zusatzstoffen sein. Jedes Produkt auf der Messe muss sich einer strengen Qualitätskontrolle unterziehen. In der Ausstellerordnung sind detailliert viele Zusatzstoffe, Hilfsstoffe und Herstellungsmethoden aufgelistet, die für Produkte auf der Messe nicht zulässig sind. Bei den Schleuderpreisen im Supermarkt können Großproduzenten solche Ansprüche nicht erfüllen, sie sind auf der Messe nur vereinzelt vertreten. Die Produkte der kleineren Betriebe, die hier ausstellen, haben ein anderes Preisniveau - und sind auch nicht im Discounter um die Ecke zu haben.

Nur vor Ort und auf dem Wochenmarkt zu haben

Bei der Nachfrage an verschiedenen Ständen erklären viele Hersteller, dass ihre Produkte nur lokal oder regional verfügbar sind. ERP-Naturgetränke verkauft seine Apfel- und Quittensäfte nur im Betrieb in Miedelsbach. Edelbrände der Berglener Waldhornbrennerei gibt es nur vor Ort und auf drei Wochenmärkten: in Kornwestheim, Aalen und Sindelfingen.

"Slow Food" im Remstal

Nina Jülich betreut den Stand der Waldhornbrennerei. „Slow Food“ heißt für sie bewusst genießen: „Statt die Brände einfach herunterzukippen, bedeutet es, sich mehr Zeit zu nehmen. Wir servieren unseren Whisky – bei dem übrigens in Kürze der Europäische Gerichtshof entscheidet, ob er weiter „Glen“ heißen darf – in speziellen Destillatgläsern, wo er sein volles Aroma entwickeln kann.“

Durchstampfen vs. natürliche Gärung

Für Helen Schmalzried, deren Familie das gleichnamige Öko-Weingut in Korb betreibt, fängt „Slow Food“ schon beim Reifen des Weins an. „Wir verwenden zur Weingärung natürliche Hefen, die auf den Weintrauben wachsen, wenn man nicht dagegen spritzt.“ Das Weingut setze auf Spontangärung. Das ist der natürliche mikrobiologische Vorgang, der einsetzt, wenn man Früchte auspresst und im eigenen Saft gären lässt. Dazu lasse man sich ein Jahr Zeit für die Vergärung: „Wein wird oft schnell durchgestampft, das schmeckt man dann auch. Wir lassen dem Wein dagegen Zeit, sich zu entwickeln und seine Qualität voll auszuprägen.“

Ganz wie die Herstellung benötigt dann wohl auch der Verzehr der angebotenen Leckereien seine Zeit. So eben mal runterkippen ist verpönt. Beim ersten Schluck des Muskat-Trollinger rosé kommt bei der Autorin noch kein Aha-Erlebnis auf. Aber das könnte auch - zugebenermaßen - daran liegen, dass die Geschmacksrezeptoren durch Geschmacksverstärker & Co. schon ziemlich abgestumpft sein könnten. Es könnte an der Zeit sein, sich auf den „Slow Food“-Trend einzulassen, und dabei möglicherweise auch den Genuss natürlicher Aromen wiederzuentdecken. Und auch bei Slow Food gilt natürlich: Alles Geschmackssache.