Städte-Ranking des „Economist“: Warum Stuttgart vor London und New York landet
Einmal im Jahr kürt die renommierte internationale Wochenzeitung „The Economist“ die lebenswertesten Städte der Welt. Und im aktuellen Ranking gibt es eine faustdicke Überraschung. Als einzige Stadt aus Deutschland konnte Stuttgart seine Position verbessern. Um 13 Plätze ging es nach oben auf Rang 25. Damit rangiert die baden-württembergische Landeshauptstadt jetzt vor den Weltstädten London (46) und New York (69) – wie ist das zu erklären?
Welche Faktoren in die Bewertung einfließen
Allgemein gefasst werden für den Index die Faktoren Stabilität, Gesundheitswesen, Bildung, Infrastruktur sowie Kultur und Umwelt bewertet. Ein Index von 100 ist die maximale Punktzahl. Aus den sechs Kategorien wird mit unterschiedlicher Gewichtung ein Gesamt-Index gebildet aus dem sich die Lebensqualität in der jeweiligen Stadt ergibt. Konkretes Beispiel: Der alte und neue Spitzenreiter Wien bekommt in der Summe einen Index von 98,4. Der setzt sich wie folgt zusammen:
- Stabilität: 100 / 25 Prozent der Wertung
- Gesundheitswesen: 100 / 20 Prozent
- Kultur und Umwelt: 93,5 / 25 Prozent
- Bildung: 100 / 10 Prozent
- Infrastruktur: 100 / 20 Prozent
Mit Ausnahme der Kesselstadt alle anderen deutschen Citys verloren. So rutschten unter anderem Berlin (von 13 auf 17), München (18 auf 21), Hamburg (16 auf 22) und Düsseldorf (22 auf 29) ab. Frankfurt, das 2022 noch in den Top Ten gelandet war, verlor sogar zehn Plätze.
Mehrere europäische Städte, darunter auch Stockholm, Rotterdam und London, fielen diesmal deutlich zurück. Deren Bewertungen hätten sich zwar nicht deutlich verschlechtert, doch Städte in Asien und dem Mittleren Osten hätten aufgeholt, hieß es in dem Artikel vom Donnerstag (22.06.). Außerdem wurde auf Streiks und gewalttätige Proteste in Westeuropa hingewiesen, die zuletzt häufiger vorkamen.
Die Spitzenplätze im Ranking:
- Wien, Österreich (98,4)
- Kopenhagen, Dänemark (98)
- Melbourne, Australien (97,7)
- Sydney, Australien (97,4)
- Vancouver, Kanada (97,3)
- Zürich, Schweiz (97,1)
- Calgary, Kanada (96,8)
- Genf, Schweiz (96,8)
- Toronto, Kanada (96,5)
- Osaka, Japan (96)
- Auckland, Neuseeland (96)
Ein Wert zwischen 80 und 100 bedeutet ein entspanntes Leben. Zwischen 70 und 80 gibt es für ein weitgehend entspanntes Alltagsleben mit einigen kleineren Problemen. Bei einem Wert zwischen 60 und 70 haben negative Faktoren einen Einfluss auf den Alltag. Dann wird es ungemütlich: 50 bis 60 bedeutet die Lebensqualität ist erheblich eingeschränkt und ein Wert unter 50 heißt: Die meisten Aspekte des Lebens sind stark eingeschränkt. Das sind die letzten zehn Plätze:
- 164. Douala, Kamerun (46,4)
- 165. Kiew, Ukraine (44)
- 166. Harare, Zimbabwe (43,8)
- 166. Dhaka, Bangladesch (43,8)
- 168. Port Moresby, Papua Neu-Guinea (43,4)
- 169. Karachi, Pakistan (42,5)
- 170. Lagos, Nigeria (42,2)
- 171. Algiers, Algerien (42)
- 172. Tripolis, Libyen (40,1)
- 173. Damaskus, Syrien (30,7)
Stuttgart gehört mit seinem Satz um 13 Plätze nach vorne sogar zu den zehn Städten, die im aktuellen Ranking den größten Sprung gemacht haben. Den neuseeländischen Städte Wellington (+35) und Auckland (+25) gelang der größte Aufstieg, Edinburgh (Schottland/-23) und Stockholm (Schweden/-22) der tiefste Fall.
Warum macht Stuttgart so einen großen Satz nach vorne?
Aber wie begründen die Autoren der Studie den rasanten Aufstieg der Schwaben-Metropole? „The biggest two non-Asian climbers are Romania’s capital, Bucharest, and Stuttgart in Germany, which both saw improvements in the healthcare category following the removal of their last covid-related restrictions“, heißt es in der englischen Zusammenfassung der Studie (hier finden Sie das Dokument).
Die Begründung liegt also vor allem in der Beurteilung von Gesundheitsversorgung. Hier sei Stuttgart weniger "gestresst" gewesen als andere Städte während der Pandemie oder durch Corona-Beschränkungen. Die Strukturen seien stabil und ausreichend für die Bevölkerung, also in einem guten Verhältnis.
Doch nicht nur das Gesundheitswesen trägt zur Lebensqualität der Stuttgarterinnen und Stuttgarter bei. Unlängst hat auch der Spiegel aus Hamburg die Schwaben-Metropole für sich entdeckt und in einem Artikel unter dem Titel "So schön ist Stuttgart" erklärt, was die Stadt und ihr Umland so reizvoll macht. Als Beispiele werden dort unter anderem der Blaustrümpflerweg, der Eichenhain in Sillenbuch und der Max-Eyth-See genannt, aber auch Klassiker wie die Karlshöhe und den Birkenkopf ("Monte Scherbelino") finden sich in der Auflistung.



