Viele Glätte-Unfalle in Stuttgart: Lange Wartezeiten in den Notaufnahmen
Stuttgart. Großer Belastungstest für die Krankenhäuser in Stuttgart und der Region: Gefrierender Regen hat am Mittwochmorgen (15.01.) die Straßen und Wege in spiegelglatte Eisflächen verwandelt. Es kam zu Hunderten Unfällen. Und vielen Verletzten. Im Rems-Murr-Klinikum in Winnenden stellten sich bereits am frühen Vormittag rund zehnmal so viele Patienten in der Notaufnahme vor wie bei normalen Wetterlagen. Wie ist die Lage in den Kliniken in Stuttgart?
„Auch wir haben heute ein großes Aufkommen und viel mehr Patienten in der Notaufnahme“, sagt Annette Seifert vom Klinikum Stuttgart auf Nachfrage unserer Redaktion. Am Morgen habe man bereits 50 Patienten behandeln müssen. An einem normalen Tag seien es rund 80 – wohlgemerkt am ganzen Tag.
Die meisten Verletzungen sind Knochenbrüche am Unterarm und/oder am Handgelenk. Das Stuttgarter Polizeipräsidium berichtet in seiner vorläufigen Bilanz zudem von knapp 150 Verkehrsunfällen aufgrund von Glätte und Blitzeis. Für den gesamten Stadtkreis sei am Morgen „eine Außergewöhnliche Einsatzlage ausgerufen“, heißt es von der Feuerwehr.
Notaufnahmen im Robert-Bosch-Krankenhaus und Klinikum Stuttgart sind voll
Derzeit sei die Notaufnahme noch voll, sagt Annette Seifert. Man müsse mit langen Wartezeiten rechnen, so Seifert zum aktuellen Stand um 14 Uhr. Die Schwere der Verletzung entscheidet dabei über die Priorität der Behandlung. Grundsätzlich betont sie aber: „Knochenbrüche sind in der Notaufnahme richtig, damit geht man nicht zum Hausarzt.“
Ganz ähnlich stellen sich auch die Umstände im Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) dar. „Es ist eine außerordentliche Lage“, sagt RBK-Sprecherin Manuela Feyder auf Nachfrage unserer Redaktion. Die Unfallbilder der zahlreichen gestürzten Fußgänger bieten dabei alles, was die klassische Unfallchirurgie betrifft. Vor allem Frakturen, also Knochenbrüche.
„Wir haben heute in der Notaufnahme eine äußerst herausfordernde Situation“, umschreibt Professor Mark Dominik Alscher, der medizinische Geschäftsführer des Robert Bosch Krankenhauses, das Lagebild. Aufgrund des angekündigten Ärztestreiks habe man die Kapazitäten in der Notaufnahme ohnehin „verdoppelt und das auch, trotz Absage des Streiks, beibehalten“, sagt Alscher. Dennoch erfordere „die massive Vielzahl an Notfällen enorme Leistungen von allen Mitarbeitenden“.
Im Robert-Bosch-Krankenhaus wurden alle geplanten OPs verschoben
An einem normalen Tag landen laut Klinik-Sprecherin Manuela Feyder um die 150 Patienten in der RBK-Notaufnahme. Derzeit gibt es noch keine aktuellen Zahlen zu diesem turbulenten Mittwoch, das Personal ist verständlicherweise mit seiner Kernaufgabe beschäftigt. Es gehe jedoch „weit, weit über das übliche Maß hinaus“, sagt Feyder.
Man habe alle elektiven Operationen, also alle geplanten und nicht lebensnotwendigen OPs, verschoben, um die nötigen Kapazitäten für all die dringlichen Notfälle zu schaffen. Man habe alle Betten reaktiviert, die man im Haus habe, so Feyder.



