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Warum man auf Lebensmittel aus Dosen-Konserven verzichten sollte

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Gesundheitsschädliche Chemikalien in Dosenkonserven. © pixabay.com/Webandi

Lebensmittel aus Dosenkonserven lassen sich in der Regel vielseitig, schnell und unkompliziert für zahlreiche Gerichte einsetzen. Doch regelmäßig wird die Frage nach gesundheitlichen Risiken durch bedenkliche Chemikalien gestellt. So auch jetzt wieder durch die Zeitschrift "Öko-Test", welche ganz aktuell zahlreiche Mais-Dosen ins Visier genommen hat und zu recht besorgniserregenden Erkenntnissen kam.

Bisphenol A in allen getesteten Mais-Dosen nachgewiesen

In 21 (!) von 21 Mais-Konserven aus der Dose, darunter auch zahlreiche Bio Produkte, wurden im Labor die bedenkliche Massenchemikalie Bisphenol A (BPA) festgestellt. Die Chemikalie kann sich aus den Lackierungen der Metalldosen lösen und "das in größeren Mengen, als es laut neuester Erkenntnisse gut für unsere Gesundheit ist", schreibt "Öko-Test". In den fünf getesteten Mais-Konserven im Glas ist die Chemikalie dagegen nirgends aufgetaucht. 

Bereits im April veröffentlichte "Stiftung Warentest" ebenfalls Ergebnisse von auf BPA untersuchten Lebens­mittel-Konserven, darunter Eintöpfe, Thun­fisch, Kokos- und Kondens­milch sowie Gemüse. Ergebnis: 51 von 58 Produkten sind belastet gewesen.

Mögliche Folgen durch BPA-Aufnahme

Es ist schon lange bekannt, dass BPA eine hormonelle Wirkung hat und in der EU offiziell als "wahrscheinlich reproduktionstoxisch eingestuft ist". Darüber hinaus heißt es auch, dass von BPA möglicherweise weitere Gefahren wie ein Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Übergewicht ausgehen könnten. 

Dass die Chemikalie jedoch bereits in geringen Mengen auch Auswirkungen auf unser Immunsystem haben könnte, ist vielen noch nicht bekannt gewesen. Ein Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) machte bereits im vergangenen Jahr darauf aufmerksam. Die EFSA bezog sich auf die aktuelle Studienlage und senkte als Konsequenz die Tagesdosis an Bisphenol A, die sie noch für gesundheitlich vertretbar hält, den sogenannten TDI, deutlich ab.

Und diese tolerable Tagesdosis soll eine 60 Kilo schwere Person mit allen 21 Mais-Konserven aus der Dose im Test nach Angaben von "Öko-Test" um ein Vielfaches ausschöpfen, wenn sie davon nur 50 Gramm pro Tag isst. Mit dem am höchsten belasteten Produkt sogar um mehr als das 400-Fache. Die am wenigsten belasteten Produkte im Test würden den TDI übrigens zum Vergleich immer noch um rund das Zehnfache überschreiten.

Wie gelangt BPA an die Lebensmittel?

Stellt sich die Frage, wie es heutzutage immer noch möglich ist, dass diese Mengen gesundheitsschädlicher Chemikalien an Lebensmittel gelangen können. Erst Recht, wenn man bedenkt, dass die Industrie in den vergangenen Jahren Dosen entwickelt hat, die innen ohne Verwendung von BPA beschichtet sind.

Nach Angaben der Hersteller wurden sogenannte "BPA-non-intent"-Dosen auch bei den getesteten Dosen verwendet. Einige erklären jedoch, dass der genannte Stoff aus den Epoxidharzen weiterhin in den Außenlackierungen vieler Dosen zum Einsatz kommt. Durch Kreuzkontamination würden wohl nach Angaben eines Herstellers gegenüber "Öko-Test" geringe Mengen auch auf die Innenlackierungen gelangen. Dies sei unvermeidlich. Auch in der Umwelt sei BPA vorhanden und könne somit einen geringen Eintrag erklären. Eine weitere Kontaminationsmöglichkeit sieht "Öko-Test" be der "Haltbarkeitmachung der Mais-Konserven mittels Sterilisierung". Durch diese Prozess wird der Mais jahrelang haltbar gemacht. Jedoch sollen dabei eben auch unerwünschte Chemikalien aus dem Dosenlack an die Lebensmittel geraten. 

EU-Kommission bringt BPA-Verbot auf den Weg

In Zukunft könnte sich das jedoch ändern. Schließlich soll die EU-Kommission den Mitgliedsstaaten der EU bereits eine Verordnung zur Beratung vorgelegt haben, wonach ein Verbot von BPA für die Verwendung in sämtlichen Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, angestrebt wird.  

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