Stuttgart & Region

Warum sich die Bürgermeisterin zu diesem emotionalen Video entschlossen hat

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Die Mutlanger Bürgermeisterin Stephanie Eßwein fand in der Krise klare Worte. © privat

Mutlangen. Starke Worte hat sie gewählt in ihrem „letzten, dringenden Appell“ an die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Mutlangen. Durchaus emotional war sie, die Videobotschaft, mit der Bürgermeisterin Stephanie Eßwein am Donnerstag drastisch klargemacht hat, dass in Sachen Corona jetzt absolut Schluss mit lustig ist, dass nicht nur eine Ausgangssperre drohe, sondern auch Verhältnisse wie in Bergamo, im nahen Italien, wo das Militär die Leichen aus der Stadt bringe und die Krematorien rund um die Uhr liefen.

Wie kam es zu dieser gefühlsbetonten Rede, welches Echo hat sie ausgelöst? „Ich hatte eigentlich“, beantwortet Stephanie Eßwein diese Fragen, „an diesem Tag keine meiner bis dahin regelmäßigen Corona-Videobotschaften mehr machen wollen.“

Dann aber habe sie Gruppen von Menschen gesehen, die trotz der Warnungen dicht an dicht in der Sonne saßen. Die Polizei habe eine Party in Heubach auflösen müssen. „Da hab ich gedacht: Das kann’s doch nicht sein.“

Der letzte Appell

Womöglich, meint Eßwein, habe sie sich in diesem letzten Appell ein bisschen „in Rage geschwätzt“, aber vielleicht müsse das auch so sein. Denn das Echo sei riesig gewesen. Fast 94 000 Aufrufe hat der letzte Appell inzwischen bekommen. Hunderte Grußbotschaften über Facebook, E-Mail, Instagram, Whatsapp oder per Telefon - „alle durch die Bank positiv“ - haben die Mutlanger Bürgermeisterin erreicht. „Die Leute bedanken sich für die deutlichen Worte; sie loben, dass klare Kante gezeigt wurde“, erzählt Eßwein. Niemand habe signalisiert, dass es zu viel gewesen sei - zumindest nicht ihr gegenüber, sagt sie, wobei ihr klar ist, dass es sicher auch Leute gibt, die die Emotion kritisch sehen. Trotzdem freut sie sich darüber, dass sie plötzlich wieder von Menschen gehört habe, zu denen sie lange keinen persönlichen Kontakt mehr hatte. Erstaunt ist die Bürgermeisterin, wie weit ihr Video reicht: Aus Italien sei „ein Danke“ gekommen und die Versicherung, „Ihr macht das genau richtig.“ Sogar aus Spanien kam Ermunterung von Menschen, die nun schon sieben Tage in Quarantäne leben und den Mutlangern versichern, dass das nicht erstrebenswert sei.

Was Stephanie Eßwein auch freut: Das Miteinander im Landkreis und die Unterstützung durch das Landratsamt und besonders das Gesundheitsamt seien großartig. Vieles funktioniere auf kurzem Weg - „das ist so viel wert“, unterstreicht sie. Gemeinsam haben sich in einer großangelegten Kampagne am Freitag auch der Landrat, alle Oberbürgermeister und Bürgermeister und die Dekane an die Bürger gewandt. Dies scheint zu fruchten. Die Ostalbbürger zeigten Vernunft, suchten kreative Wege, wie das weitgehende Kontaktverbot eingehalten und das Notwendigste trotzdem organisiert werden könne. Im Mutlanger Rathaus zum Beispiel sei der Vor-Ort-Betrieb auf das Wesentliche reduziert und Arbeit im Home-Office angesagt. „Das klappt sehr gut und wir entdecken ganz neue Möglichkeiten“, sagt Stephanie Eßwein. Für den Gemeinderat überlege man derzeit ein „Go-to-meeting“-Tool. Sitzungen wären damit wohl möglich, schwierig werde es aber mit der Öffentlichkeit, erklärt die Bürgermeisterin, die sich immer freut, dass die Mutlanger Bürger so großes Interesse an den Sitzungen zeigen.