Stuttgart & Region

Wer wird neuer Oberbürgermeister von Stuttgart? 14 Kandidaten stehen zur Wahl am 8. November

Schlossplatz
Symbolbild. © Alexandra Palmizi

Die Kandidaten für die Wahl des Stuttgarter Oberbürgermeisters stehen fest. Vor Ablauf der Bewerbungsfrist hatten 17 Interessierte ihre Bewerbung eingereicht. 14 Kandidaten hat der Wahlausschuss inzwischen zur Wahl am 8. November zugelassen. Erlangt keiner der Bewerber im ersten Durchlauf die absolute Mehrheit, kommt es drei Wochen später zur Neuwahl.

450 000 Wahlbenachrichtigungen hat die Stadt Stuttgart an die Wähler verschickt. Mehr als 613 000 Menschen leben in Stuttgart. Wählen dürfen den neuen Oberbürgermeister alle, die mindestens 16 Jahre alt, Deutsche sind oder die Staatsangehörigkeit eines anderen Mitgliedsstaates der Europäischen Union besitzen und seit mindestens drei Monaten in Stuttgart wohnen (Hauptwohnsitz).

Wer sind die Kandidaten, die den aktuellen Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) beerben wollen? Am 20. Oktober stellten sie sich bei einer Veranstaltung der Stadt vor. Hier ein kurzer Umriss.

OB Wahl 2020 Stuttgart Marian Schreier
OB Kandidat Marian Schreier. © Gerber & Loesch

Marian Schreier, 30, kandidiert als Parteiloser, ist aber Mitglied der SPD. Schreier ist seine Kandidatur im Alleingang angegangen, ohne dies mit der Partei abzustimmen. Als dies im Streit endete und von einem möglichen Rauswurf die Rede war, signalisierte er, dass er als freier, dennoch als Parteimitglied den Wahlkampf bestreiten möchte. Seine Rechte als SPD-Parteimitglied sollen bis zu einem möglichen zweiten Wahlgang ruhen. Aktuell ist Schreier Bürgermeister der Stadt Tengen, aufgewachsen ist er aber in Stuttgart, die Abiturprüfung legte er am Eberhard-Ludwig-Gymnasium ab. Studiert hat Schreier Politik- und Verwaltungswissenschaften. Als Oberbürgermeister brauche man keine grauen Haare, Kompetenz sei keine Frage des Alters, so Schreiers Meinung.

OB Wahl 2020 Stuttgart OB Dr Frank Nopper kandidiert für den OB in Stuttgart
OB Dr Frank Nopper kandidiert für den OB in Stuttgart. © campaigners Network

Dr. Frank Nopper, 59, kandidiert für die CDU bei der Wahl zu Stuttgarts Stadtoberhaupt. Aktuell ist er Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Backnang – das schon seit 18 Jahren. Aufgewachsen ist Nopper aber in Stuttgart, 1980 legte er die Abiturprüfung am Wilhelms-Gymnasium in Degerloch ab. Nopper sei Stuttgarter vom Scheitel bis zur Sohle, so sagt er. Seine Wurzeln würden kilometerweit reichen. Ein Urgroßvater sei Schultheiß (veraltetes Wort für Gemeindevorsteher) vom damals selbstständigen Bad Cannstatt gewesen. Ein anderer Urgroßvater gründete 1816 die Firma Eisenwarenhandlung Zahn und Nopper, nach der heute noch eine Straße in Zuffenhausen benannt ist. Laut Wikipedia erntete Nopper Kritik, weil er „vor Beginn des offiziellen Wahlkampfzeitraums in Stuttgart plakatiert hatte“, ohne dies vorab anzumelden. Er ist verheiratet und Vater zweier Söhne.

OB Wahl 2020 Stuttgart Dr Malte Kaufmann AFD
OB Kandidat Dr. Malte Kaufmann. © Privat

Dr. Malte Kaufmann, 43, kandidiert für die AfD bei der Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl. Aufgewachsen ist Kaufmann im Rhein-Neckar-Kreis (Mannheim, Speyer), aktuell lebt er mit seiner Frau und den vier Kindern in Mühlhausen bei Heidelberg. 2008 gründete der studierte VWLer und Immobilienwirtschaftler sein eigenes Unternehmen "Kaufmann Immobilien". Von 2002 bis 2016 war Kaufmann Mitglied der CDU, seit 2017 ist er Mitglied der AfD. Er ist Kreisrat im Rhein-Neckar-Kreis und Vorsitzender der AfD-Kreistagsfraktion, Vorstand der AfD Heidelberg sowie Vorsitzender der AfD-Fraktion in der Verbandsversammlung Metropolregion Rhein-Neckar. Er stehe für eine Politik fernab linksgrüner Ideologie.

OB Wahl 2020 Stuttgart Hannes Rockenbauch
OB Kandidat Hannes Rockenbauch. © Privat

Hannes Rockenbauch, 40, zieht für die Partei SÖS-Linke-PluS in den Wahlkampf. Er ist vielen aus den Schlichtungsgesprächen um Stuttgart 21 bekannt. Er ist einer der Gegner des Bahnprojekts und auch heute noch auf den Montagsdemos dabei. Nach wie vor spricht er sich für den Erhalt des Stuttgarter Kopfbahnhofs aus. Auch schon bei der vergangenen OB-Wahl 2012 versuchte er sein Glück. Rockenbauch sitzt seit 2004 im Stuttgarter Gemeinderat – erst als Alleinkämpfer, nun mit Unterstützung der Linken. Laut seiner Homepage setze er sich für eine parteiübergreifende, ökologische und soziale Politik ein. Studiert hat Rockenbauch unter anderem Architektur und Stadtplanung. Er ist verheiratet und Vater zweier Töchter. Aktuell muss sich Rockenbauch zusammen mit zwei weiteren Parteigenossen vor Gericht wegen Hausfriedensbruch verantworten. Er war laut DPA im Mai in eine leerstehende Wohnung eingedrungen und hat von dort aus ein Interview gegeben.

OB Wahl 2020 Stuttgart John Heer
OB Kandidat John Heer. © Privat

John Heer, 54, parteilos, ist in Stuttgart-Zuffenhausen aufgewachsen und Vater zweier erwachsener Kinder. Nach der Mittleren Reife machte er eine Ausbildung als Stahlbetonbauer, anschließend als Immobilienkaufmann. Seit 1992 ist er im Immobilienbereich „Bauen und Überwachen“ tätig. 2012 erlangte er die Zulassung der IHK als Ausbilder der Immobilienkaufleute. Sein Motto: Handeln, anstatt nur zu reden. Seiner Meinung nach haben sowohl der aktuelle Oberbürgermeister Fritz Kuhn wie auch der Gemeinderat in verschiedenen Bereichen versagt, etwa beim Thema Sicherheit, Sauberkeit oder sozialer Wohnungsbau – ebenso beim Thema Bürgernähe. Kuhn hätte sich nicht über das Gremium hinwegsetzen können oder wollen, so Heer.

Friedhild Anni Miller
Fridi Miller als Kandidatin für den OB sitz in Stuttgart- © Alexandra Palmizi

Friedhild Miller, 51, parteilos, ist bei sämtlichen Bürgermeister- oder Oberbürgermeisterwahlen in den vergangenen Jahren als Kandidatin angetreten. Sie kandidierte sogar für das Amt der Bundeskanzlerin 2017. Die Wahl in Stuttgart sei ihre 112. Wahl, wie sie sagt. Ob sie überhaupt zugelassen wird, hing lange an einer Wählbarkeitsbescheinigung, die ihr die Stadt Böblingen ausstellen musste. In der Vergangenheit hatte sich Fridi Miller, die sich selbst als Aufdeckungspolitikerin bezeichnet, nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Nachdem sie den Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer im Zuge der OB-Wahl mehrfach beleidigt hatte, hatte dieser auf Unterlassung geklagt. Daraufhin wurde sie vom Gericht für geschäftsunfähig erklärt (STN vom 28.02.2019). Für sie steht die Familie und die Liebe im Mittelpunkt ihres Handelns. Stuttgart wolle sie demnach zu einer liebenswerten friedlichen Fridi-Metropole gestalten, wo Kinder eine unbeschwerte Zukunft haben.

OB Wahl 2020 Stuttgart Issam Abdul-Karim
OB Kandidat Issam Abdul-Karim. © Ferdinando Iannone

Issam Abdul-Karim, 50, parteilos, hat sich "Einfach Machen" als Motto gesetzt. Abdul-Karim ist nach eigenen Angaben in einem Brennpunktviertel in Stuttgart-Zuffenhausen aufgewachsen. Als Migrant habe er es nicht leicht gehabt, er wisse, wie schwer es ist, mit ausländischen Wurzeln in Deutschland Fuß zu fassen. Er ist verheiratet, Vater zweier studierender Kinder. Er kandidiert als parteiloser, sei innovativ und zuverlässig. Er engagiert sich unter anderem für Kunst, Zivilcourage und Frieden. Bei Gehweg-Gesprächen habe er viel über die Ängste und Nöte der Stuttgarter erfahren, was ihn motiviert hatte, seine Bewerbung einzureichen. Weil ihm das Thema Klimaschutz so sehr am Herzen liege, habe er bewusst etwa auf Wahlplakate verzichtet, weil diese unnötige Ressourcen verbrauchen. Lieber unterstütze er finanziell die Vesperkirche. 2017 wurde er zum Stuttgarter des Jahres gewählt, ein Ehrenamtspreis, der von der Stuttgarter Versicherungsgruppe und der Stuttgarter Zeitung gestiftet wird.

OB Wahl 2020 Stuttgart Marco Völker
OB Kandidat Marco Völker. © Privat

Marco Völker, 43, parteilos, ist verheiratet und lebt in Aachern im Ortenaukreis. Aufgewachsen ist Marco Völker nach eigenen Angaben überwiegend in Freiburg im Breisgau, wo er zunächst den Hauptschulabschluss gemacht hat, um sich dann mithilfe eines Fernstudiums über Umwege bis zur Anstellung in einem großen Konzern hochzuarbeiten. Völker ist nicht mit Stuttgart verbandelt. Der Grund, warum ihn die Stuttgarter dennoch wählen sollen, ist seiner Meinung nach, dass er sich vornimmt, keine Versprechen zu machen, die er nicht einhalten könne – anders als es seine Vorgänger gemacht hätten. Der wahre Bürgerwille soll unter seiner Leitung besser erfragt werden, meint er. Aktuell arbeitet er als Betriebswirt/Manager bei der Climeworks AG. Das Unternehmen filtert CO2 aus der Umgebungsluft. Ziel des Unternehmens sei es, ein Prozent der jährlichen globalen CO2-Emission aus der Luft zu filtern (Quelle: Wikipedia).

OB Wahl 2020 Stuttgart Martin Körner
OB Kandidat Martin Körner. © Franziska Kraufmann

Martin Körner, 50, kandidiert für die SPD. Seit 2014 ist er Vorsitzender der Gemeinderatsfunktion. Außerdem ist er Aufsichtsrat der Stuttgarter Straßenbahnen AG und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SWSG, bis 2019 war er Aufsichtsrat bei den Stadtwerken Stuttgart. Vielen Stuttgartern ist er bekannt, weil er bis 2014 Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost war. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter. Körner hat Volkswirtschaftslehre studiert, steht seit 25 Jahren im Beruf und fühlt sich damit gewappnet für das Amt. Seine Einstellung, mit der er als Oberbürgermeister agieren möchte, lautet: "Mit dem Mut, aufzubrechen. Mit der Erfahrung, alles im Blick zu behalten. Und vor allem mit dem Empfinden, dabei menschlich zu bleiben. Stark bleiben, Zukunft gestalten, zusammenhalten: Das sind meine Leitplanken für Stuttgart", sagt er. Wichtig sei ihm außerdem, dass sich Menschen das Wohnen in der Stadt leisten können - sei es in Miete oder sei es als Eigentum.

OB Wahl 2020 Stuttgart Werner Ressdorf
OB Kandidat Werner Ressdorf. © Privat

Werner Ressdorf, 66, parteilos, ist in Brasilien geboren, kam vor 51 Jahren nach Stuttgart, lebt aktuell in Villingen-Schwenningen. Auf seiner Facebook-Seite ist ein großes Bild zu sehen mit der Aufschrift „70 000 Stimmen für einen neuen Kopf im Bundestag – damit ein Impuls durchs Land geht!“, wobei man sich fragt, was er eigentlich möchte: OB von Stuttgart werden oder doch lieber als Bundestagsabgeordneter im kommenden Jahr in Berlin mitbestimmen? Bereits 2012 bei der OB-Wahl versuchte er sein Glück in Stuttgart. Sein Traum: Ein weißer Tempel auf dem Monte Scherbelino, wie die Stuttgarter den Birkenkopf nennen. Dieser soll aber nicht durch Steuergelder sondern mit Hilfe von Spendengeldern finanziert werden. Ressdorf hat eine Ausbildung zum Industrie-Kaufmann gemacht, bevor er sich an der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie weiterbildete. Er war Mitarbeiter der Widerspruchsstelle, außerdem habe er eine Beratungstätigkeit für die brasilianische Regierung innegehabt.

OB Wahl 2020 Stuttgart Sebastian Reutter
OB Kandidat Sebastian Reutter. © Privat

Sebastian Reutter, 40 (parteilos), ist aktuell Wirtschaftsförderer der Landeshauptstadt. Der studierte Jurist arbeitet nach eigenen Angaben seit zehn Jahren im Stuttgarter Rathaus und kenne sich in Sachen Kommunalpolitik gut aus. Auf Bildern, die auf seiner Internetseite zu finden sind und ihn bei Wahlgesprächen zeigen, outet er sich als Turnschuhtyp mit weißem Hemd. Er bewirbt sich für das Amt des Oberbürgermeisters, weil er der Meinung ist, dass sich die Stuttgarter einen überparteilichen Oberbürgermeister wünschen, der lösungsorientiert vorgeht. Außerdem brauche es an der Spitze jemanden, der sich mit Wirtschaft auskenne. Er hat sich aber noch viele andere Themen auf die Fahnenstange geschrieben, wie etwa das 365 Euro-Jahresticket für für den ÖPNV, die Modernisierung der Schulen sowie das Optimieren der Vergabeplattform von Kita-Plätzen.  Reutter ist in Stuttgart aufgewachsen und hat am Albert-Magnus-Gymnasium in Stuttgart-Sommerrain sein Abitur gemacht.

OB Wahl 2020 Stuttgart Veronika Kienzle
OB Kandidatin Veronika Kienzle. © Tom Ziora

Veronika Kienzle, 57, zieht für die Grünen in den Wahlkampf. Aktuell ist sie Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte. Fast schon typisch für eine Grünen-Politikerin legt sie ihre Wege nach eigener Auskunft gerne mit und auf dem Fahrrad zurück. Aufgewachsen ist Kienzle in Bremen und in Worpswede, wo sie zunächst als Waise im Waisenhaus gelebt hat, bevor sie dann von einer Pflegefamilie aufgenommen wurde. Studiert hat Kienzle bei Else Klink Eurythmie. Beruflich hat sie in vielen Bereichen Erfahrungen gesammelt, wie sie auf ihrer Homepage schreibt. Beispielsweise hat sie die Flüchtlingsbetreuung in der Landeshauptstadt koordiniert oder hat sich im Krankenhausreferat um das Klinikum gekümmert. Sie ist verheiratet und Mutter einer Tochter. Als Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl möchte sich Kienzle nicht an „Überbietungswettbewerben der Ankündigungen und Versprechungen“ beteiligen. Konflikte löse sie lieber durch Zuhören, Nachfragen und geduldige Moderation. Das habe sie als Bezirksvorsitzende oft genug bewiesen.

OB Wahl 2020 Stuttgart Dr Ralph Schertlen
OB Kandidat Dr. Ralph Schertlen. © Wolfgang Weichert

Dr. Ralph Schertlen, 51, parteilos, hat bereits 2012 für das Amt des Oberbürgermeisters als Parteiloser kandidiert. Damals konnte er rund ein Prozent der Wählerstimmen für sich abgreifen, wie er sagt. Was ihn aber motiviert hat, bei der Wahl zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt erneut anzutreten, sie der große Zuspruch gewesen, den er in seiner Zeit als Stadtrat erhalten habe. Endlich gebe es mal jemanden, der volksnah sei, der mit den Leuten spricht, hätten die Leute zu ihm gesagt, so Schertlen. Als Stadtrat konnte er sich für die Probleme und Anliegen der Bürger einsetzen. Im Stuttgarter Gemeinderat saß Schertlen bis 2019 für die Stadtisten. Die Wählervereinigung hatte Ralph Schertlen mit Gleichgesinnten 2013 ins Leben gerufen, 2019 trat er aus der Partei aus, „weil es inhaltlich nicht mehr passte“, meint er. Ein Schritt, den er bis heute nicht bereue.

Querdenker Demo auf dem Wasen - Michael Ballweg kündigt an keine Demonstrationen mehr zu Organisieren - Ballweg gibt Statement
OB Kandidat Michael Ballweg. © 7aktuell Marc Gruber

Michael Ballweg, 45, parteilos, ist Unternehmer im IT-Bereich. Im April 2020 rief Ballweg mit den Querdenkern711 die Corona-Maßnahmen-Gegner auf den Plan. Als Oberbürgermeister wolle er zuallererst die Corona-Maßnahmen beenden und die Grundrechte stärken. Er setze sich für den Erhalt des Kopfbahnhofes ein sowie für Tempo 50, statt 40 im Stadtbezirk. Außerdem möchte der Initiator der Anti-Corona-Maßnahmen-Demos sich für eine Welt einsetzen, in der alle in Freiheit und im Frieden miteinander leben. Er selber bezeichnet sich als Friedensaktivist, wobei die Frage im Raum steht, ob sein Handeln wirklich Frieden in der Welt bewirken kann. Darüber hinaus möchte sich Ballweg für den Umweltschutz stark machen, so sagt er. Würde er gewählt werden, möchte er jeden Monat 10 000 Euro seines Gehalts für ein soziales Projekt spenden.

Quelle: www.stuttgart.de