Stuttgart & Region

Zoll findet 170 000 Aale in Reisekoffern

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Wegen ihrer durchsichtigen Haut werden die Jungtiere auch Glasaale genannt. © Ramona Adolf
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Gegen 14 Uhr konnte mit dem Aussetzen begonnen werden.

Stuttgart. Zollbeamte haben am Montagmorgen am Stuttgarter Flughafen 170 000 Aale in gewöhnlichen Reisekoffern gefunden. Zwei Männer hatten die Jungtiere nach Vietnam schmuggeln wollen, wo Glasaale als Delikatesse gelten und für viel Geld verkauft werden können. In einer aufwändigen Rettungsaktion wurden die Aale noch am selben Tag bei Karlsruhe im Rhein ausgesetzt.

Der Zoll hatte gegen sechs Uhr zwei Männer bei der Ausreise kontrolliert. Als sie das Gepäck überprüften, fanden sie in vier gewöhnlichen Reisekoffern tausende lebendige Jungaale, wegen ihrer durchsichtigen Haut auch Glasaale genannt. Die beiden Männer hatten die Jungtiere nach Vietnam schmuggeln wollen. Dort gelten Glasaale als Delikatesse, das Kilo kann für bis zu 4 000 Euro verkauft werden. Der Handel mit dem Europäischen Aal unterliegt strengen Vorgaben, außerhalb Europas ist er komplett verboten. Die Besitzer der Koffer durften ihre Reise zunächst ohne die Tiere fortsetzen.

48 Einzelpakete mit je 3 500 Tieren

Die Zollfahndung Stuttgart ermittelt nun gegen die malaysischen Staatsangehörigen, die beide einen Wohnsitz in Rheinland-Pfalz haben. In 48 Einzelpaketen zu je 3 500 Fischen hatten sie die Tiere auf die Koffer aufgeteilt. Die Fischereibehörde schätzt, dass Profis am Werk waren. Den Tüten war reiner Sauerstoff beigefügt worden, damit die Tiere den langen Transport überleben. Zwei Transporttüten wurden verwendet, für den Fall dass die innere Tüte beschädigt werden sollte. Eis in Wasserflaschen sollte ermöglichen, dass die Aale bei Temperaturen um sechs Grad nur wenig Sauerstoff verbrauchen. In Frankfurt hatte es im Dezember bereits einen ähnlichen Fall gegeben.

Fische auf den Rhein verteilt

Da nicht bekannt war, wie lange die Tiere von ihrem vermuteten Fangort am Atlantik nach Stuttgart unterwegs gewesen waren, musste der Zoll schnell handeln. Nach mehreren Formalitäten brachte der Zoll die Tiere über die A8 nach Karlsruhe . Vom Pionierhafen aus wurden sie dann in Abschnitten auf den Rhein verteilt. Nach zwei Stunden Arbeit war der Rhein um 170 000 Aale reicher.


Warum nicht der Neckar?

Der Rhein wurde ausgwählt, weil die Tiere dort heimisch sind. Bei Karlsruhe liegt ihnen flussabwärts bis zur Nordsee kein Hinderniss im Weg, wenn sie nach rund sieben Jahren Aufenthalt im Rhein abwandern werden. Im näher gelegenen Neckar würden zahlreiche Staustufen und Wasserkraftanlagen die Abwanderung der Fische behindern.

Sämtliche Europäischen Aale kommen aus der Sargassosee im Bermudadreieck und sind demzufolge Wildtiere. Eine künstliche Nachzucht des Aals ist bis heute nicht gelungen. Der Europäische Aal ist vom Aussterben bedroht.