„Zum Dortmunder“ in Stuttgart-West schließt: Der Kessel verliert eine Kultkneipe
Stuttgart. Der Kessel verliert eine absolute Kultkneipe: Die Gaststätte „Zum Dortmunder“ an der Silberburgstraße im Stuttgart er Westen hat ihre Türen geschlossen. Für viele Fußball-Fans ist das ein herber Verlust.
Schließlich konnten in der urigen Wirtschaft von Anja und Manfred Schuster - gerne auf T-Shirts des Wirts getragener Leitspruch: „Manfred frittiert, Anja serviert“ - Bundesliga, DFB-Pokal und Champions-League-Spiele geschaut werden. Dazu gabs feine Speisen (wie die berühmte „Riesencurrywurst“ mit hausgemachter Soße) und eine exquisite Auswahl an Bieren (vom Augustiner aus München über Dortmunder Union).
Wie die Stuttgarter Kneipe zu ihrem ungewöhnlichen Namen kam
Und warum heißt die Kneipe mitten im Herzen des Stuttgarter Talkessels eigentlich „Zum Dortmunder“? Der Stuttgarter Feuersee liegt direkt ums Eck – und nicht etwa der Phoenix-See im Dortmunder Stadtteil Hörde. Zu jeder guten Eckkneipe gehören Legenden und Geschichten. In diesem Fall geht ein beliebter Gründungsmythos wie folgt: Vor vielen Jahren hätten Fans des VfB und des BVB auf derart herzzerreißende Art und Weise einen Abend verlebt, dass der frühere Wirt seine Schankstube spontan in „Zum Dortmunder“ umtaufte. Zu schön, um wahr zu sein. Die Wahrheit ist viel schwäbisch pragmatischer. Wirt Manfred Schuster, der den Laden 2012 übernommen hatte, erzählte das vor Jahren der Stuttgarter Zeitung : „Die Kneipe hieß schon immer so, weil der ehemalige Besitzer Dortmunder war“.
Nun fehlt in der Landeshauptstadt eine wunderbare Anlaufstelle für tolle Fußball-Abende. In Zeiten, da viele Kneipen aufgrund der steigenden Abo-Kosten erst gar keine Spiele mehr zeigen, wiegt das umso schwerer. „Mit schwerem Herzen müssen wir euch mitteilen“, so das Team vom Dortmunder in einem Facebook-Post vom Sonntag (08.12.), „dass unsere Fußballkneipe ab heute geschlossen ist.“ Die Entscheidung sei „uns unglaublich schwer“ gefallen. Mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“ beende man nun „diese Ära“.
Der letzte Dank gelte den Gästen: „Für eure Leidenschaft, eure Treue, die gemeinsamen Abende voller Lachen und Geschichten, die unzähligen Erinnerungen und die vielen Stunden, in denen wir Siege gefeiert, Niederlagen verdaut und spannende Spiele verfolgt haben. Ihr wart der Puls und die Seele dieser Kneipe, nicht nur Gäste, sondern Familie. Ohne euch wäre sie nicht das gewesen, was sie war.“
Auch der „Dortmunder“ hatte mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen
Warum der „Dortmunder“ schließen muss, wird in dem emotionalen Post nicht genannt. Gegenüber der Stuttgarter Zeitung erklärte Wirtin Anja Schuster, dass aus gesundheitlichen Gründen "einfach nicht mehr" gehe. Ihr Mann Manfred habe vor zwei Jahren einen Herzinfarkt erlitten und sei inzwischen fast 70 Jahre alt: „Da sind die meisten Leute längst in Rente, und wir haben bis tief in die Nacht gearbeitet, teilweise an sieben Tagen in der Woche.“
Allerdings gab es in den letzten Jahren die branchenbekannten Problemfelder: Inflation und steigende Lebenserhaltungskosten drücken aufs Geschäft, dazu die bereits erwähnten horrenden Preise für Kneipiers, die ein Amazon-, DAZN- und/oder Sky-Abo haben. Womöglich waren auch die Folgen der Corona-Pandemie zu einschneidend. „Vor Corona war kein Durchkommen vor lauter Fans“, heißt es in einem Post von 2021. Auf den geposteten Bildern zu sehen, war jedoch nur die traurige Leere einer herrlich altmodisch holzvertäfelten Gaststube. „Da fällt das Frittieren und Servieren schwer“. Zuletzt musste das Wirtspaar sogar an sein Erspartes ran, um den Laden irgendwie am Laufen zu erhalten. Man habe es "aus Leidenschaft getan, gerechnet hat es sich schon eine Weile nicht mehr".
Für viele Fußball-Fans im Kessel ist es ein herber Verlust. Der „Dortmunder“ war schließlich mehr als nur eine Kneipe. „Es war ein zweites Wohnzimmer, ein Ort voller Emotionen, Jubel, Diskussionen und unvergesslicher Fußballmomente“, so die überaus treffenden Worte im Abschiedspost.
Und wie es mit dem Lokal weitergeht? Komplett unklar. „Unser Wunsch wäre es gewesen, jemanden zu finden, der die Kneipe weiterführt“, sagte Wirtin Anja Schuster der StZ . Geklappt hat das aber nicht. Die Schusters fanden niemanden, der den Dortmunder erhalten wollte. Ein Investor übernimmt nun die Gaststätte. „Was aus unserer Kneipe wird, wissen wir nicht“, so Anja Schuster.


