TVB Stuttgart

Quartett des ASV Hamm-Westfalen mit TVB-Genen freut sich aufs Wiedersehen

Hamm
Die vier Ex-Bittenfelder, vereint beim ASV Hamm-Westfalen, freuen sich auf die Rückkehr in die Porsche-Arena am Sonntag (von links): Tim Wieling, Alexander Schulze, Benjamin Meschke, Marian Orlowski. © Privat

Das gibt’s nicht alle Tage: Wenn der Handball-Erstligist TVB Stuttgart an diesem Sonntag (16.05 Uhr) in der Porsche-Arena den Aufsteiger ASV Hamm-Westfalen zu Gast hat, gibt’s ein Wiedersehen mit gleich vier ehemaligen TVB-Spielern: Tim Wieling, Alexander Schulze, Benjamin Meschke und Marian Orlowski. Wie läuft’s beim neuen Club? Wie eng sind die Verbindungen zum TVB noch? Und wie groß ist die Lust, den alten Kameraden eine lange Nase zu drehen? Unser Redaktionsmitglied Thomas Wagner hat nachgefragt.

Marian Orlowski

Marian Orlowski ist vom Quartett am längsten weg vom TVB Stuttgart. Vom damaligen Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen kam der gebürtige Lüdenscheider zur Saison 2016/2017 zum TVB. Der wurfgewaltige linke Rückraumspieler kam in der ersten Liga schnell zurecht und hatte maßgeblichen Anteil am zweimaligen Ligaverbleib des TVB. Nach der zweiten Saison wurde der Vertrag des heute 29-Jährigen nicht verlängert. Der Verein setzte stattdessen auf den Schweizer Nationalspieler Lukas von Deschwanden.

Orlowski wechselte für zwei Spielzeiten zum Zweitligisten TuS Nettelstedt-Lübbecke, ehe er 2020 nach Hamm zurückkehrte. „Ich hatte ein Bauchgefühl, dass ich mit dem ASV noch einmal in die erste Liga aufsteigen kann“, sagt er. Der Kontakt nach Hamm, wo Orlowski von 2012 bis 2016 gespielt hatte, sei nie abgebrochen. Der Saisonabbruch wegen Corona verhinderte vermutlich den Aufstieg schon in der ersten Spielzeit. Der ASV stand zu diesem Zeitpunkt auf Rang zwei der Tabelle. Im zweiten Anlauf klappte es. Nun ist Orlowski also wieder erstklassig.

„Ich wäre damals sehr gerne beim TVB geblieben, ich fand’s sehr schade, dass es nicht weiterging für mich“, sagt er. „Ich denke gerne an die zwei Jahre zurück.“ Es sei ein bisschen unglücklich gelaufen, erst im März sei ihm mitgeteilt worden, dass der TVB nicht mehr mit ihm plant. „Ich glaube, es war die beste Zeit in meiner Handball-Laufbahn.“ Beeindruckt hätten ihn die Professionalität im Verein – und natürlich die Spieler, mit denen er zusammenspielen durfte. Mit Jogi Bitter oder Mimi Kraus beispielsweise. „Das war schon cool.“ Weitergebracht habe ihn auch der damalige Trainer Markus Baur.

Schon immer hat Marian Orlowski nicht nur den Handball im Kopf gehabt. An der Uni in Münster studiert er jetzt im fünften Semester Mathematik und Sport auf Lehramt. „Nach der Schule war es meine erste Idee, Lehrer zu werden“, sagt er. Nun muss er Studium und Profisport unter einen Hut bringen. Erschwerend hinzu kommt, dass es sich nicht um ein Fern-, sondern Präsenzstudium handelt. „Während Corona war’s einfacher, weil einiges online abgelaufen ist“, sagt er. Weil die Uni eine sogenannte Partnerhochschule des Spitzensports ist, gibt’s in Münster für die Studenten individuelle Lösungen, wenn die Präsenz nicht möglich ist. „Das passiert leider häufiger. Bisher komme ich aber ganz gut durch.“

Am Sonntag nun gibt’s für Marian Orlowski ein Wiedersehen mit – ein paar wenigen – Teamkollegen. Mit Samuel Röthlisberger, Max Häfner und Sascha Pfattheicher spielte er zusammen. Und mit dem neuen TVB-Trainer Michael Schweikardt.

Auf dessen ehemaliger Position auf Rückraum-Mitte dürfte Orlowski in der Porsche-Arena hin und wieder auftauchen. Eigentlich ist er im linken Rückraum zu Hause, durch die Verletzung von Spielmacher Björn Zintel muss der ASV Hamm-Westfalen improvisieren.

„Ich freue mich riesig auf die Jungs und die Porsche-Arena“, sagt Orlowski. „Ich denke, es wird ein sehr spannendes und für beide Mannschaften wichtiges Spiel.“ Orlowski sieht sein Team in der ersten Liga als Aufsteiger auf alle Fälle konkurrenzfähig. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wir machen allerdings leider noch zu viele Fehler.“

Tim Wieling

Tim Wieling und Sascha Pfattheicher bildeten von 2019 bis 2021 das Duo auf der rechten Außenposition beim TVB. Wieling kam vom Zweitligisten TSV Bayer Dormagen und unterschrieb einen Zweijahresvertrag. Dass daraus keine längere Liaison wurde, hatte mehrere Gründe.

„Ich wusste, dass es einen offenen Konkurrenzkampf geben wird zwischen Pfatti und mir und dass ich meine Spielanteile kriegen werde“, sagt der 26-Jährige. „Das erste halbe Jahr lief’s auch ganz gut.“ Dann kamen Corona und der Saisonabbruch. Von da an sei es mit den Einsatzzeiten immer mehr bergab gegangen. „Das hat sich dann durch die Saison gezogen. Das war mir zu wenig, es machte für beide Seiten keinen Sinn mehr.“ Die Perspektive habe ihm schlichtweg gefehlt – und die sei mit der Verpflichtung des Trainers Roi Sánchez nicht besser geworden. Der Spanier wollte einen zweiten Rechtsaußen, der auch auf der Halbposition decken kann. So verpflichteten die Stuttgarter den Dänen Sebastian Augustinussen. „Es hätte also sowieso nicht mehr gepasst“, so Wieling.

Also habe er beschlossen, sich dem Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen anzuschließen. Erstens, um mehr Spielanteile zu bekommen. „Man schaut natürlich hin, mit wem man die Position teilt“, sagt er und lacht. „Wenn ein Hans Lindberg da spielt, sind die Chancen eher nicht so groß.“ Andererseits müsse man auch auf seine eigenen Stärken vertrauen und sich etwas zutrauen. Für Hamm sprach auch die Nähe zu Wielings Heimat Bielefeld.

Sportlich lief’s vom Start weg sehr gut. Er sei mit dem Ziel nach Hamm gegangen, irgendwann wieder in der ersten Liga zu spielen. „Dass es gleich in der ersten Saison geklappt hat, war natürlich ein Traum und nicht vorhersehbar.“ Schließlich habe der ASV seit Jahren versucht aufzusteigen.

Mit ausschlaggebend für den Erfolg sei die gute Teamchemie gewesen. Die sei auch in der ersten Liga ein wichtiges Pfund, schließlich fehle den meisten Spielern die Bundesligaerfahrung. Dass in den ersten Partien für den Neuling nicht viel zu holen war, sei nicht überraschend gewesen angesichts des schwierigen Programms. „Es ist eine Kopffrage, wie man damit umgeht. Ich denke, mit dem Sieg gegen Göppingen ist der Damm bei uns gebrochen.“

Nun soll der nächste Sieg folgen an Wielings alter Wirkungsstätte, an die er keinesfalls mit schlechten Gefühlen zurückkehrt. „Ich habe viel gelernt in der Zeit in Stuttgart. Über mich als Person und auch, mit bestimmten Situationen umzugehen.“ Dass Entscheidungen getroffen würden, sei normal. „Das gehört zum Business dazu. Ich bin da jetzt auch keinem böse und habe mein Lehrgeld bezahlt.“ Nun freue er sich auf die Porsche-Arena und darauf, seine alten Mitspieler in Stuttgart wiederzusehen. „Ansonsten ist es für mich ein ganz normales Handballspiel, welches wir gewinnen wollen.“

Benny Meschke

Benjamin Meschke war nur für drei Monate beim TVB Stuttgart – von Oktober bis Weihnachten 2021. Durch die Verletzung von Fynn Nicolaus hatten die Verantwortlichen Nachholbedarf gesehen auf der Kreisläuferposition und im Mittelblock und verpflichteten den gebürtigen Plauener. Der 31-Jährige, der Erstligaerfahrung sammelte unter anderem beim Bergischen HC, dem SC DHfK Leipzig, dem HBW Balingen-Weilstetten und HC Erlangen, war seit Juli 2021 vereinslos und daher sofort verfügbar.

Nachdem sich das Verletztenlazarett beim TVB wieder gelichtet hatte, war für Meschke um die Jahreswende 2021/22 wieder Schluss beim TVB. Nur ein paar Wochen indes war er vereinslos. In Kontakt mit dem Hammer Trainer Michael Lerscht habe er schon vorher gestanden, so Meschke. In der Winterpause stand der ASV auf einem Aufstiegsplatz. „Hamm wollte mich eigentlich im Sommer verpflichten. Dann haben wir beschlossen, dass wir das sofort machen.“ Und es gab gleich etwas zu feiern: Zum zweiten Mal ist Meschke mit einem Team in die erste Liga aufgestiegen. Das war ihm bereits 2019 mit dem HBW Balingen-Weilstetten geglückt.

„Für mich ist das natürlich eine super Geschichte, wieder in der ersten Liga zu spielen nach der schwierigen Corona-Zeit und meiner Sprunggelenkverletzung“, sagt er. Es sei ein langer Weg gewesen. Jetzt gehe es ihm gut. „Der Körper hält und Punkte habe wir auch geholt.“

Meschkes Vertrag beim ASV Hamm-Westfalen läuft bis zum Saisonende. „Das passt“, sagt er. „Ich muss vernünftig spielen, dann schaue ich, was passiert.“ Bis Januar hätte er gerne Planungssicherheit. „Ich weiß, was ich kann, und bin schon lange dabei. Wenn’s hier weitergeht, ist es gut.“ Natürlich würde er gerne in der ersten Liga bleiben. Auf den Handball angewiesen ist Meschke allerdings nicht. Sicherheit gibt ihm das Sportmanagement-Studium, zudem hat er den European-Handball-Manager in Köln gemacht. Irgendwann möchte er im Managementbereich unterkommen. Aktuell indes sieht er sich noch als Handballprofi. Er wolle immer das bestmögliche Ergebnis erzielen. In dem Moment sei es egal, ob man ein berufliches Standbein habe. „Aber klar: Ein bisschen entspannt es einen schon, wenn man weiß, der Handball ist nicht mehr existenziell.“

Nun fiebert Benjamin Meschke dem Spiel am Sonntag gegen seine ehemaligen Kollegen entgegen. „Auch wenn es nur drei Monate waren, habe ich ein paar Freundschaften geknüpft, beispielsweise mit Jerome Müller.“ Zum Schwabenland hätten er und seine Freundin durch die vier Jahre, in denen sie in Balingen lebten, eine besondere Beziehung. „Es ist für uns ein zweites Zuhause geworden. Wir sind unglaublich gerne im Süden und haben vor allem die Landschaft sehr zu schätzen gelernt.“

Nun hofft Meschke, dass ihm der Süden auch etwas zurückgibt – in Form von zwei Punkten für sein neues Team. „Unmöglich ist das nicht“, sagt er. „Es ist aber schon so, dass der TVB mit Michael Schweikardt stabiler geworden ist.“ Und natürlich will Benjamin Meschke am Sonntag zeigen, dass er noch bundesligatauglich ist. „Bei Roi Sánchez habe ich leider nicht die Rolle gespielt, wie ich sie mir erhofft hatte.“

Der Sieg gegen Göppingen sei extrem wichtig gewesen fürs Team. „Wir haben gesehen, dass wir gewinnen und bestehen können.“ Auf acht bis zehn Punkte an Weihnachten hofft Meschke. „Das ist unser großes Ziel.“

Alex Schulze

Alexander Schulze wechselte zur Saison 2020/2021 vom Drittligisten TuS Dansenberg nach Stuttgart und bekam einen Zweijahresvertrag. Von Januar 2020 an hatte er bereits ein Zweifachspielrecht besessen. Der TVB hatte damals reagiert, weil die Linksaußenposition durch Patrick Zieker nur einfach besetzt war. Schulze war ein hervorragendes Back-up hinter dem deutschen Nationalspieler, in 72 Spielen erzielte der 24-Jährige 88 Tore und bestach mit einer starken Effizienz.

Trotzdem ging’s für Schulze beim TVB nicht weiter. Die Verantwortlichen wollten sich die Chance nicht entgehen lassen und verpflichteten das spanische Talent Daniel Fernandez. Schulze musste sich nach einem neuen Verein umschauen. Viel Zeit blieb ihm nicht mehr. Recht spät habe ihm der TVB mitgeteilt, dass er nicht mehr mit ihm plane. „So hatte ich, ehrlich gesagt, gar nicht mehr so viele Optionen.“

Der ASV Hamm habe sich sehr bemüht und sei ein ambitionierter Verein. „Ich erhoffte mir ein bisschen mehr Spielanteile als in Stuttgart.“ Wobei die Linksaußenposition auch bei Schulzes neuem Club stark und prominent besetzt ist mit dem Urgestein Fabian Huesmann, der seit zehn Jahren im Verein ist. „Natürlich ist das nicht optimal“, sagt Schulze. Die Spielanteile würden derzeit aber nahezu geteilt, „wir fangen auch mal abwechselnd an.“ Sie würden beide mit der Situation sehr gut klar kommen. Mit sich selbst war Schulze in den ersten Spielen „relativ zufrieden“, die Wurfausbeute von 79 Prozent bestätigt Schulzes Einschätzung. „In der Abwehr bekomme ich neue Aufgaben, verteidige auf der Halbposition.“ Er spüre das Vertrauen des Trainers, „das tut schon gut“.

Nun steht die – kurze – Rückkehr nach Stuttgart an. „Ich habe hier Freunde fürs Leben gewonnen, ich telefoniere und schreibe mit einigen öfter. Ich denke, das wird auch so bleiben.“ Er habe sich mit dem TVB und den Fans identifiziert und freue sich, alle wieder zu sehen. Am liebsten wäre ihm, wenn sie ihm nach Spielende zum Sieg gratulieren müssten. „Die Punkte gegen Göppingen waren enorm wichtig für unser Selbstvertrauen.“ Schulze glaubt fest an den Ligaverbleib. Handballerisch sei sein Team wahrscheinlich den meisten Gegnern unterlegen. „In den vergangenen Jahren gab’s aber genügend Beispiele, die gezeigt haben, dass dennoch alles möglich ist.“

Das gibt’s nicht alle Tage: Wenn der Handball-Erstligist TVB Stuttgart an diesem Sonntag (16.05 Uhr) in der Porsche-Arena den Aufsteiger ASV Hamm-Westfalen zu Gast hat, gibt’s ein Wiedersehen mit gleich vier ehemaligen TVB-Spielern: Tim Wieling, Alexander Schulze, Benjamin Meschke und Marian Orlowski. Wie läuft’s beim neuen Club? Wie eng sind die Verbindungen zum TVB noch? Und wie groß ist die Lust, den alten Kameraden eine lange Nase zu drehen? Unser Redaktionsmitglied Thomas Wagner hat

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