0:2 bei Galatasaray: Warum der VfB Stuttgart im Hexenkessel leer ausgeht
Istanbul. Der VfB Stuttgart hatte sich vorgenommen, das Istanbuler Chaos zu beherrschen. Eine Weile sah es sogar so aus, als könnte dieser Plan aufgehen. Dann genügten Galatasaray zwei Momente, um aus einem vielversprechenden Stuttgarter Beginn einen ziemlich unangenehmen Abend zu machen. Der russische Angreifer Aleksey Batrakov traf innerhalb von drei Minuten doppelt, und plötzlich war der VfB in einem Hexenkessel gefangen, der seinen Namen an diesem Dienstagabend nicht nur wegen der Lautstärke verdiente. Am Ende stand eine 0:2-Niederlage in der Champions League, die sich für die Stuttgarter besonders ärgerlich anfühlen musste, weil durchaus mehr möglich gewesen wäre.
„Wir sind nicht hier, um das Stadion zu begutachten. Wir wollen hier etwas mitnehmen“, hatte Sebastian Hoeneß vor dem Anpfiff im TV-Interview gesagt. Der Trainer schickte seine Mannschaft entsprechend offensiv auf den Platz. Im Vergleich zum 4:2 in Leverkusen gab es zwei Veränderungen: Fabian Bredlow ersetzte im Tor aus Gründen der Belastungssteuerung Dennis Seimen, Maximilian Mittelstädt rückte für Luca Jaquez in die Abwehr. Ansonsten vertraute Hoeneß auf jene Mannschaft, die drei Tage zuvor in der Bay-Arena überzeugt hatte.
Doppelter Pfostentreffer von Leweling in der Anfangsphase
Die Atmosphäre im RAMS Park war schon vor dem Anpfiff eine Wand aus Lärm. Auf dem Rasen begann der VfB allerdings keineswegs eingeschüchtert. Die Stuttgarter liefen hoch an, suchten die Zweikämpfe und fanden zunächst eine gute Struktur gegen den Ball. Dass sie sich von der Kulisse nicht beeindrucken lassen wollten, zeigte sich auch in der Schärfe, mit der sie in die Partie gingen. Atakan Karazor allerdings übertrieb es gleich einmal: Nach einem heftigen Treffer gegen Mario Lemina sah der VfB-Kapitän früh Gelb. Über Rot hätte sich der Mittelfeldspieler nicht beschweren dürfen.
In der achten Minute fehlten dem VfB nur wenige Zentimeter zur Führung. Jamie Leweling kam nach einer gelungenen Kombination über Chris Führich und Maximilian Mittelstädt zur Direktabnahme. Der Ball sprang vom linken an den rechten Innenpfosten und anschließend zurück ins Feld. Es war eine große Chance, und sie passte zum selbstbewussten Auftakt der Gäste. Galatasaray wirkte über die Flügel durchaus verwundbar.
Doch dann kam Batrakov. In der zwölften Minute nutzte der Angreifer eine missglückte Klärungsaktion von Jeff Chabot und jagte den Ball aus kurzer Distanz ins Tor. Bredlow war noch dran, konnte den Einschlag aber nicht verhindern. Drei Minuten später folgte der nächste Schlag. Batrakov entwischte Karazor und Mittelstädt, Bredlow zögerte bei einem langen Ball hinter die Abwehr einen entscheidenden Moment und bekam den Abschluss schließlich durch die Beine. Aus einem guten Stuttgarter Beginn war innerhalb kürzester Zeit ein 0:2 geworden.
Spalt kommt für den verletzten Karazor
Und es kam noch schlimmer: Karazor musste verletzt ausgewechselt werden. Für ihn kam der 19-jährige Österreicher Yanik Spalt zu seinem Champions-League-Debüt. Eine denkbar schwierige Situation für den jungen Spieler, der sich allerdings gleich mit einer gelungenen Balleroberung einführte. Die größere Sorge galt zu diesem Zeitpunkt ohnehin der Stuttgarter Defensive. Galatasaray spielte schnell und schnörkellos, Batrakov blieb brandgefährlich. In der 22. Minute verhinderte Bredlow gegen den Angreifer das 0:3. Der VfB hatte zwischenzeitlich völlig den Faden verloren. 61 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, kaum noch geordnete Stuttgarter Angriffe: Der Abend drohte, eine unangenehme Wendung zu nehmen.
Auch abseits des sportlichen Geschehens wurde es hitzig. In der 37. Minute kam es nach einem Schlag von Baris Yilmaz gegen Führich im Seitenaus zu einer heftigen Rudelbildung zwischen den Trainerbänken. Undav mischte ebenfalls mit. Der VfB bekam die volle Dröhnung Istanbul. Kurz vor der Pause meldeten sich die Gäste immerhin noch einmal sportlich zurück: Undav setzte Führich in Szene, dessen Schlenzer knapp am rechten Pfosten vorbeiging. Auf der Gegenseite musste Hendriks mit einer starken Grätsche gegen Victor Osimhen klären.
Nach der Pause stand Stuttgart defensiv etwas stabiler, entwickelte zunächst aber kaum eigene Wucht. Galatasaray wollte die Entscheidung, der VfB suchte nach Zugriff. Erst mit zunehmender Spielzeit fanden die Gäste wieder Möglichkeiten. Führich, der auffälligste Stuttgarter an diesem Abend, prüfte in der 63. Minute erstmals richtig den türkischen Nationaltorhüter Ugurcan Cakir. Zwei Minuten später musste sich der Keeper erneut gegen einen Abschluss des Flügelspielers behaupten. Die Partie war noch nicht entschieden.
Der eingewechselte Pejčinović scheitert am starken Cakir
In der 75. Minute schien dem VfB sogar der Anschluss zu gelingen. Nach einem weiteren Aluminiumtreffer von Undav landete der Ball bei Führich, der ihn sehenswert ins Tor schlenzte. Doch die Fahne ging hoch: Undav hatte zuvor im Abseits gestanden. Die Entscheidung des englischen Schiedsrichtergespanns war korrekt. Hoeneß brachte mit einem Dreierwechsel und später Tiago Tomas weitere Kräfte, um die Schlussoffensive anzuschieben. In der 86. Minute bot sich noch einmal die große Gelegenheit: Nach einem Traumpass von Undav scheiterte der eingewechselte Dženan Pejčinović am starken Cakir.
So blieb der VfB ohne Tor und ohne Punkte. Die Stuttgarter hatten in Istanbul viel investiert, sich nach dem frühen Doppelschlag zurückgekämpft und durchaus Chancen auf einen anderen Spielverlauf gehabt. Doch die Effizienz fehlte, während Galatasaray seine Möglichkeiten eiskalt nutzte.



