VfB Stuttgart

0:5-Klatsche für den VfB Stuttgart: Ein Debakel kurz vor Weihnachten

Fußball VfB Stuttgart vs. FC Bayern München
Der Mann des Abends: Serge Gnabry erzielte gegen den VfB drei Tore und legte zwei weitere auf. © Pressefoto Baumann

Es gibt Spiele, die lassen die ohnehin schon freudlosen Geisterspiele besonders trist erscheinen. Eine Heimpartie des VfB Stuttgart gegen den FC Bayern München zum Beispiel. Zwar ist der einstige „Südschlager“ aufgrund der Entwicklung beider Klubs in den letzten Jahren längst zum „Südschlagerle“ verkommen, doch die Duelle der Schwaben mit den Bajuwaren waren immer ein Highlight im Stuttgarter Fußball-Jahr. Die Arena war bis auf den letzten Platz ausverkauft, die Stimmung kochte schon lange vor dem Anpfiff. Und die Bayern gingen meist als Sieger vom Platz. So auch am Dienstagabend (14.12.), als die junge VfB-Auswahl mit 0:5 (0:1) gewaltig unter die Räder geriet.

Serge Gnabry wird der Mann des Abends

Das jüngste Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften zehn Tage vor Heiligabend war nun kein waschechtes Geisterspiel - schließlich durften 750 Auserwählte ins Stadion - doch stimmungstechnisch entspann sich der inzwischen gewohnte Sound eines Kreisliga-Kicks.

Und so fehlte dem Spiel zunächst nicht nur auf dem Rasen die Würze. Keine fliegenden Bierbecher bei Eckbällen der gegnerischen Mannschaft, keine pulsierende Cannstatter Kurve, die den „kleinen VfB“ im Duell mit dem „großen FCB“ mitunter schon zu Höchstleistungen angetrieben hat. Stattdessen gab es ein mittlerweile handelsübliches Bundesliga-Kräftemessen mit einem glänzend aufgelegten Serge Gnabry, der drei Treffer selbst erzielte (40./53./74.) und zwei weitere für Robert Lewandowski (69./72.) auflegte. Der Liga, so zumindest scheint es, sind die Münchner längst enteilt.  

VfB zunächst ordentlich gestaffelt, aber viel zu passiv

„Es ist Lernstoff dabei, den wir mitnehmen können“, bilanzierte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo nach der Partie: „So blöd das klingt: Es gibt auch Positives. Bis zum 0:2 hat die Mannschaft taktisch sehr diszipliniert agiert.“ Für ein Spiel gegen ein Team vom Kaliber des FC Bayern habe sich seine Mannschaft letztlich aber „zu viele einfache Fehler geleistet“. 

Seine Startelf hatte Matarazzo im Vergleich zum 2:0 in Wolfsburg lediglich auf einer Position verändert. Abwehrspieler Marc Oliver Kempf war für den am Sprunggelenk verletzten Roberto Massimo in die Anfangsformation gerückt. Bei den Bayern war der Einsatz von Nationalspieler Jamal Musiala wegen eines Mittelhandbruchs fraglich gewesen. Doch der 18-Jährige stand in Stuttgart ebenso vom Anpfiff weg auf dem Rasen wie Serge Gnabry, Niklas Süle und Marc Roca.

„Wenn wir nicht versuchen, Fußball zu spielen, haben wir keine Chance“, lautete der klare Arbeitsauftrag von Heimcoach Matarazzo an seine Elf, die er gegen den Rekordmeister mit einer Viererkette verteidigen ließ. So sollte das gefährliche Flügelspiel der Münchner in den Griff bekommen werden. Und in den ersten 45 Minuten gelang das den Hausherren zunächst auch halbwegs ordentlich.

Allerdings ließen sich die Weiß-Roten zu tief in die eigene Hälfte drängen und agierten viel zu passiv. Zudem wurden die wenigen Entlassungsangriffe nicht sauber zu Ende gespielt. Marmoush (25.) und Förster (45.+1) fehlte in guten Positionen die Zielstrebigkeit. Darüber hinaus waren der vom Trainer zuvor eingeforderte Mut und die „Wachsamkeit in jeder Spielphase“ nicht in jeder Aktion erkennbar.

Bayern spielt geduldig und findet die Lücken: Gnabry trifft dreifach

So kam es, wie es kommen musste. Während der Rasen immer holpriger wurde (O-Ton Bayern-Trainer Nagelsmann: „Das ist für die Bundesliga grenzwertig“), suchte die Münchner Offensivmaschinerie geduldig weiter nach einer Lücke in der VfB-Defensive. Und kurz vor dem Halbzeitpfiff wurde schließlich eine gefunden: Nach Vorarbeit des eingewechselten Leroy Sane schlenzte Gnabry den Ball unhaltbar für Stuttgarts Schlussmann Müller in den rechten oberen Torwinkel (40.).

Ebenso chancenlos war der Saarländer im VfB-Kasten dann in der 53. Minute, als Gnabry mit seinem zweiten Treffer dem Spiel schon früh die Spannung nahm. Zuvor hatte der Nationalspieler seinen Bewacher Marc Oliver Kempf mühelos abgekocht.

Was dann folgte, war eine Machtdemonstration der Münchner. Und ein Debakel kurz vor Weihnachten für den abstiegsbedrohten VfB. Innerhalb von fünf Minuten erhöhten die Bayern durch einen Lewandoski-Doppelpack (69./72.) und einen weiteren Gnabry-Treffer (74.) auf 5:0. Nach den zuletzt verbesserten Auftritten der Schwaben und sieben Zählern aus den vorangegangen drei Spielen ein herber Rückschlag. 

VfB Stuttgart - FC Bayern München 0:5 (0:1)

Stuttgart: Müller - Mavropanos, Anton, Kempf, Ito - Karazor, Coulibaly (63. Silas), Endo, Mangala (75. Faghir), Förster (63. Führich) - Marmoush (84. Tibidi)

FC Bayern: Neuer - Pavard, Süle, Hernandez - Roca (75. Nianzou), Musiala, Coman (27. Sane), Müller (78. Cuisance), Gnabry (75. Tillman), Davies (78. Richards) - Lewandowski 

Tore: 0:1 Gnabry (40.), 0:2 Gnabry (53.), Lewandowski (69.), 0:4 Lewandowski (72.), 0:5 Gnabry (74.)

Schiedsrichter: Robert Schröder (Hannover)

Zuschauer: 750

Gelbe Karten: Karazor / Davies