VfB Stuttgart

Busfahrer, Physios, Teammanager: Die treuen Seelen des VfB Stuttgart

Das Team hinter dem Team
Das Team hinter dem Team. Freiburgs Trainer-Unikat Christian Streich formulierte einmal treffend: „Diese Leute sind ganz wichtig, sie sind der Verein.“ © Alexandra Palmizi

Sie kneten Waden, waschen Trainingsklamotten oder fahren den Mannschaftsbus. Sie sind Kummerkasten, Spaßvogel oder Integrationshelfer. Manchmal sogar Retter in höchster Not. In der ersten Reihe stehen sie eigentlich nie - und dennoch sind sie ein unverzichtbarer Bestandteil im Mikrokosmos einer jeden Profimannschaft. Die Rede ist von den treuen Seelen des VfB Stuttgart. Während Trainer und Spieler kommen und gehen, sind einige MitgliederInnen des Funktionsteams die (vielleicht einzigen) Konstanten beim Traditionsverein. Diese heimlichen Helfer sorgen aber nicht nur für einen reibungslosen Ablauf am Spieltag oder für saubere Trikots und Stutzen, ein paar sind längst auch zu Gesichtern ihres Clubs geworden. 

Das Zeugwart-Team: Gordana Markovic-Masala, Thomas Schultheiss und Michael Meusch

Michael Meusch, Thomas Schultheiss und Gordana Markovic-Masala
Von links nach rechts: Gordana Markovic-Masala, Thomas Schultheiss und Michael Meusch. © Alexandra Palmizi

Ihr Reich liegt unten im Bauch der Geschäftsstelle in Bad Cannstatt. Dort im Keller der Mercedesstraße 109 kümmern sich Meusch, Schultheiss und Markovic-Masala um Trainingsklamotten, Bälle, Ausrüstung und die Kickschuhe der Profis. Sie sorgen seit 1991 (Meusch) bzw. 2004 (Markovic-Masala) und 2016 (Schultheiss) dafür, dass die VfB-Profis immer top ausgerüstet auf den Platz gehen und in der Kabine alles seinen Platz hat. Und sie waschen Wäsche. Viel Wäsche. Die Waschmaschinen laufen im Normalbetrieb quasi rund um die Uhr, bis zu 50 Mal in der Woche.

Ein ganz besonderes Thema sind die Treter der Kicker. Um die kümmert sich „Meuschi“ mit viel Leibe zum Detail. Seine Geheimwaffe, um den Schuh passgenau an jeden noch so krummen Fußballer-Fuß zu bekommen, ist eine Art Backofen, den er auf 80 Grad erwärmen kann. Anschließend können die Kickstiefel besser geformt und weiterbehandelt werden. Wer weitere Einblicke in die Arbeit des Zeugwarts bekommen möchte, sollte den Instagram-Account von Meusch besuchen.

Die Physios: Matthias Hahn, Gerhard Wörn und Manuel Roth

Die Physios: Gerhard Wörn, Manuel Roth und Matthias Hahn
Von links nach rechts: Matthias Hahn, Gerhard Wörn und Manuel Roth. © Alexandra Palmizi

Gerhard „Gerry“ Wörn fehlt bei keinem Spiel und keiner Trainingseinheit. Der 64-Jährige behandelt seit über 30 Jahren die Stuttgarter Profis und ist nebenbei noch Kummerkasten für die Spieler. Sein Verhältnis zu den Kickern umschrieb er einmal mit den Worten: „Pädagoge, väterlicher Freund, Beichtvater - es beinhaltet viele verschiedene Rollen.“ Die Deutsche Meisterschaft 1992, der DFB-Pokalsieg 1997 und der letzte nationale Titelgewinn der Stuttgarter 2007 – Wörn war bei vielen Triumphen hautnah mit dabei, weinte aber auch bittere Tränen nach den Abstiegen 2016 und 2019. Mit anderen Worten: Der Physiotherapeut der Schwaben ist ein absolutes Urgestein des Vereins.

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Gerhard Wörn bei der Arbeit. © ZVW/Danny Galm

Aber wie lange wird er dem Verein noch erhalten bleiben? „Ich habe nie groß geplant, die entscheidenden Dinge in meinem Leben sind immer passiert“, sagte er dazu im letzten Sommer der Stuttgarter Zeitung. „Ich mache die nächste Saison auf jeden Fall noch, dann bin ich 64 Jahre alt und könnte aufhören. Dann entscheide ich, was ich mache. Ich habe schon ein paar Dinge im Kopf.“ Sollte Wörn nach dieser Spielzeit wirklich seinen Spind räumen, hat der Club mit Manuel Roth und Matthias Hahn (beide seit 2006 beim VfB) immer noch zwei kompetente Physios am Start.

Die Teammanager: Günther Schäfer und Peter Reichert

Günther Schäfer und Peter Reichert
Günther Schäfer und Peter Reichert. © Alexandra Palmizi

Ihre offizielle Jobbeschreibung lautet „Teammanager“, ihr Tätigkeitsfeld lässt sich eigentlich aber nur schwer in Worte fassen. Die beiden ehemaligen Profis - beide feierten 1984 gemeinsam die Deutsche Meisterschaft mit dem VfB - sind die Allzeckwaffen im Betreuerteam.

Reichert kickte während seiner aktiven Zeit in Toulouse und Strasbourg, spricht fließend französisch und fungiert deshalb häufig als Dolmetscher/Integrationshelfer für die „French-Connection“ im Team. Der gebürtige Brettener ist seit 2004 im Funktionsteam der Stuttgarter. Dort arbeitete er schon als Fanbetreuer und CSR-Beauftragter. Außerdem ist der 59-Jährige Abteilungsleiter der Traditionsmannschaft, für die er auch weiterhin im Sturm aufläuft. Gemeinsam mit Kevin Kuranyi (39) und Cacau (40) geht der Mittelstürmer so noch immer auf Torejagd für die Schwaben.

Seit dem Jahr 2000 gehört Günther Schäfer (58) zum festen Inventar im Team hinter dem Team. Davor trug der gebürtige Waiblinger von 1975 bis 1996 das Trikot mit dem Roten Brustring. Und spätestens mit seiner spektakulären Rettungstat im Saisonfinale 1992 gegen Bayer Leverkusen hat sich der resolute Abwehrspieler beim weiß-roten Anhang einen Legendenstatus verdient. Heute kümmert sich der stets gut gelaunte „Günne“ unter anderem um Hotelbuchungen, Reiseplanungen und die Organisation der Trainingslager. Zuvor war er als Fanbetreuer (2000 bis 2004), Co-Trainer (2004 bis 2005) und Leiter der VfB-Fußballschule (2008 bis 2015) tätig.

Die Busfahrer: Jürgen Dispan und Uwe Bickel

Wer sehen will, wie sehr Jürgen Dispan seinen Job als Fahrer des Mannschaftsbusses liebt, sollte einen Blick auf den sensationellen Insta-Account des 54-Jährigen werfen. Hier gibt es Busfahrer-Content vom Allerfeinsten!

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Seit inzwischen 21 Jahren fährt der gelernte Kfz-Mechaniker den VfB durch die Republik und mittlerweile könnte er den 14 Meter langen Mercedes-Bus wohl blind in jede Stadion-Einfahrt der Liga manövrieren. Egal ob die Allianz-Arena in München oder das Hardtwaldstadion in Sandhausen: Dispan und sein Kollege Uwe Bickel sorgen dafür, dass Kalajdzic und Co. rechtzeitig zum Anpfiff vor Ort sind und nach dem Abpfiff zügig wieder ins Schwabenland zurückkommen. Die Auswärtsspiele verbringen sie in der Regel sogar neben der Ersatzbank im Stadion. 

Auch in den Trainingslagern sind Dispan und Bickel am Start. Und geht es in Nicht-Pandemie-Zeiten in wärmere Gefilde, reisen die Busfahrer nicht mit der Mannschaft im Flieger an, sondern sie fahren mit dem dreiachsigen „Travego“-Luxusliner mitunter tausende Kilometer quer über den Kontinent.

Das Ärzte-Team: Heiko Striegel, Raymond Best und Mario Bucher

Das Ärzteteam: Raymond Best, Mario Bucher und Heiko Striegel
Von links nach rechts: Heiko Striegel, Raymond Best und Mario Bucher. © Alexandra Palmizi

Wenn einer aus diesem Trio auf den Platz spurtet, bedeutet das meist nichts Gutes. Die medizinische Abteilung des VfB um die Sportmedizinier Best (seit 2006), Striegel (seit 2005) und Bucher (seit 2015) kümmert sich um alle kleinen und großen Blessuren der Spieler. Best ist Chefarzt an der Sportklinik in Stuttgart und gilt als ausgewiesener Experte für Sportorthopädie und Sporttraumatologie des Beins - und er rettete dem langjährigen Mannschaftskapitän Christian Gentner 2017 womöglich das Leben. Nach einem heftigen Zusammenprall mit dem Wolfsburger Torwart Koen Casteels war Gentner bewusstlos auf den Boden gelandet. Geistesgegenwärtig eilte Best auf den Platz. Sofort drehte er den aus Mund und Nase blutenden Spieler auf die Seite und zog ihm die Zunge aus dem Hals und bewahrte ihn dadurch vor dem Ersticken.

Der damalige Sportvorstand Michael Reschke sagte anschließend mit blassem Gesicht: „Wenn unser Doc nicht so schnell reagiert hätte …“. Angesprochen auf seine Rettungstat gab Best bescheiden zu Protokoll: „Das ist unser Job.“ Und den machen Best und der gesamte Staff des VfB schon seit Jahren zuverlässig.