VfB Stuttgart

Claus Vogt und Thomas Hitzlsperger wollen das Kriegsbeil endgültig begraben

VfB Stuttgart Pressekonferenz
Der Blick soll wieder nach vorne gerichtet werden: Vorstandschef Thomas Hitzlsperger (li.) und Präsident Claus Vogt (re.). © Pressefoto Baumann

Mit Spannung hatten Fans und Mitglieder diesen ersten gemeinsamen Auftritt von Vorstandschef Thomas Hitzlsperger und Präsident Claus Vogt erwartet. Nach den letzten Monaten war die gemeinsame Presseerklärung der beiden keine Selbstverständlichkeit. Schließlich waren die Gräben zwischen den Führungskräften zuletzt breiter als die Lücke zwischen dem FC Schalke 04 und einem Nichtabstiegsplatz. Doch offenbar haben Vogt und Hitzlsperger einen Weg gefunden, um den Traditionsverein aus Bad Cannstatt wieder gemeinsam zu führen. Ihr Auftritt am Montagnachmittag (15.03.) war auch aus diesem Grund ein klares Signal an die VfB-Familie, die sich nach der gewaltigen Führungskrise endlich wieder nach Ruhe sehnt.

Daten-Affäre soll zum Abschluss gebracht werden

Einer der Kernpunkte der Auseinandersetzung der vergangenen Wochen war die Daten-Affäre. Dieses unrühmliche Kapitel der VfB-Historie soll nun endgültig geschlossen werden. Das vom Landesdatenschutzbeauftragten verhängte Bußgeld in Höhe von 300.000 Euro hat der Club bereits akzeptiert.

„Hinter uns liegen harte Monate, sie waren auch schmerzhaft“, sagte Claus Vogt. „Wir bitten alle Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter, Fans und Sponsoren um Entschuldigung für das, was beim VfB passiert ist.“ Das Thema sei nun abgeschlossen, sagte Vorstandschef Thomas Hitzlsperger. „Auch ich möchte mich aufrichtig entschuldigen.“ Die Aufklärung der Affäre habe sowohl den eingetragenen Verein als auch die AG jeweils einen sechsstelligen Betrag gekostet, wie Vogt und Hitzlsperger sagten. Noch ist unklar, ob eine Cyberschutz-Versicherung für alle entstandenen Kosten aufkommen wird.

Warum mussten Heim und Röttgermann gehen?

Ebenso unklar ist weiter die Abberufung der langjährigen Vorstände Stefan Heim (Finanzen) und Jochen Röttgermann (Marketing). „Wir haben eine dienstrechtliche Auseinandersetzung. Die wird momentan juristisch geprüft“, erklärte Vogt. Deshalb könne man sich auch nicht weiter zu den Gründen für die Abberufung der Vorstände äußern.

Nur so viel: Es gehe um ein Organisationsversagen und um die Aufarbeitung der Vorwürfe. „Diese beiden Punkte waren für uns als Aufsichtsrat relevant, um die Abberufung der Vorstände zu veranlassen“, so Aufsichtsratschef Vogt. 

Warum die Esecon-Berichte aktuell nicht veröffentlicht werden

Weitere Details zu den Vorgängen beinhalten womöglich die Abschlussberichte der Esecon-Ermittler. Diese werden den Mitgliedern aber vorerst nicht zugänglich gemacht - entgegen einer ursprünglichen Ankündigung. „Der VfB befindet sich derzeit in laufenden juristischen Auseinandersetzungen“, sagte Claus Vogt. Eine Veröffentlichung der in den letzten Monaten erstellten Berichte und Gutachten sei daher derzeit nicht möglich. Der Aufsichtsrat habe die Möglichkeit einer Publikation eingehend geprüft und abgelehnt. Das Risiko, datenschutzrechtliche und vertragliche Verpflichtungen sowie Persönlichkeitsrechte zu verletzen, sei zu groß. Vogt: „Selbst eine teilweise Veröffentlichung wäre aktuell juristisch angreifbar und könnte zu weiteren gerichtlichen Auseinandersetzungen führen.“

Der Ausgliederungsbeschluss wird nicht in Frage gestellt

Im Zuge der Daten-Affäre war auch der Ausgliederungsbeschluss in den Fokus gerückt. Der VfB hatte seine Fußballsparte 2017 mit der breiten Zustimmung seiner Mitglieder in eine Aktiengesellschaft ausgegliedert. Im Nachgang war jedoch bekannt geworden, dass der Club massenhaft Mitgliederdaten an einen externen Dienstleister herausgegeben hatte, um mutmaßlich das Abstimmungsverhalten zu beeinflussen.

Trotz der ans Tageslicht geförderten Erkenntnisse wird der Beschluss von damals nun aber nicht in Frage gestellt. „Alle Gremien des VfB Stuttgart stehen auch heute noch zu dieser Entscheidung“, sagte Vogt und ergänzte mit Blick auf den Ankerinvestor Daimler: „Das sind wir auch unserem Partner schuldig. Ein Partner, auf den viele andere stolz wären und wir es jeden Tag sind.“

„Ein Verein kann auch funktionieren, wenn sich einmal zwei Leute nicht grün sind“

Mit Stolz sollen künftig auch die Mitglieder und Fans des VfB wieder auf ihren Herzensverein blicken. Die Kämpfe, offenen Briefe und Schmutzkampagnen der letzten Monate haben allerdings tiefe Spuren hinterlassen. „Es hat uns alle belastet und zurückgeworfen“, sagte Thomas Hitzlsperger. „Es war bestimmt nicht alles vergnügungssteuerpflichtig“, ergänzte Claus Vogt und bewarb sich damit direkt für den „Euphemismus des Jahres“. Der VfB war durch den Krach auf der Führungsetage schließlich wie vielleicht noch nie zuvor in seinen Grundfesten erschüttert worden.

Das Kriegsbeil wollen die beiden Schlüsselfiguren dieses wohl einmaligen Konflikts jetzt aber endgültig begraben. „Das Wichtigste für uns beide wird sein, dass wir es schaffen, dass da nichts zurückbleibt“, sagte Claus Vogt. „Wir wissen auch, dass man in so großen Clubs halt nicht jeden Tag ein Bier trinken und sich in den Armen liegen kann. Ein Verein kann auch funktionieren, wenn sich einmal zwei Leute nicht grün sind“, so Thomas Hitzlsperger.

Das wiederum haben die letzten Wochen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. An der sportlichen Bilanz des Aufsteigers gibt es in jedem Fall nichts zu mäkeln - und auf den Leistungen der jungen Truppe soll künftig wieder der Hauptfokus liegen.