VfB Stuttgart

Der VfB richtet den Blick nach China

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VfB-Marketingvorstand Jochen Röttgermann. © ZVW/Danny Galm

Stuttgart. Sommer, Sonne, Strandbad – so stellen sich viele Fans die fußballfreie Zeit für die Mitarbeiter der VfB-Geschäftsstelle vor. Doch Pustekuchen. „Für uns ist das die intensivste Zeit des Jahres“, sagt Marketingvorstand Jochen Röttgermann. Nach einer erfolgreichen Saison in der Bundesliga will der VfB wirtschaftlich weiter expandieren. 

Die Schwaben richten dazu den Blick nach Fernost. Die Internationalisierung der Marke VfB soll besonders auf dem chinesischen Markt vorangetrieben werden. In einem ersten Schritt soll über die sozialen Netzwerke Reichweite aufgebaut werden. Weibo (eine Art Facebook) und WeChat (eine Art Whats App) sind hierfür die Hebel.

Camps an Schulen und Universitäten

Zunächst einmal haben die Marketing-Fachleute des VfB eine ausführliche Marktstudie in China durchgeführt. Mit dem Ergebnis: Die Marke VfB verbinden die meisten Chinesen mit den Begriffen „Jugend“ und „Ausbildung“ - sofern sie in Ostasien überhaupt schon vom Fußballclub aus Bad Cannstatt Notiz genommen haben. Auf dem asiatischen Markt dominieren bisher die englische Premiere League und die spanische Primera Division.

Chinas Staatschef Xi Jinping hat seinem Land Fußball verordnet und im Jugendbereich haben die Asiaten noch großen Nachholbedarf - und darin sieht der VfB seine Chance. "Wir versuchen, dort ein paar Leuchtturmprojekte an den Start zu bringen. Mit Fußballcamps werden wir beginnen", erklärt Röttgermann.

Geplant sind Camps an Schulen und Universitäten sowie Kooperationen mit Vereinen. Mit dem Ankerinvestor Daimler als Zugpferd soll so nach und nach der chinesische Markt erschlossen werden.

Daimler und die WM als Zugpferde

Als weiteres Zugpferd möchten die Schwaben auch die Weltmeisterschaft in Russland nutzen. Egal ob im Trainerteam (Jogi Löw, Marcus Sorg, Thomas Schneider) oder in der Mannschaft (Werner, Khedira, Rüdiger, Gomez, Rudy, Kimmich). Im DFB-Team sind zahlreiche ehemalige VfBler - und mit Mario Gomez immerhin ein Spieler aus dem aktuellen Kader - aktiv

Verantwortlich für den Bereich Internationalisierung beim VfB ist seit Anfang Mai Heiko Stroh. Der Sportmarketingexperte kam Anfang Mai von der Plazamedia Group. Davor arbeitet er rund fünf Jahre für die Perform Group, die Sponsoring- und Medien-Unternehmen aber auch Verbände, Ligen und Fußball-Vereine in Deutschland und Österreich betreut.

Röttgermann betont: "Unsere Basis ist hier"

Der FC Bayern München, Borussia Mönchengladbach, Dortmund und Wolfsburg haben bereits eigene Büros in Fernost. Davon ist der VfB allerdings noch weit entfernt. Stück für Stück und vor allen Dingen nachhaltig soll sich das neue China-Projekt entwickeln.

Habe man sich in Fernost eine „Marktrelevanz“ aufgebaut, soll in einem nächsten Schritt auch die Lizenzspieler Mannschaft in das Projekt involviert werden. Eine Marketing-Reise, wie sie zum Beispiel Borussia Dortmund im letzten Sommer durch Japan und China absolvierte, sei auch denkbar.

Bei all der Internationalisierung ist es Marketing-Chef Röttgermann wichtig zu betonen: „Unsere Basis ist hier. Der VfB wird seine Wurzeln immer hegen und pflegen, aber wir haben auch eine Verantwortung dem VfB und unseren Partnern gegenüber.“

Suche nach einem zweiten Investor läuft weiter

Der Club ist weiter auf der Suche nach einem weiteren Investor, der Anteile an der VfB-AG erwerben will. Aktuell laufen zahlreiche Gespräche. Spruchreif ist jedoch noch nichts. Bis zum Frühjahr 2019 soll ein zweiter Partner neben dem Daimler gefunden werden. „Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen“, so Jochen Röttgermann.

Spruchreif sind hingegen die neuen Partnerschaften mit dem Wettanbieter Betano und dem Hemdenhersteller Olymp.  Der private Sportwetten-Anbieter wird neuer Premium-Partner des VfB. Die Zusammenarbeit mit Toto-Lotto wird nicht fortgeführt. Betano ist lizensierter Anbieter von internationalen Sport- und Live-Wetten in mehreren europäischen Ländern. Der Hemdenhersteller aus Bietigheim-Bissigen wird künftig die Mannschaft und die Mitarbeiter des VfB ausstatten.

Weiter auf dem Gas bleiben wollen die Stuttgarter auch beim Thema eSports. Seit rund einem Jahr hat der Bundesligist eine eigene eSports-Abteilung und diese soll künftig regionaler werden, damit auch Talente aus der Region eine Chance bekommen.


Zur Person:

  • Jochen Röttgermann wurde am 23. Dezember 1966 in Lindenberg im Allgäu geboren und ist seit zwölf Jahren für den VfB Stuttgart tätig.
  • Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann absolvierte er bis 1995 ein Studium zum Diplom-Kaufmann an der Eberhard Karls Universität in Tübingen.
  • Von 1995 bis 2005 arbeitete Jochen Röttgermann bei Sponsorcom in Filderstadt und Düsseldorf, einer Agentur für Sponsoring, Beratung, Services und Sonderwerbeformen. Dort war er ab April 1999 Mitglied der Geschäftsleitung.

  • Seit August 2006 ist Jochen Röttgermann als Geschäftsführer der VfB Stuttgart Marketing GmbH im Verein tätig. Darüber hinaus ist er seit Juli 2015 als Vorstand Marketing und Vertrieb Mitglied der Geschäftsleitung des VfB Stuttgart.

  • Röttgermann wohnt in Tübingen, ist verheiratet und hat zwei Töchter (19 und 22 Jahre).