VfB Stuttgart

Der VfB Stuttgart in der Bundesliga: Was war das Erfolgsrezept für die sorgenfreie Saison?

Pellegrino Matarazzo
Hatte die meiste Zeit gut Lachen: Trainer Pellegrino Matarazzo. © Danny Galm

Manchmal reicht eine einzige Statistik, um eine ganze Saison zu erzählen: Die schlechteste Tabellenplatzierung des VfB Stuttgart im Premierenjahr nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga war der 12. Rang. Den belegten die Schwaben nach dem 1. Spieltag - tiefer in den Keller rutschten die Weiß-Roten zu keinem Zeitpunkt. Eine beeindruckende Leistung. Was war das Erfolgsrezept?

„Die Gruppe ist so gewachsen, dass jeder seine Rolle verstanden hat“

Dass der VfB eine sorgenfreie Saison spielen konnte, wurde von mehreren Faktoren beeinflusst. Allen voran ist es Trainer Pellegrino Matarazzo und Sportdirektor Sven Mislintat gelungen, das lange vergessene Motto „Jung und wild“ wieder mit Leben zu füllen. Aus Sicht des Cheftrainer waren dabei die Entwicklung des Teams und die Qualität der Spieler mitentscheidend. „Die Gruppe ist so gewachsen, dass jeder seine Rolle verstanden hat“, sagt Matarazzo. „Wir hatten ein unglaubliches Trainingsniveau in diesem Jahr. Die Intensität war jeden Tag sehr hoch.“

Lob für das Trainerteam gibt es derweil vom Sportchef: „Sie haben es immer wieder geschafft, den Spielern zu erklären, was zu tun ist, um einen Kaderplatz oder eben dann auch einen Platz in der Startelf zu bekommen oder aber auch klar zu machen, warum ein Spieler nicht spielt.“

Intakter Mannschaftsgeist

Als Beispiel für den intakten Mannschaftsgeist führt Mislintat den Abwehrspieler Pascal Stenzel an. Zu Beginn der Saison war der 25-Jährige gesetzt. Seinen Stammplatz verlor er jedoch im Laufe der Runde an den starken Griechen Konstantinos Mavropanos. Auch als Ersatzspieler habe Stenzel „massive Energie in diese Mannschaft gesteckt“, so Mislintat. Das Paradebeispiel für den Saisonverlauf ist für Mislintat allerdings Mittelfeldmotor Wataru Endo. „Eine ganz hohe fußballerische Qualität, Leidenschaft und im entscheidenden Moment wie zum Beispiel in Gladbach auch mal einen Boss-Move raushauen. Er ist der Bodyguard der Mannschaft - und das sagt alles über ihn.“

Jung, wild und lernfähig

Der aber vielleicht wichtigste Faktor für den entspannten Saisonverlauf war die Evolution der Truppe. „Die Lernkurve aus jedem Spiel war das Entscheidende“, sagt Sven Mislintat. „Das war immer wieder wichtig.“ So ging beispielsweise das erste Ligaspiel zu Hause gegen den SC Freiburg mit 2:3 verloren, zwischenzeitlich drohte sogar eine echte Klatsche.

Doch schon am 2. Spieltag in Mainz zeigte die Elf, dass sie die richtigen Schlüsse aus der Auftaktniederlage gezogen hatte: Mit 4:1 wurden die Rheinhessen aus dem eigenen Stadion geschossen. Die Schwaben präsentierten sich also nicht nur jung und wild, sondern auch lernfähig und taktisch flexibel. „Besonders in der Hinrunde haben wir sehr viel über unser Konterspiel geglänzt, aber auch unsere Standards haben eine gewisse Wucht gehabt“, findet Matarazzo.

Zu was die „Jungen Wilden 2.0“ fähig sind, durfte Fußballdeutschland dann am 12. Dezember bestaunen. Mit 5:1 wurde der BVB am 11. Spieltag in seine Einzelteile zerlegt. „Das Dortmund-Spiel hat gezeigt, welches Potential in der Mannschaft steckt“, so Matarazzo. Für Sven Mislintat war die Partie bei seinem Ex-Club ein „Blockbuster-Spiel“. Das Spiel habe gezeigt, „wer wir eigentlich sind und was wir zu leisten imstande sind. Das war ein optimaler Ausschlag.“

Was kommt in der neuen Saison?

In der neuen Saison beginnt die Arbeit jetzt aber wieder von vorne. Mit Torwart Gregor Kobel hat ein Leistungsträger den Verein bereits verlassen. Weitere Abgänge sind zu befürchten. Dennoch blickt der Trainer optimistisch in die Zukunft: „Wir haben eine lange, intensive Saison gespielt, in der wir an unsere Grenzen und darüber hinaus gegangen sind. Und wir wollen auch in der kommenden Saison wieder angreifen.“ Das Erfolgsrezept für eine sorgenfreie Spielzeit sollte bekannt sein, die Blaupause lieferte die Mannschaft in der vergangen Saison. „Das ist, woran wir uns orientieren“, sagt Sven Mislintat, „uns die Mentalität beizubehalten, nicht aufzuhören, wachsen zu wollen, nicht aufzuhören, zu attackieren, immer besser werden zu wollen und für die anderen einzustehen.“

Zahlen zur Bundesliga-Saison 2020/21

  • Höchste Saisonsiege: 5:1 gegen Borussia Dortmund (11. Spieltag) und den FC Schalke 04 (23. Spieltag)
  • Höchste Saisonniederlage: 0:4 gegen den FC Bayern München (26. Spieltag)
  • Längste Serie: 2. bis 8. Spieltag (zwei Siege, fünf Unentschieden)
  • Längste Serie ohne Sieg: Spieltag 28 bis 31 (vier Niederlagen)
  • Beste Saisonplatzierung: Platz fünf am 5. Spieltag
  • Schlechteste Platzierung: Platz zwölf am 1. Spieltag