VfB Stuttgart

Dietrich: "Der Verein braucht Kapital von außen"

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Wolfgang Dietrich (68) tourt seit Wochen durchs Ländle und rührt kräftig die Werbetrommel für die geplante Ausgliederung der Profi-Abteilung (ab der U 16) in eine AG. © Danny Galm
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Christoph Daum (63): „Daimler als Investor, das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen. Es geht hier um eine strategische Partnerschaft. So einen Investor hätte ich auch gerne.“ © Danny Galm
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Daniel Ginczek (26): „Die Entscheidung ist wichtig für die Entwicklung des Vereins, ist aber aktuell in der Mannschaft kein Thema.“ © Danny Galm
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Rund 700 Gäste lauschten den launigen Ausführungen von Ex-VfB-Coach Christoph Daum, den Argumenten des aktuellen Präsidenten Wolfgang Dietrich und dem sympathisch zurückhaltenden VfB-Stürmer Daniel Ginczek. StN-Titelautor Gunter Barner führte durch den Abend. © Danny Galm

Stuttgart. Der VfB Stuttgart steht kurz vor der Rückkehr in die Bundesliga und Präsident Wolfgang Dietrich will mit dem Verein an erfolgreiche Zeiten anknüpfen. „Der Verein braucht eine Professionalisierung und Kapital von außen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, so der 68-Jährige auf einer Veranstaltung am Mittwoch. Für die Vereinsführung ist klar: Der Weg zurück an die großen Fleischtöpfen in der Bundesliga geht nur über die Ausgliederung.

Unsere Partnerzeitung - die Stuttgarter Nachrichten - hatte am Mittwochabend in den Mozartsaal der Liederhalle geladen. Motto des Abends: „Das Comeback – der VfB auf dem Weg zurück in die Bundesliga“.  Rund 700 Gäste lauschten den launigen Ausführungen von Ex-VfB-Coach Christoph Daum, den Argumenten des aktuellen Präsidenten Wolfgang Dietrich und dem sympathisch zurückhaltenden VfB-Stürmer Daniel Ginczek. StN-Titelautor Gunter Barner führte durch die Veranstaltung.

„Der Verein braucht eine Professionalisierung und Kapital von außen“

Nach einigen Anekdoten aus der Meisersaison 1992 und Geschichten rund um die Motivationskünste von Christoph Daum (Spieler über Scherben laufen lassen, 40.000 Mark an die Kabinentür nageln) kam die Runde zum eigentlichen Kernthema des Abends: die geplante Ausgliederung der Profi-Abteilungen in eine AG.

Die Macher an der Mercedesstraße haben erkannt, dass auf dem Weg zurück in die Eliteklasse des deutschen Fußballs mehr von Nöten sein wird, als eine junge Mannschaft und ein ebenso junger und motivierter Chefcoach. „Der Verein braucht eine Professionalisierung und Kapital von außen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Präsident Dietrich.

Die Vereinsführung benötigt eine Dreiviertelmehrheit

Der 68-Jährige tourt seit Wochen durchs Ländle und rührt kräftig die Werbetrommel für die geplante Ausgliederung der Profi-Abteilung (ab der U 16) in eine AG. Alles unter dem Motto: Information schafft Vertrauen. 20 Informationsveranstaltungen habe er bereits besucht. Zwölf weitere liegen noch vor dem Präsidenten.

Die Stimmung in den Fanclubs und unter den Mitgliedern sei gut - soll heißen pro Ausgliederung. Aber der Unternehmer aus Leonberg weiß: „Stimmungen sind noch keine Stimmen.“

Der Präsident hofft, dass am 1. Juni 11.000 Zuschauer in die Mercedes-Benz Arena kommen und bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung eine Dreiviertelmehrheit ihr Votum für die Pläne der Vereinsführung abgibt.

„Wir wollen keinen Sugar-Daddy wie in Hamburg“

Die Daimler AG steht bereit und würde im Falle eines Aufstiegs und einer Ausgliederung das Stammkapital des Vereins um 41,5 Millionen Euro erhöhen. Weitere Investoren sollen hinzustoßen und dem VfB so bis zu 100 Millionen Euro bringen. Christoph Daum, der Stuttgarter Meistertrainer von 1992 und aktuelle Nationaltrainer Rumäniens, jubelt: „Daimler als Investor, das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen. Es geht hier um eine strategische Partnerschaft. So einen Investor hätte ich auch gerne.“

Vergleiche zu Vereinen wie Leipzig, Hoffenheim oder dem HSV verbittet sich Wolfgang Dietrich und kontert bissig: „Wir wollen keinen Sugar-Daddy wie in Hamburg.“ Auch gegen Werksclubs wie Wolfsburg oder Leverkusen teilt der VfB-Präsident aus: „Gucken sie nach Wolfsburg. Da sind 10.000, 15.000 Zuschauer, wenn sie Bundesliga oder Champions League spielen. Das ist bei uns ein öffentliches Training.“

Der Tag der Entscheidung

Der VfB steht vor wegweisenden Wochen. Sportlich steht die Mannschaft von Hannes Wolf kurz vor der Rückkehr in die Bundesliga. Ein Sieg in Hannover und die Schwaben sind wieder da, wo sie sich nach ihrem Selbstverständnis sehen. Dann kommt am 1. Juni der „Tag der Entscheidung“ (Dietrich). Ist das auch ein Thema in der Mannschaft? Angreifer Daniel Ginczek verneint: „Die Entscheidung ist wichtig für die Entwicklung des Vereins, ist aber aktuell in der Mannschaft kein Thema.“

Dietrich verfolgt zwei große Ziele mit dem Verein: Erstens will der Präsident das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des VfB in vier bis fünf Jahren wieder zu einer - am liebsten wieder zu der - Top-Adresse in Deutschland machen. Zweitens will er den VfB Stuttgart in drei bis vier Jahren wieder im oberen Tabellendrittel der Bundesliga etablieren.

Art und Weise der Werbung stößt Teilen der Fans sauer auf

Für beide Vorhaben benötigt der Verein frisches Kapital. Sollten die Mitglieder den Plänen der Vereinsführung ihre Zustimmung verweigern, dann werde man bis zur nächsten Mitgliederversammlung im Herbst einen neuen Vier-Jahresplan ausarbeitet – mit deutlich reduzierten finanziellen Möglichkeiten.

Die Botschaft ist klar und wurde von der Marketingabteilung des VfB auf die Formel: „Ja zur Ausgliederung = Ja zum Erfolg“ gebracht. Diese Art und Weise der Werbung stößt Teilen der Fans sauer auf. Sie vermissen echte Alternativen zur Ausgliederung und fürchten, dass ihr Herzensclub zu einem seelenlosen Verein verkommt, der um des Geldes Willen seine Tradition verkauft.

„Der Verein hat Potential für mehr“

Dem wiedersprechen Dietrich und Daum vehement: "Es wird sich nichts verändern an dem ganzen Herzblut oder der Tradition des VfB. Das wird alles bleiben", meint Christoph Daum. Der VfB sei eine Marke geworden, die auch für Investoren attraktiv ist: „Der Verein hat Potential für mehr“, so Dietrich. Die Ausgliederung biete eine große Chance, die sich der VfB nicht entgehen lassen dürfe. 

Fakt ist: Die Stuttgarter Meisterschaft 2007 war der letzte Titelgewinn eines als Verein organisierten Clubs. In der ersten Liga sind aktuell lediglich Darmstadt, Schalke, Freiburg und Mainz als Verein organisiert. Die restlichen 14 Fußball-Abteilungen sind in unterschiedliche Organisationsstrukturen ausgegliedert. „Wir leben heute in einer anderen Zeit mit ganz anderen Wirtschaftsmodellen“, so Christoph Daum. Dietrich ergänzt: „Wir können uns dem knallharten Wettbewerb ohne Anschubfinanzierung nicht stellen.“

„Es muss eine Entscheidung geben“

Dietrich und die Vereinsführung sehen keine Alternative zur Ausgliederung. Deshalb kämpft der Präsident für das Projekt: „Wir müssen den Mitgliedern klar machen, was auf dem Spiel steht.“

Dass Teile der Mitglieder den Plänen noch mit Skepsis gegenüberstehen, ist Dietrich bewusst. Doch der ehemalige Unternehmer und S 21-Sprecher will das Thema jetzt auf den Tisch bringen und eine Entscheidung herbeiführen: „Alle sind sich einig, dass es eine Entscheidung geben muss.“