VfB Stuttgart

Finanzen des VfB Stuttgart: Wie sich der Traditionsklub durch die Krise kämpft

Geschäftsstelle VfB Stuttgart, VfB, Symbolbild
Symbolbild. © Danny Galm

Der VfB Stuttgart hat auch im Geschäftsjahr 2021 Verluste gemacht, sich bislang aber mehr als wacker durch die Corona-Krise gekämpft. Die aktuellen Zahlen zu den Finanzen der AG und des e.V. wurden am Sonntag (11.09.) auf der Mitgliederversammlung des Vereins präsentiert. 

Das sind die Zahlen für die AG

Die Grafiken weisen für die ausgegliederte Profiabteilung des Klubs ein negatives Jahresergebnis von 1,2 Millionen Euro aus. Anbetracht der Umstände fast schon ein gutes Resultat. „Ein Ergebnis, das sich im Vergleich zu einigen anderen von Corona gebeutelten Traditionsklubs, sehen lassen kann“, ordnete Vorstandschef Alexander Wehrle ein, ergänzte aber auch: „Wir werden auch in den kommenden zwei, drei Jahren die Einnahmeverluste der vergangenen beiden Saisons noch mit uns herumtragen – und abtragen müssen.“ Der Konzernabschluss im Detail:

Der Konzernumsatz von rund 150 Millionen Euro ist in etwa mit der Summe aus dem Jahr 2016 vergleichbar. Zum Vergleich: Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie hatte der Klub noch rund 180 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Umsatzeinbruch seit März 2020 beläuft sich auf fast 90 Millionen Euro:

2021 hatten die AG-Vorstände noch ein Defizit von 28,4 Millionen Euro verkünden müssen. Aufgrund von Sparmaßnahmen, Kurzarbeit und dem Einstieg von Ausrüster Jako konnte das Ergebnis für das Geschäftsjahr 2021 nun verbessert werden.

Auch die positive Transferbilanz (plus 25 Millionen Euro) durch die Verkäufe von Nicolas Gonzalez (Florenz) und Gregor Kobel (Dortmund) und die gestiegenen TV-Erlöse (plus 20 Millionen im Vergleich zum Vorjahr) haben die Pandemie-Folgen abgefedert. Insgesamt konnten die AG-Erträge im vergangen Jahr um über 50 Millionen Euro gesteigert werden.

Das Eigenkapital der AG ging jedoch abermals zurück: Von 46,1 Millionen Euro (2019) auf 23,9 Millionen Euro (2020) auf nun 22,2 Millionen Euro. Gestiegen sind dafür die Personalkosten - also die Aufwendungen für Spieler, Trainer und Staff. Mit einem halben Jahr in der 2. Liga beliefen sie sich 2020 noch auf 69,1 Millionen Euro, nun sind es für 2021 (und einem kompletten Kalenderjahr in der Bundesliga) bereits 82,8 Millionen Euro und damit der mit Abstand größte Posten im Vergleich zu den übrigen Kosten. 

Das sind die Zahlen für den e.V.

Auch der eingetragene Verein schreibt 2021 rote Zahlen. Hier schlagen vor allem die Kosten für die Mitgliederversammlung 2020 und Investitionen im NLZ zu Buche. Eine Finanzspritze von der AG gab es allerdings nicht. 

Traditionell bilden die Mitgliedsbeiträge den größten Teil der e.V.-Einnahmen. Hinzu kommt im Posten „Sonstige“ eine rund 420.000 Euro schwere Versicherungsentschädigung, welche der Verein im Zuge der Daten-Affäre ausbezahlt bekam. 

Auf der Ausgaben-Seite fallen die gestiegenen Kosten für die Akademie und die Geschäftsstelle ins Auge. Diese lassen sich durch Rechts- und Beratungskosten (rund 170.000 Euro) sowie mit zusätzlichem Personal (Trainer und Scouts) für die Nachwuchskicker erklären. Diese sind von der U11 bis zur U15 noch beim e.V. angesiedelt, ab der U16 finanziert die AG die Jugendabteilungen. 

Das e.V.-Jahresergebnis unterlag in den letzten Jahren meist einer extremen Wellenbewegung. Auf 380.000 Euro Gewinn im Jahr 2020 folgt nun für 2021 ein Verlust in Höhe von 308.000 Euro. Für 2022 wird ein kleines Plus von rund 20.000 Euro erwartet.

„Es kann nicht sein, dass wir in den nächsten Jahren so weiter machen“, sagte Präsidiumsmitglied Christian Riethmüller, der im Hauptberuf Chef der Tübinger Buchhandelskette Osiander ist: „Diese schwankenden Ergebnisse sollen der Vergangenheit angehören.“ Steigende Mitgliedszahlen (Ziel sind 10.000 Neumitglieder bis Ende 2023) und erstmals eine mittelfristige Finanzplanung für den e.V. sollen den Verein künftig auf solidere Beine stellen.